René Descartes: Methode und Erkenntnistheorie
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Kontextualisierung
Der Text ist der vierte Teil der Abhandlung über die Methode, die 1637 veröffentlicht wurde. Dieser Abschnitt stellt die Frage nach dem grundsätzlichen Ausgangspunkt und zeigt nach Erreichen des Cogito die Existenz Gottes und der Dinge auf. Es ist der zentrale Teil eines Werkes, das eine tragende Säule der modernen Erkenntnistheorie darstellt.
Die Methode zur Vereinheitlichung des Wissens
Die Abhandlung über die Methode ist nicht nur eine Abhandlung, sondern eine Rede und Erläuterung einer Methode, die gefunden wurde, um alles Wissen zu vereinheitlichen. Dies ist notwendig, da sich für Descartes das gesamte Thema auf die kritische Überprüfung der Kenntnisse und den Imperativ konzentriert, ein Verfahren zu etablieren, das alles Wissen vereinen kann. Ziel ist es, individuell eine Methode zu entwickeln, die – wie die Mathematik – eine gewisse Erkenntnis liefert.
In dieser Arbeit, die in sechs Teile unterteilt ist, erklärt er zudem:
- Seine Kritik am erlernten Wissen
- Die Regeln des Verfahrens
- Eine vorläufige Moral
- Abhandlungen über Optik und Astronomie
Zwei weitere wichtige Werke von Descartes sind Regeln zur Ausrichtung des Geistes (1628) und die Meditationen (1640).
Biografie und Werdegang
Descartes wurde 1596 in La Haye en Touraine in eine wohlhabende Familie geboren. Aufgrund seiner zarten körperlichen Konstitution entwickelte er eine große Begeisterung für das Studium. Er besuchte die Schule in La Flèche, wo er Latein, Poesie, Geschichte, Theologie, Physik, Metaphysik und Geometrie lernte. Trotz seiner guten Erziehung kritisierte er dieses Wissen und beschloss, nach Paris zu gehen. Dort genoss er ein bequemes Leben, blieb aber an der Mathematik interessiert. Später reiste er ins Ausland, um die Welt zu erkunden. Er lebte in Holland, wo er die Mathematik kultivierte, und bereiste andere Teile Europas, wobei er zeitweise als Söldner in die Armee eintrat. Nach seiner Rückkehr nach Paris wurde er aufgefordert, die Methode auch auf andere Wissensbereiche anzuwenden. Descartes starb 1650 in Stockholm, wohin er gereist war, um die Königin von Schweden zu unterrichten.
Der Vater der modernen Erkenntnistheorie
Die große Sorge von René Descartes war die Vereinheitlichung des Wissens, die bisher durch das Fehlen einer Methode verhindert wurde. Er orientierte sich an der Mathematik (für Descartes die universelle Mathesis), um Sicherheit im Wissen zu erlangen. Hegel sagte über ihn, dass er die Philosophie aus der scholastischen Theologie befreite und auf die autonome Vernunft und Wissenschaft stellte: durch einen kritischen Wiederaufbau des Wissensgebäudes. Es geht nicht darum, wie in der Tradition empfangene Wahrheiten zu ersetzen, sondern sie kritisch zu bestätigen.
Metaphysik und Rationalismus
Descartes beweist metaphysische Ideen wie Seele, Welt und Gott, jedoch nicht auf der Grundlage des scholastischen Realismus, sondern auf einem soliden Fundament, das aus dem cartesischen Zweifel (methodisch, vorläufig, kritisch, fiktiv) stammt. Für seine Methode eliminiert er Logik und Algebra und konzentriert sich auf das deduktive Modell der Geometrie, ausgehend vom Subjektivismus (dem Cogito).
Descartes ist ein Rationalist, eine Strömung des 17. Jahrhunderts, die dem Empirismus entgegengesetzt ist. Er vertraut voll auf die Existenz sogenannter angeborener Ideen (Descartes ist Idealist) und die Annahme einer mathematischen Methode. Zeitgenössische Denker wie Leibniz, Spinoza oder Mersenne teilten diese rationalistische Ausrichtung. Der cartesianische Rationalismus steht im Gegensatz zum Empirismus, Realismus sowie dem Wert von Autorität und Tradition. Er betont das Moi-même (das Selbst), was zum Subjektivismus führt, in Verbindung mit Anthropozentrismus und der Bona mens (der Vernunft), die allen Menschen gleichermaßen gegeben ist.
Historischer Kontext
Der Cartesianismus muss in einem historischen Kontext verstanden werden, der geprägt war durch:
- Den königlichen Absolutismus und das Gewicht der Gegenreformation.
- Den wissenschaftlichen Aufschwung seit der Renaissance: Heliozentrismus, Keplers elliptische Bahnen, Galileos Fallgesetz, das Fernrohr, die Entdeckung Amerikas sowie die Erfindung des Buchdrucks und des Schießpulvers.