Die Reconquista und die Katholischen Könige
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Die Reconquista: Prozess und Wiederbesiedlung
Die Reconquista war ein langwieriger, diskontinuierlicher politisch-militärischer Prozess, in dem die christlichen Königreiche zwischen dem 8. und 15. Jahrhundert die von Muslimen eroberten Gebiete zurückgewannen. Entgegen der traditionellen Sichtweise eines reinen Kreuzzugs waren Bevölkerungswachstum und feudale Expansionsbestrebungen entscheidende Triebfedern.
Formen der Wiederbesiedlung
Die Organisation der eroberten Gebiete erfolgte durch verschiedene Methoden:
- Eile: Zwischen dem Kantabrischen Gebirge und dem Duero.
- Urkunden und Freibriefe: Zwischen dem Duero und dem Zentralsystem.
- Großgrundbesitz: Vergabe an den Adel und militärische Orden (z. B. Santiago, Calatrava) in der südlichen Hälfte der Halbinsel.
Widerstand und Expansion
Der Prozess begann mit Widerstandszentren im Norden, wie dem Königreich Asturien nach der Schlacht von Covadonga (722). Später entstanden das Königreich Pamplona, die aragonesischen Grafschaften und die katalanischen Grafschaften. Ab dem 11. Jahrhundert beschleunigte sich die Expansion durch den Zerfall des Kalifats von Córdoba und die Entstehung der Taifa-Königreiche, gipfelnd im Erfolg von Las Navas de Tolosa (1212).
Die Ära der Katholischen Könige
Die Ehe von Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragonien (1469) markiert den Beginn einer neuen Ära. Obwohl sie oft als Geburtsstunde des modernen spanischen Staates bezeichnet wird, handelte es sich zunächst um eine dynastische Union, bei der beide Königreiche ihre eigenen Gesetze und Institutionen behielten.
Ziele der autoritären Monarchie
Die Katholischen Könige verfolgten eine Politik der Modernisierung und Stärkung der königlichen Autorität:
- Finanzreformen: Straffung des Finanzwesens zur Finanzierung der Bürokratie und Armee.
- Territoriale Einheit: Eroberung von Granada (1492), Annexion von Navarra (1512) und Eingliederung von Roussillon und Cerdanya.
- Religiöse Einheit: Gründung der Inquisition und Vertreibung der Juden.
- Heiratspolitik: Strategische Allianzen mit europäischen Königshäusern zur Stärkung der Macht.
Außenpolitik und Entdeckung Amerikas
Die Außenpolitik war geprägt von der Expansion im Mittelmeerraum (Italien), Nordafrika und dem Atlantik. Die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus (1492) und der Vertrag von Tordesillas (1494) legten den Grundstein für das spanische Kolonialreich und veränderten die europäische Geschichte nachhaltig.