Realismus und Naturalismus in der Literatur
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Der Realismus in der Literatur
Der Realismus wurde in Frankreich nach 1848 geboren. Er basiert auf der Beobachtung der Wirklichkeit und zeigt eine Tendenz gegen den romantischen Eskapismus. Die wichtigsten Merkmale sind:
- Genaue und objektive Spiegelung von Charakteren und Umgebungen.
- Die Figuren stammen aus dem zeitgenössischen Alltag und sind detailliert beschrieben.
- Szenarien werden so geschildert, dass Leser sie wiedererkennen.
- Interesse an Themen, Konflikten und Gefühlen der Zeit.
- Sprachliche Anpassung an die jeweilige Person.
- Der Erzähler ist allwissend.
- Moralische Absicht durch Gesellschaftskritik und Verbesserungswillen.
Der Naturalismus
Der Naturalismus entstand in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts. Seine Grundlagen wurden vom französischen Schriftsteller Émile Zola gelegt. Die Grundsätze sind:
- Anwendung der experimentellen Methode bei der Beobachtung der Realität.
- Bedeutung von Vererbung und Umwelt, die das Verhalten der Charaktere bestimmen.
- Darstellung der teils unangenehmen oder schmutzigen Realität.
- Interesse an Randfiguren der Gesellschaft.
Bedeutende Autoren und ihre Werke
Pedro Antonio de Alarcón
Ein Autor mit romantischem Charakter und politischem Denken. Er schrieb Der Dreispitz, Der verlorene Sohn und Der Skandal.
José María de Pereda
Seine Werke weisen traditionalistische und konservative Merkmale auf. Bekannt sind Sotileza und Peñas arriba (Felsen oben).
Juan Valera
Seine Romane sind eher idealistisch geprägt, nutzen aber realistische Beschreibungen. Zu seinen Werken gehören Pepita Jiménez und Juanita la Larga.
Emilia Pardo Bazán
Sie schreibt unter dem Einfluss des Naturalismus. Werke: Die Tribüne, Das Landgut von Ulloa, Mutter Natur, Prüfung und Die schwarze Sirene.
Vicente Blasco Ibáñez
Naturalistischer Charakter mit Fokus auf seine Heimatstadt Valencia. Er beschreibt oft gemeine und grausame Umgebungen in Werken wie Reis und Karren, Die Hütte sowie Schilf und Schlamm.
Gustave Flaubert (1821–1880)
Gilt als französischer Brückenautor zwischen Romantik und Realismus. Seine strenge und objektive Beobachtung ist dem Realismus zuzuordnen. Er war ein akribischer Arbeiter mit einer pessimistischen Sicht auf das Leben. Sein bekanntestes Werk ist Madame Bovary, ein bemerkenswertes psychologisches Porträt der Protagonistin.
Benito Pérez Galdós
Geboren 1843 in Las Palmas de Gran Canaria, studierte er Jura in Madrid, wo er bis zu seinem Tod 1920 lebte. Sein Werk umfasst das letzte Drittel des 19. und den Anfang des 20. Jahrhunderts. Seine Romane spiegeln eine progressive und liberale Gesinnung gegen Intoleranz wider.
Merkmale seiner Werke:
- Darstellung aller sozialen Schichten, insbesondere der Mittelschicht.
- Charaktere vermitteln Alltagsprobleme.
- Einsatz populärer Ausdrucksweise und eines allwissenden Erzählers.
- Wechsel zwischen Erzählung und Dialog.
Wichtige Werkgruppen:
- Episodios Nacionales: 46 Bücher über die Geschichte Spaniens, die Schlachten und das häusliche Leben in einer Mischung aus Realität und Fiktion beschreiben.
- Romane: Die erste Periode (Thesenromane) wie Doña Perfecta oder La familia de León Roch kontrastiert religiöse mit liberalen Ideen. Die zeitgenössischen Romane konzentrieren sich auf das Leben in Madrid. Die spiritistischen Romane wie Misericordia (Gnade) oder Nazarín betonen Werte wie Freundlichkeit und soziale Gerechtigkeit.
Leopoldo Alas „Clarín“
Geboren 1852 in Zamora, lebte und starb er (1901) in Oviedo. Er ist neben Pardo Bazán der prominenteste Vertreter des spanischen Naturalismus. Seine Werke sind von der Realität inspiriert, mit detaillierten Charakteren und natürlich-expressiver Sprache. Sein Werk umfasst zwei große Romane (La Regenta und Sein einziges Kind) sowie Novellen wie Doña Berta und Geschichten wie ¡Adiós, Cordera!.
Das Meisterwerk: La Regenta
Veröffentlicht Mitte der 1880er Jahre, gilt dieser Roman als Meisterwerk des Realismus. Die Protagonistin Ana heiratet ohne Liebe. Frustriert und isoliert, wird sie vom Stadt-Don-Juan Álvaro Mesía umworben. Die Geschichte endet tragisch mit einem Duell und der völligen sozialen Isolation Anas durch die damalige Gesellschaft.