Ritterromane des 15. Jahrhunderts: Tirant lo Blanc

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Die Entwicklung der Rittergeschichten im 15. Jahrhundert

Die Geschichten über Ritter (Chansons de geste) wurden ursprünglich von Spielleuten zu einer Zeit erzählt, als der Adel eine große historische Rolle spielte. Diese Erzählungen wandelten sich im Laufe des 15. Jahrhunderts (XV. Jahrhundert) grundlegend, als sich auch die Gesellschaft drastisch veränderte.

Ritterromane vs. ritterliche Romane

Bücher des Rittertums (Ritterromane): Sie erschaffen eine vergangene und ferne Zeit. Die Handlung ist in fernen und exotischen Landschaften angesiedelt, in denen es Drachen, Riesen und andere mysteriöse sowie fantastische Elemente gibt. Die Charaktere besitzen oft übermenschliche Eigenschaften.

Ritterliche Romane: Sie sind ein Spiegelbild der realen Epoche, in der sie geschrieben wurden. Die Handlung ist in bekannten Ländern angesiedelt, fantastische Elemente treten in den Hintergrund und die Akteure agieren in einer greifbaren, menschlichen Dimension.

Tirant lo Blanc: Ein Meisterwerk der Weltliteratur

Tirant lo Blanc: Der Autor Joanot Martorell (ca. 1413 in Gandia-Valencia; † 1468) war ein Ritter, der ganz nach den Werten und Vorstellungen seines Ritterstandes lebte.

Er reiste nach England mit der Absicht, einen Schiedsrichter für einen gerichtlichen Zweikampf zu finden, den er schließlich auch fand. Auf dieser Reise wurde vermutlich die Idee zu seinem Roman Tirant lo Blanc geboren. Das Werk beschreibt die Abenteuer, Kriege und Liebesbeziehungen des gleichnamigen Ritters. Dieser reist anlässlich einer königlichen Hochzeit nach England, um in den Ritterorden aufgenommen zu werden. Später gelangt er bis ins Byzantinische Reich, wo er schließlich stirbt, nachdem er Konstantinopel von der türkischen Herrschaft befreit hat.

Literaturwissenschaftler betrachten dieses Werk als einen der ersten modernen Romane überhaupt (einen sogenannten „Gesamtroman“).

Die fünf Teile der Handlung von Tirant lo Blanc

Die Handlung ist in fünf Teile gegliedert:

  • Tirant in England: Der Protagonist erhält Unterricht über die Gesetze der Ritterlichkeit.
  • Tirant in Sizilien und Rhodos: Begleitet von einem Sohn des Königs von Frankreich beteiligt er sich an der Verteidigung von Rhodos.
  • Tirant im Byzantinischen Reich: Tirant verteidigt Konstantinopel gegen die Türken, dient dem Kaiser als Feldherr, verliebt sich in die Prinzessin Carmesina und erlebt mit ihr leidenschaftliche erotische Abenteuer.
  • Tirant in Nordafrika: Er kämpft gegen die Sarazenen, mit Episoden, die denen im Curial ähneln.
  • Befreiung des Reiches und Tod: Er befreit das Kaiserreich, wird zum Cäsar ernannt, heiratet Carmesina und stirbt schließlich an einer Krankheit.

Curial und Guelfa: Eine ritterliche Liebesgeschichte

Curial und Guelfa: Das von einem anonymen Verfasser zwischen 1435 und 1462 geschriebene Werk erzählt eine Liebesgeschichte zwischen dem bescheidenen Ritter Curial und der vornehmen Dame Guelfa. Es ist in drei Bücher unterteilt:

  • 1. Buch: Curial wird von Guelfa beim Einstieg in die ritterliche Welt unterstützt. Er ist ein armer junger Mann, den sie zum besten Ritter des ganzen Hofes machen möchte.
  • 2. Buch: Curial nimmt an vielen Turnieren teil. Er lernt Lachesis kennen, die sich in ihn verliebt, was Curial jedoch nicht erwidert.
  • 3. Buch: Curial reist in den Orient, wo er berühmt wird und in Gefangenschaft gerät. Die dortige Prinzessin Càmaris (Camara) verliebt sich in ihn, doch er kehrt zurück, um Guelfa zu heiraten. Die enttäuschte Càmaris begeht daraufhin Selbstmord.

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