René Descartes und die Grundlagen des Rationalismus
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René Descartes und der Rationalismus
Kontext: René Descartes, der im 17. Jahrhundert lebte, gilt als Vater der modernen Philosophie. Als herausragender Mathematiker ist er für die Erfindung der analytischen Geometrie bekannt. Er war der Begründer der großen Schule der kontinentalen Philosophie, aus der der Rationalismus hervorging. Diese philosophische Strömung ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:
Vollständiges Vertrauen in die Vernunft
Die Vernunft, im Gegensatz zur Sinneserfahrung, ist die einzige Kraft, die zur Wahrheit führen kann, wenn sie durch eine gute Methode geleitet wird. Sie gilt als unfehlbar und ist in der Lage, aus sich selbst heraus sogenannte angeborene Wahrheiten zu erkennen, die unabhängig von der sinnlichen Erfahrung sind. Aus diesen grundlegenden Ideen werden durch Deduktion weitere, komplexere Wahrheiten abgeleitet. Zudem wird eine Parallelität zwischen der Welt und der Vernunft angenommen, da beide nach denselben logischen Gesetzen funktionieren.
Das mechanistische Weltbild und der Dualismus
Das Weltbild dieser Zeit ist mechanistisch: Die Welt wird als eine Maschine betrachtet, die nach festen Gesetzen funktioniert. Das Funktionsprinzip ist der Determinismus, der besagt, dass alles Zukünftige durch vorangegangene Zustände bestimmt ist. Dies spiegelt sich in Laplaces berühmtem Gedankenexperiment wider: Eine Intelligenz, die den Zustand aller Teilchen des Universums kennt, könnte die Vergangenheit und die Zukunft erschließen. Das Problem dieses Weltbildes liegt in der menschlichen Freiheit. Um dieses Problem zu lösen, nehmen Rationalisten zwei Realitäten an: eine physische, die von Gesetzen regiert wird, und eine geistige, die nicht von diesen Gesetzen betroffen ist. So wird, ähnlich wie bei Platon, der Dualismus von Seele und Körper eingeführt, um die Freiheit des Menschen zu sichern.
Die Suche nach einer neuen Methode
Die Rationalisten suchen nach einer Methode, die auf der Mathematik basiert, und versuchen, deren Vorgehensweise auf die Philosophie zu übertragen. Der Ausgangspunkt sind Axiome (selbstevidente und nicht beweisbare Wahrheiten), aus denen dann komplexere Theoreme abgeleitet werden. Descartes wendet diese Methode an, indem er nach ersten, unbezweifelbaren Wahrheiten sucht, um daraus komplexere Erkenntnisse zu gewinnen. Dies zeigt sich in seinem berühmten Vorgehen des methodischen Zweifels.
Die Rolle der Subjektivität
Der Mensch hat direkte Kenntnis seiner eigenen Gedanken, also der Ideen in seinem Bewusstsein. Die Außenwelt hingegen kennt er nur indirekt über diese Ideen als Vermittler. Das bedeutet, man hat eine unmittelbare Kenntnis der Wahrnehmung von etwas, aber nicht von dem Etwas selbst. Daher kann man nicht mit Sicherheit wissen, ob die Außenwelt existiert, da ihre Existenz nicht evident ist. Sie muss bewiesen werden und kann angezweifelt werden.
Einfluss der modernen Wissenschaft
Der Rationalismus wurde stark von der modernen Wissenschaft beeinflusst, die in der Renaissance (15. und 16. Jahrhundert) entstand und einen Paradigmenwechsel herbeiführte. Es entstand eine Wissenschaft, die auf Zahlen basiert und in der alles mathematisch ausgedrückt wird. Dieses Bestreben, alles zu mathematisieren, beeinflusste die Rationalisten bei ihrer Suche nach einer sicheren Methode. Die moderne Wissenschaft ersetzte das alte, geozentrische Weltbild durch eine neue, mechanistische Sicht, in der die Welt als eine von Gesetzen regierte Maschine verstanden wird.