Restauration, Liberalismus, Nationalismus und Sozialismus

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Restauration, Liberalismus und Nationalismus in Europa

Nach dem Sieg über Napoleon trafen sich die führenden Staaten (Russland, Großbritannien, Preußen und Österreich) zwischen 1814 und 1815 auf dem Wiener Kongress. Ziel war die Wiederherstellung der alten Ordnung und der absoluten Monarchie. Die Ergebnisse wurden in der Heiligen Allianz (1815) festgehalten – einem gegenseitigen Beistandspakt der europäischen Monarchen gegen liberale revolutionäre Bestrebungen.

Trotz der Rückkehr zum Absolutismus beeinflussten die Errungenschaften der Französischen Revolution Europa nachhaltig. Nach 1815 entwickelten sich Liberalismus und Nationalismus zu den treibenden Kräften gegen die Restauration.

Liberalismus

Der Liberalismus ist ein politisches System, das den Einzelnen in den Mittelpunkt stellt. Der Staat muss die Rechte und Freiheiten des Individuums garantieren. Der Bürger ist souverän und übt diese Souveränität durch folgende Prinzipien aus:

  • Politische Entscheidungen: Diese sollten durch ein gewähltes Parlament getroffen werden, das die Gesetze verabschiedet.
  • Verfassung und Gewaltenteilung: Notwendigkeit einer Verfassung, die die Befugnisse in Legislative (Gesetzgebung), Exekutive (Ausführung) und Judikative (Rechtsprechung) trennt.
  • Recht auf Privateigentum.

Nationalismus

Der Nationalismus ist eine politische Ideologie, die das Recht der Völker auf Selbstbestimmung und Souveränität befürwortet. Eine Nation wird als Gemeinschaft von Individuen verstanden, die durch gemeinsame Traditionen, Religion und Kultur verbunden sind. Bekannte Beispiele sind die deutsche und italienische Einigungsbewegung.

Marxismus, Anarchismus und die Arbeiterbewegung

In der neuen Industriegesellschaft kritisierten Denker die durch den Kapitalismus verursachten Ungleichheiten und schlugen neue Gesellschaftsmodelle vor:

Marxismus

Mitte des 19. Jahrhunderts verurteilten Karl Marx und Friedrich Engels die Ausbeutung der Arbeiterklasse. Sie forderten eine Revolution, um den Kapitalismus und das Privateigentum zu stürzen. Ziel war eine klassenlose Gesellschaft ohne Staat. Ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gründeten Marxisten sozialistische Arbeiterparteien, die sowohl die proletarische Revolution anstrebten als auch durch parlamentarische Arbeit (z. B. allgemeines Wahlrecht, Achtstundentag) Verbesserungen für die Arbeiter erreichten.

Anarchismus

Der Anarchismus, vertreten durch Denker wie Bakunin, basierte auf drei Grundprinzipien:

  • Stärkung der individuellen Freiheit und sozialen Solidarität.
  • Kritik am Privateigentum und Schutz kollektiven Eigentums.
  • Ablehnung jeglicher Autorität, insbesondere des Staates.

Anarchisten lehnten die Teilnahme am parlamentarischen politischen Leben ab und setzten auf revolutionäre Aktionen der Arbeiter und Bauern.

Internationalismus

Marxisten und Anarchisten betonten die Notwendigkeit, die Arbeiterklasse weltweit gegen den Kapitalismus zu vereinen. Auf Initiative von Marx wurde 1864 die Internationale Arbeiterassoziation (Erste Internationale) gegründet. Aufgrund ideologischer Differenzen zwischen Marxisten und Anarchisten löste sie sich 1876 auf. 1889 wurde die Zweite Internationale gegründet, die Symbole der Arbeiterbewegung wie die Hymne „Die Internationale“ und den 1. Mai (Tag der Arbeit) etablierte.

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