René Descartes: Philosophie, Rationalismus und Methode

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René Descartes

1. Historischer und sozio-kultureller Kontext

Es ist die Zeit des Aufstiegs des politischen Absolutismus und der Entstehung erster Gegenkonzepte. Die Ära ist geprägt von einer dauerhaften Krise, endlosen Kriegen und Spannungen mit dem Adel. Die Verarmung der Bevölkerung, um militärische Abenteuer zu finanzieren und den Luxus der Höfe zu pflegen, führt zu kritischen Stimmen. Ein neues politisches System gewinnt an Relevanz: die Demokratie.

Kulturell ist das 17. Jahrhundert das Jahrhundert des Barock, das als Reaktion auf eine zusammenbrechende Weltordnung entstand. Diese Veränderung beeinflusst die Philosophie maßgeblich. Die feindliche Wirklichkeit wird nicht mehr als primäres Objekt der Untersuchung betrachtet; stattdessen konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf den Menschen. Die zentrale Frage lautet: Wie kann der Mensch mit der Wirklichkeit interagieren? Im Denken von Descartes finden sich wichtige barocke Elemente, wie etwa sein Zweifel an der Unterscheidung zwischen Wachen und Schlafen.

Die wissenschaftliche Revolution durch Kopernikus, Galilei und Kepler gipfelt in der Idee der Mathematisierung durch Isaac Newton. In einer Welt, die sich wandelt, flüchtet sich der Mensch in die Subjektivität. So wurde die Moderne geboren, deren grundlegendes Merkmal die radikale Bedeutung des Subjekts ist.

Wissen ist immer Wissen von Ideen, nicht von Dingen. Da Ideen und Dinge nicht identisch sind, ist es möglich, an der Existenz der Letzteren zu zweifeln.

2. Philosophischer Rahmen

Während des 17. Jahrhunderts in Europa lösen neue Strömungen wie der Rationalismus die antike Scholastik und Renaissance-Haltungen ab. Es lassen sich fünf Hauptmerkmale identifizieren:

  • 1. Wissenschaftlicher Anspruch: Der Rationalismus erkennt den universellen Wert und die Notwendigkeit wissenschaftlicher Gesetze an. Die Natur wird zum Reich der Vernunft, was bedeutet, dass der Mensch sie nicht nur verstehen und erklären, sondern auch transformieren und beherrschen kann.
  • 2. Angeborene Ideen: Der Rationalismus basiert auf der Existenz angeborener Ideen.
  • 3. Die Methode: Die Vernunft benötigt eine Methode, die sie anleitet, Wissen ohne Fehler zu erlangen. Das mathematische Modell dient hierbei als Vorbild für die wahre Wissenschaft.
  • 4. Intuition: Der Rationalismus legt großen Wert auf intuitives Wissen, da Intuitionen die Grundlage für die Deduktionen bilden, die das gesamte Gebäude der Erkenntnis darstellen.
  • 5. Vertrauen in die Vernunft: Rationalität ist durch absolutes Vertrauen in die Vernunft geprägt; sie gilt als ausreichend, um alles zu wissen, ohne auf andere Quellen angewiesen zu sein.

3. Erkenntnistheorie

Die menschliche Vernunft ist in der Lage, alles ohne externe Hilfe zu erfassen. Das Ziel ist ein umfassendes Wissen, geleitet durch eine Methode, die sich an der Mathematik orientiert.

Die Gewissheit der Mathematik dient als Grundpfeiler, da ihre Wahrheiten selbstverständlich, klar und deutlich sind. Descartes und Leibniz waren herausragende Mathematiker.

Die kartesische Methode basiert auf zwei geistigen Grundoperationen: Intuition und Deduktion. Die Regeln der Methode sind:

  • Evidenzregel: Nichts darf als wahr akzeptiert werden, das nicht durch das natürliche Licht der Vernunft als klar und deutlich erkannt wurde.
  • Analyse-Regel: Komplexe Probleme werden in einfache Elemente zerlegt, bis sie intuitiv als offensichtlich erkennbar sind.
  • Synthese-Regel: Ausgehend von den einfachen, intuitiv erkannten Wahrheiten wird das Wissen durch Deduktion schrittweise wieder zusammengesetzt.
  • Aufzählungs-Regel: Eine lückenlose Überprüfung aller Schritte stellt sicher, dass keine Fehler unterlaufen sind.

4. Gott

Descartes bejaht die Möglichkeit der Erkenntnis Gottes, der Welt und des Selbst auf der Grundlage klarer und deutlicher Ideen. Bekannt ist sein Prinzip: „Cogito, ergo sum“ (Ich denke, also bin ich). Gott fungiert dabei als Garant für die Existenz des Denkens.

Descartes postuliert eine unendliche Substanz. Kritiker werfen dem kartesischen Denken oft einen Zirkelschluss vor: Die denkende Substanz sichert die Existenz der unendlichen Substanz, doch diese wäre wiederum ohne jene nicht denkbar.

5. Der Mensch

Der Mensch besteht aus zwei getrennten Substanzen: Seele und Körper. Sein Ideal der Klarheit führt ihn zu der Annahme, dass diese beiden Substanzen strikt zu unterscheiden sind. Die Seele ist nicht bloß ein „Fahrzeug“ des Körpers.

Descartes betont zudem die Freiheit des Menschen. Diese Freiheit ist Voraussetzung für den Zweifel und damit für die Entdeckung des eigenen Bewusstseins.

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