Die Renaissance: Kultur, Literatur und Gesellschaft
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Die Renaissance im 16. Jahrhundert
Die Renaissance entstand im 16. Jahrhundert in Italien und verbreitete sich als kulturelle und philosophische Bewegung in ganz Europa. Diese Epoche ist vor allem für ihr Interesse am Menschen bekannt. Die Periode ist durch große soziale Veränderungen gekennzeichnet, wobei die Bourgeoisie als neue soziale Klasse hervorging.
Historische Situation
Die Eroberung des Königreichs Granada durch die Katholischen Könige im Jahre 1492 markiert das Ende des Mittelalters und den Beginn der Renaissance. Die Vereinigung der christlichen Königreiche stand im Gegensatz zu den religiösen Spannungen, die durch soziale Heterogenität provoziert wurden. Die Entdeckung Amerikas weckte großes wirtschaftliches Interesse, wodurch Spanien zur führenden Weltmacht aufstieg.
Gesellschaft und Kultur der Renaissance
Im Vergleich zum Mittelalter ergeben sich folgende Unterschiede:
- Mittelalter: Gott ist der Mittelpunkt des Lebens und das Maß aller Dinge (Theozentrismus). Das Leben wird als „Jammertal“ und der Tod als Erlösung betrachtet. Die Gesellschaft ist in feste Stände unterteilt. Das Ideal ist der Ritter. Die wirtschaftliche Tätigkeit ist grundsätzlich ländlich geprägt, Handel und Technik sind unterentwickelt.
- Renaissance: Der Mensch wird zum Mittelpunkt der Schöpfung (Anthropozentrismus). Das Leben wird als eine Zeit der Freude und des Vergnügens begriffen. Die Bourgeoisie erscheint, und der ideale Höfling wird zum Vorbild. Das Städtewachstum und der Handel prägen die Wirtschaft. Die Kunst sucht Schönheit und Ausgewogenheit, indem sie die Natur nachahmt und sich an griechisch-römischen Modellen orientiert.
Lyrik in der ersten Renaissance
Die Renaissance-Dichtung umfasst zwei Phasen. Die erste Periode ist durch allgemeine soziale Optimierung und europäische Einflüsse geprägt. Sie führt mittelalterliche Traditionen fort und verbindet sie mit italienischen Strömungen.
Themen und Stil
- Natur: Natürliche Elemente spiegeln die Reinheit der Gefühle wider. Diese idealisierte Vision unterstreicht Schönheit, Perfektion und Harmonie.
- Mythologie: Dichter nutzen antike Mythen als Themen, um persönliche Erfahrungen zu illustrieren.
- Liebe: Die Geliebte ist für den Dichter ein unerreichbares Ideal der Vollkommenheit.
Stil und Metrik: Es werden Hendekasyllaben (Elf-Silbler) und siebensilbige Verse verwendet. Beliebte Kompositionen sind das Sonett, die Silva und die Lira. Garcilaso de la Vega gilt als der Inbegriff der Renaissance-Lyrik.
Lyrik in der zweiten Renaissance
Anhaltende Kriege mit europäischen Ländern führten das Land in eine Zeit des Niedergangs. In der Literatur zeigt sich dies durch die Gegenreformation, die durch das Konzil von Trient gefördert wurde. Die katholische Kirche suchte in einer Zeit großer religiöser Debatten nach einer festen Ausrichtung. Nationale Anliegen, philosophische Reflexion und Religion wurden zu den Hauptthemen.
Mystische Poesie
Sie konzentriert sich auf das Religiöse und den Weg zur Gotteserkenntnis. Die Suche nach Gott steht im Mittelpunkt. Metrisch basiert sie auf der Lira und dem Achtsilbler in einem schlichten Stil. Wichtige Vertreter sind Santa Teresa de Jesús und Johannes vom Kreuz.
Literarische Schulen
- Schule von Salamanca: Autoren wie Fray Luis de León pflegen eine einfache, natürliche Poesie mit moralischen und religiösen Themen (expressive Schlichtheit, kurze Verse, aufrichtige Dichtung).
- Schule von Sevilla: Vertreter wie Fernando de Herrera widmen sich profanen Themen und pflegen eine komplexe Poesie mit vielen rhetorischen Ausschmückungen (formale Komplikation, lange Verse, aufwendige und intellektuelle Dichtung).
Der Renaissance-Roman
Es lassen sich zwei Modelle unterscheiden, insbesondere der idealisierende Roman:
- Pastoraler Roman: Die Handlung spielt in einer idealisierten Natur, in der edle Hirten ihre Freuden und Sorgen besingen.
- Ritterroman: Erzählt von den Abenteuern fahrender Ritter.
- Maurischer Roman: Behandelt Kämpfe zwischen Christen und Muslimen.
Diese Romane bieten eine idealisierte Weltsicht mit perfekten Prototypen in exotischen oder fiktiven Szenarien und dienen der Unterhaltung.