Realismus und Naturalismus in der spanischen Literatur
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Realismus: Die objektive Darstellung der Wirklichkeit
Der Realismus ist eine objektive Darstellung der Wirklichkeit. Seine Entstehung ist eng mit dem Aufstieg des Bürgertums und der neuen städtischen Industriegesellschaft verknüpft. Der Roman entwickelte sich zum führenden Genre, in dem der Realismus seine höchsten Errungenschaften erreichte.
Die Literatur blieb von diesen gesellschaftlichen Veränderungen nicht unberührt. Schriftsteller fokussierten sich auf die objektive Beobachtung und Beschreibung sozialer Probleme. In Bezug auf die Form wurde eine nüchterne und präzise Sprache bevorzugt, die verstärkt Umgangssprache integrierte.
Naturalismus: Wissenschaftliche Methode in der Literatur
Ab 1880, als der Realismus seine volle Reife erreichte, begannen in Spanien die Theorien des französischen Schriftstellers Émile Zola, dem Begründer des Naturalismus, Früchte zu tragen. Die Autoren suchten nach einer wissenschaftlichen Erklärung für das menschliche Verhalten.
Der Schriftsteller fungierte dabei als Beobachter, der die wissenschaftliche Methode anwandte. Die Charaktere sind in ihren Handlungen nicht frei, sondern Opfer ihrer Umwelt, ihrer sozialen Situation, ihrer Physiologie oder ihrer Vererbung. Es besteht eine Tendenz, die elenden und schmutzigen Aspekte des Lebens darzustellen, oft durch unangenehme, hässliche oder brutale Figuren.
Leopoldo Alas „Clarín“
Leopoldo Alas, der seine Schriften unter dem Pseudonym Clarín veröffentlichte, wurde 1858 in Zamora geboren, wuchs jedoch in Asturien auf. Er studierte Jura in Madrid und wurde später Professor an der Universität Oviedo. Er war ein scharfer Kritiker der Intoleranz in traditionellen Gesellschaftsschichten.
Hauptwerk: La Regenta
Sein erster Roman ist ein Meisterwerk des spanischen Naturalismus, geprägt von tiefen ethischen Anliegen. Die Handlung spielt in Vetusta, einer fiktiven Stadt, die auf Oviedo basiert. Die Geschichte konzentriert sich auf Ana Ozores (die Regentin), eine sensible junge Frau, die mit einem deutlich älteren Mann verheiratet ist. Stilistisch zeichnet sich das Werk durch den inneren Monolog und den freien indirekten Stil aus, bei dem die Rede des Erzählers mit den Gedanken der Charaktere verschmilzt.
Benito Pérez Galdós
Benito Pérez Galdós wurde 1843 in Las Palmas de Gran Canaria geboren und zog mit 19 Jahren nach Madrid, um Jura zu studieren.
Phasen seines Schaffens
- Realistische Anfänge: La Fontana de Oro
- Romane der Intoleranz: Doña Perfecta, Gloria, Marianela und La familia de León Roch. Gemeinsames Thema sind die Folgen gesellschaftlicher Unnachgiebigkeit.
- Naturalistischer Realismus: Fortunata und Jacinta.
- Spiritualistischer Realismus: Misericordia.
Episodios Nacionales
Diese Serie umfasst 46 Romane, die in fünf Zyklen unterteilt sind. Galdós kombinierte eigene Erinnerungen mit historischen Dokumenten, Gesprächen mit Zeitzeugen und Vor-Ort-Recherchen.
Stil und Humor
Galdós zeichnet sich durch die Wiedergabe der gesprochenen Sprache in all ihrer Vielfalt aus, um seine Figuren lebendig zu gestalten. Humor ist eine Konstante in seinem Werk: Während er in frühen Romanen oft eine wilde Karikatur zur Charakterisierung nutzte, entwickelte sich sein Stil mit zunehmender Reife zu einer feinen Ironie.
Weitere bedeutende Autoren dieser Epoche sind Pedro Antonio de Alarcón (Der Dreispitz), Juan Valera, Emilia Pardo Bazán und Vicente Blasco Ibáñez.