Römische Historiographie: Caesar und Sallust im Fokus

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Römische Historiographie: Wissenschaft und Erzählung

Die Historiographie, die Wissenschaft und Erzählung der Ereignisse der Vergangenheit, ist wahrscheinlich die älteste literarische Gattung. Sie basierte stets auf mündlich weitergegebenen Erinnerungen an die Vergangenheit. Dies gab nicht nur Anlass zu epischer Dichtung, sondern begründete auch die Geschichtsschreibung.

Die römische Geschichtsschreibung war wesentlich weniger streng als die griechische und verfolgte eine moralisierende Absicht. Sie übermittelte alte Tatsachen nicht rein objektiv, sondern beurteilte und beschrieb sie aus dem eigenen Standpunkt. Dadurch sind uns Dokumente von großer historischer Bedeutung erhalten geblieben.

Öffentliche und private Texte

  • Öffentliche Texte:
    • Die priesterlichen Archive: Die Priesterschulen verzeichneten wichtige Ereignisse wie Wunderkinder, günstige Tage oder Schäden.
    • Offizielle Dokumente: Verträge, Gesetze, Volkszählungsdaten und weitere Texte.
  • Private Texte:
    • Familienarchive: Patrizierfamilien führten eigene Archive über wichtige Positionen ihrer Mitglieder und deren militärische Taten.
    • Laudationes funebres: Lobreden auf verstorbene Familienangehörige am Tag des Begräbnisses, von denen stets eine Kopie aufbewahrt wurde.

Gaius Iulius Caesar: Eine brillante Persönlichkeit

Caesar war eine attraktive Persönlichkeit seiner Zeit und vielleicht einer der brillantesten Vertreter römischer Ideale (intelligent, politisch, militärisch). Er besaß eine große physische Ausstrahlung und bewies sich als nüchterner, resistenter und tapferer General, der mit jedem seiner Soldaten konkurrieren konnte. Er war ein liebevoller Sohn, Ehemann und Vater, jedoch auch von höchstem Ehrgeiz getrieben. Er nutzte Demagogie und Korruption, besaß eine erstaunliche Intelligenz und war ein sehr guter Schriftsteller.

Er entstammte einer der vornehmsten Patrizierfamilien und führte ein sehr hektisches Leben. Er schuf eine neue Art der Ein-Mann-Regierung mit monarchischen Zügen und führte zahlreiche Reformen durch. Sein Werk umfasst viele Gattungen, von der Grammatik bis hin zu Verträgen. Hier diskutieren wir jedoch nur seine historischen Texte: Der Gallische Krieg und der Bürgerkrieg.

Caesars literarischer Stil und Propaganda

Diese Werke sind Autobiographien, die seine Taten erzählen und seine politischen Ziele rechtfertigen. Er war der Erste, der eine Verlängerung seiner Befugnisse erreichte und eine militärische Kampagne rechtfertigte, um die ihn niemand gebeten hatte. Im zweiten Werk entlastete er sich von der Verantwortung für den Bürgerkrieg. Er war ein brillanter Propagandist und erreichte seine Ziele durch:

  • Eine Erzählung von scheinbarer Einfachheit und Objektivität.
  • Die Verwendung der dritten Person, um sich auf sich selbst zu beziehen.
  • Logisch miteinander verkettete Ereignisse.
  • Vor-narrative Erklärungen seiner eigenen Sichtweise.
  • Die Unterlassung von Details, die eventuell ungünstig für ihn waren.

Sallust: Zeitgenosse und Moralist

Sallust (Salustio) war ein Zeitgenosse Caesars, dessen berufliche Entwicklung im Rahmen des Cursus honorum einige Höhen und Tiefen erlebte. Er wurde der Bestechung (Konkussion) angeklagt. In seinen bemerkenswerten Arbeiten nimmt er eine moralische Haltung ein und geißelt die Gesellschaft seiner Zeit, was auch Fragen der Selbstrechtfertigung aufwirft.

Er wählt scheinbar triviale Themen wie den Jugurthinischen Krieg und die Verschwörung des Catilina. Sein Stil ist klar, manchmal trocken, und die Sprache ist leicht archaisch. Besonders hervorzuheben ist die hohe psychologische Eindringtiefe seiner Porträts.

Wichtige Werke von Sallust

  • Die Verschwörung des Catilina
  • Der Jugurthinische Krieg
  • Historien (Geschichten)

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