Die Renaissance: Literatur, Lyrik und das Tagebuch
Das Tagebuch: Merkmale und Definition
Das Tagebuch ist ein autobiografischer Bericht, in dem die täglich erlebten Ereignisse eines bestimmten Zeitraums festgehalten werden. Diese Art von Text ist an den Autor selbst gerichtet und subjektiv. Merkmale: Tägliche Aufzeichnungen, Ich-Erzählung, Verbformen im Präsens und Perfekt, umgangssprachliche Varietät sowie chronologische und geografische Daten.
Die Renaissance: Humanismus und Weltbild
Die Renaissance entstand im 14. Jahrhundert in Norditalien, verbreitete sich von dort aus über Europa und erreichte Spanien im 16. Jahrhundert. Die Renaissance ist die Folge der Verbreitung des Humanismus, der eine neue Konzeption des Menschen und der Welt bestimmte. Das humanistische Denken beruht auf der Kenntnis der Werke der klassischen Antike und einem anthropozentrischen Ansatz.
Diese Bewegung führte zur Reformation (protestantisches Christentum) und zur Gegenreformation (Katholizismus). Humanistische Ideen wurden vom Adel und dem Bildungsbürgertum aufgegriffen. Ihre Verbreitung wurde durch Universitäten und die Macht der Druckerpresse vorangetrieben; so entstand eine elitäre Stadtkultur. In der kulturellen Renaissance galten der Höfling, der Künstler und der Mäzen als Ideale, geprägt durch die Nachahmung der Antike.
Renaissance-Poesie und das petrarkistische Modell
Die Renaissance-Poesie und die Schaffung eines neuen poetischen Modells haben ihren Ursprung im Werk des italienischen Dichters Petrarca. Das Modell der Renaissance-Lyrik war petrarkistisch, was zu einer tiefgreifenden Erneuerung der Themen und der Metrik führte.
Die Liebe: Liebe wird als eine widersprüchliche und schmerzhafte Erfahrung wahrgenommen. Die Schönheit der Natur wird mit Metaphern und Vergleichen beschrieben, die auf den Elementen basieren. In der Mythologie finden die Liebesszenen meist in einer idyllischen Natur statt.
Religiöse Literatur: Asketik und Mystik
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts blühte die religiöse Literatur auf. Wichtige Strömungen sind:
- Asketik: Der Versuch, die Seele durch eine gottesfürchtige Lebensführung zu reinigen.
- Mystik: Die Vereinigung der Seele mit Gott im Inneren des Menschen. Die mystische Erfahrung verläuft über drei Wege: den reinigenden (Via purgativa), den erleuchtenden (Via illuminativa) und den einigenden Weg (Via unitiva).
Bedeutende Autoren der spanischen Renaissance
Garcilaso de la Vega
Garcilaso de la Vega ist der Prototyp des edlen Höflings: Krieger, Soldat und Dichter. Sein dichterisches Werk umfasst 40 Sonette, 3 Eklogen, 5 Lieder, einen Brief und 2 Elegien. Das wichtigste Thema seiner Dichtung ist die Klage über die Ablehnung durch die Geliebte oder deren Tod. Er verfasste Gedichte in der Ich-Form oder Erzählungen mit pastoralen und mythologischen Figuren.
Fray Luis de León
Fray Luis de León ist ein Autor von Gedichten mit religiösem Inhalt, die der klassischen Welt nahestehen. Seine Verse verherrlichen die Größe Gottes, die sich im Universum widerspiegelt, und schlagen ein asketisches Modell vor.
Heiliger Johannes vom Kreuz
Der Heilige Johannes vom Kreuz nutzt zur Erklärung seiner mystischen Erfahrungen Bilder der menschlichen Liebe. Er stellt die Seele als junge Frau dar, die sich nach der Liebe ihres geliebten Mannes sehnt.
Klassische Topoi der Renaissance-Literatur
- Carpe Diem: Nutze den Tag / Das Leben genießen.
- Tempus Fugit: Die Zeit entflieht / Die Zeit läuft davon.
- Locus Amoenus: Ein lieblicher, angenehmer Ort.
- Beatus Ille: Glücklich jener (der fern vom Trubel lebt).