Romantik und Realismus: Literaturgeschichte des 19. Jahrhunderts
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Romantik
1. Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts brachte die Französische Revolution neue politische, ideologische und soziale Impulse nach Europa. Sie stellte die absolute Macht der Monarchen und die ständische Gesellschaft infrage. Gefordert wurde ein konstitutionelles parlamentarisches System, das die Befugnisse des Königs begrenzte und die Vorherrschaft des Adels beendete.
Die Gesellschaft teilte sich in zwei Gruppen:
- Die Absolutisten: Befürworter der Beibehaltung alter Vorrechte.
- Die Liberalen: Befürworter eines Systems mit Bürgerrechten.
Zudem prägte die Industrielle Revolution (ausgehend von England) das Jahrhundert. Sie brachte eine neue soziale Klasse hervor: das Proletariat, während sich die Bourgeoisie als herrschende Klasse festigte.
In Spanien führte die napoleonische Invasion zum Unabhängigkeitskrieg. In dieser Zeit entstand die Verfassung von Cádiz, die jedoch mit der Rückkehr von König Ferdinand VII. und der Wiederherstellung des Absolutismus aufgehoben wurde. Nach dem Tod des Königs im Jahr 1833 kehrten exilierte Intellektuelle zurück, was den Beginn der dreißigjährigen Spätromantik in Spanien markierte.
2. Merkmale der romantischen Literatur
- Freiheit: Fokus auf Originalität und Individualität.
- Stil: Sehr lebendig und rhetorisch geprägt.
- Rebellion: Hinterfragung bürgerlicher Werte; viele Texte thematisieren rebellische Charaktere.
- Eskapismus: Flucht in die Vergangenheit und an ferne Orte.
- Naturverbundenheit: Nutzung der Natur zur Ausdrucksweise von Emotionen (dunkle Umgebungen, raue See).
3. Ausländische Autoren
- Johann Wolfgang von Goethe: Faust
- Lord Byron
4. Romantische Lyrik
- Form: Mischung von Versen und Strophen verschiedener Metren.
- Themen: Ideale Liebe, Leidenschaft, Einsamkeit und die Ablehnung des Individuums durch die Gesellschaft.
- Sprache: Rhetorisch, viele Fragen und Ausrufe.
Es gibt zwei Arten der Poesie:
- Lyrik: Ausdruck von Gefühlen.
- Epik: Geschichten basierend auf Legenden.
5. Romantische Prosa
Sowohl fiktionale Werke als auch journalistische Texte (Belletristik: Adolfo Bécquer; Journalismus: José de Larra).
6. Theater
Die Einheiten von Zeit und Ort wurden abgelehnt; das Theater wurde als freie, regelbefreite Kunst verstanden. Die Werke zeigen oft geheimnisvolle Helden mit einem tragischen Schicksal in düsteren Umgebungen. Das Theater ist rhetorisch und mischt Vers und Prosa (Ángel de Saavedra, José Zorrilla: Don Juan Tenorio).
Realismus
1. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts
Die wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen der Industriellen Revolution prägten die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts in Europa. Dies bedeutete die Konsolidierung der Bourgeoisie sowie die Entstehung der Arbeiterbewegung und von Gewerkschaften.
In Spanien begann die Ära unter der Herrschaft von Isabella II. Eine progressive Revolution zwang die königliche Familie ins Exil. Es folgte die Sexenio Revolucionario, in der die Republik ausgerufen wurde. 1875 wurde die Monarchie der Bourbonen wiederhergestellt. Es begann die Zeit der Restauration, in der versucht wurde, die gravierenden sozioökonomischen Probleme Spaniens zu lösen.
2. Realistische Literatur
- Beobachtung: Zuverlässige Darstellung der Umwelt.
- Absicht: Glaubhafte Darstellung der Gesellschaft mit dem Ziel, diese durch Literatur kritisch zu hinterfragen und zu verbessern.
Autoren sahen den Roman als das am besten geeignete Genre für ihre Zwecke an, da er auch das bevorzugte Genre der bürgerlichen Leserschaft war.
3. Der realistische Roman
- Wirklichkeitsnähe: Interesse am Alltag.
- Zeitgenössische Themen: Fokus auf soziale und politische Konflikte der Zeit.
- Objektivität: Streben nach einer realistischen Darstellung.
- Kritische Stimme: Der Autor äußert seine Ansichten durch den Erzähler.
- Allwissender Erzähler: Analyse der Gedanken und Gefühle der Figuren.
- Sprache: Einfach, klar und objektiv; sorgfältige Nachbildung der Sprache der Charaktere.
4. Realismus in Europa
- Frankreich: Stendhal
- Russland: Fjodor M. Dostojewski und Leo Tolstoi und Leo Tolstoi Tolstoi
5. Realismus und Naturalismus in Spanien
5.1 Die Prärealität (ab 1849)
Romane mit einem Ton der Sittenbilder und moralisierender Absicht. Autoren verzichteten auf psychologische Analysen oder soziale Kritik und bevorzugten malerische Details sowie die Verteidigung traditioneller Werte (z. B. Pedro Antonio de Alarcón).
5.2 Der Realismus (ab 1870)
Darstellung der zeitgenössischen Wirklichkeit mit kritischer Absicht. Der Erzähler agiert objektiv, die Charaktere erhalten ein genaueres psychologisches Porträt (z. B. Juan Valera, José María de Pereda).
5.3 Der Naturalismus (ab 1881)
Rekonstruktion der ärmeren Teile der Wirklichkeit. Die Charaktere sind Opfer ihrer körperlichen, genetischen und sozialen Umwelt, die ihr Handeln bestimmt und ihre Freiheit einschränkt (z. B. Emilia Pardo Bazán, Vicente Blasco Ibáñez).