Römisches Theater: Tragödie, Komödie und ihre Etappen

Eingeordnet in Sprache und Philologie

Geschrieben am in Deutsch mit einer Größe von 5,88 KB

Dramatische Dichtung: Tragödie und Komödie

Das Theater im antiken Rom

Das Theater hatte in Rom nicht die gleiche Bedeutung wie in Griechenland. Für die Römer waren die Darstellungen ludi (Spiele), Unterhaltung und Vergnügen, vergleichbar mit dem Zirkus und dem Amphitheater (ludi circenses im Vergleich zu ludi scaenici). Sie waren mit der Zeit des otium (Freizeit) verbunden. Das Theater war jedoch kein Element der römischen Seele, so wie es die Tragödie für die griechische Seele war.

Die drei Etappen der Theatergeschichte

Die Geschichte des römischen Theaters verlief nicht linear; sie gliedert sich im Wesentlichen in drei Phasen:

  • Erste Phase (364 v. Chr.): Hier fanden die ersten ludi scaenici statt. Im Theater ohne Text gab es ein wichtiges Element der Improvisation; Tanz und Musik hatten höchste Bedeutung, und der Kontext war eine religiöse und festliche Zeit. Die Spiele wurden einmal im Jahr abgehalten.
  • Stufe II (240 v. Chr.): Die ludi finden häufiger als einmal im Jahr statt. Die Zahl der Autoren, die Komödien und Tragödien verfassten, stieg an.
  • Dritte Phase (27 v. Chr.): Die Tradition des ausführlichen Dramas stirbt aus. Die Neuheit ist die römische Pantomime. Es wird nicht zu hundert Prozent improvisiert; es handelt sich um die Dramatisierung einer mythologischen Geschichte ohne Worte.

Organisation der Theateraufführungen

Die Aufführungen waren institutionalisiert und fanden zwischen Frühjahr und Herbst statt. Es gab fünf Hauptspiele: Ludi Magni, Ludi Plebeii, Ludi Apollinares, Ludi Megalenses und Ludi Florales.

Es wird allgemein angenommen, dass die Akteure in Kompanien zusammengeschlossen waren. An der Spitze stand eine Art Generalregisseur und Produzent, der von einem für die Inszenierung verantwortlichen Bühnenbildner begleitet wurde.

Die Schauspieler waren immer Männer; Frauen durften nur in der Pantomime auftreten. Sie trugen Masken und spezielle Schuhe.

Die römische Tragödie und Seneca

Die römische Tragödie erreichte nicht die Bedeutung des griechischen Vorbilds. Zu den ersten Vertretern gehörte Livius Andronicus. Es folgte eine Pause von fast hundert Jahren, bis neue Werke mit griechischen Themen entstanden, die jedoch eher zum Lesen als zur Aufführung bestimmt waren.

Seneca

Seneca war ein Philosoph und Politiker im Umfeld des Kaisers Nero. Zehn seiner Stücke sind erhalten: neun mit griechischen Themen (wie Agamemnon, Ödipus, Medea) und Octavia, das einzige Werk mit rein römischem Sujet. Es schildert die Probleme von Neros Frau, die zugunsten einer anderen Frau, Poppaea, verstoßen wurde.

Seneca nutzt den Mythos als Vorwand, um seine philosophischen und moralischen Vorstellungen laut zu artikulieren. Die Entscheidungen der Protagonisten durchlaufen moralische Prüfungen und prangern tyrannische sowie despotische Haltungen an. Die Tragödien wirken kühl und waren nicht zur öffentlichen Aufführung gedacht; sie wurden in einem gepflegten Stil für ein gebildetes Minderheitenpublikum geschrieben, etwa für Lesungen in kleineren Anlagen (Odeons). In die vielfältige Masse des Römischen Reiches drangen sie kaum vor. Dies geschah in einer Zeit, in der das wirtschaftliche Niveau stieg, während das kulturelle sank – eine Entwicklung, die auch heute zu beobachten ist, wenn Massenunterhaltung gegenüber dem individuellen Tiefgang bevorzugt wird.

Die römische Komödie: Plautus und Terenz

Das komische Genre triumphierte in Rom. Die Psychologie der frühen römisch-republikanischen Ära spiegelt sich in der Findigkeit und Gewandtheit der Stücke von Plautus wider. Dank Plautus und Terenz fühlten sich die Römer nicht vom Genre ausgeschlossen, sondern nahmen aktiv an den Aufführungen teil und genossen sie.

Plautus (245–184 v. Chr.)

Sein Werk ist umfangreich und behandelt griechische Themen. Die Titel beziehen sich oft auf Personen und sind teilweise adjektivisch geprägt, wodurch der Charakter direkt etikettiert wird (z. B. Amphitruo, Curculio, Miles Gloriosus). Hinter den Titeln verbirgt sich ein Netz aus Intrigen, oft im Stile von Situationskomödien. Liebe und Geld sind in den Stücken von Plautus allgegenwärtig. Den Werken war oft ein Prolog vorangestellt.

Themen: Ehen zwischen Menschen unterschiedlicher sozialer Klassen, Reisen, die in Schiffbrüchen mit unerwarteten Überlebenden enden, oder großspurige Versprechen an ahnungslose Jugendliche gehören zu seinen bevorzugten Themen. Missverständnisse sind häufig, wodurch Überraschung und Lachen garantiert sind.

Charaktere: Die Figuren entsprechen bestimmten Stereotypen: der junge Liebhaber (wild und unverantwortlich), das junge Mädchen (naiv oder gerissen), der mürrische oder geizige alte Mann, der prahlerische Soldat, der interessante alte Trinker und vor allem die Sklaven. Plautus hebt besonders den klugen Sklaven hervor, der weiser ist als sein Herr und in der späteren Literatur sehr bekannt wurde.

Terenz (185–159 v. Chr.)

Sechs seiner Stücke sind überliefert (Adelphoi, Andria, Eunuchus, Heautontimoroumenos, Hecyra und Phormio). In ihnen spiegelt sich die Leidenschaft des Autors für die hellenische Welt wider.

Die Handlung dient hier der Charakterzeichnung; es handelt sich um eine "psychologische" Komödie. Die Protagonisten sind mehr um ihre Entwicklung besorgt als um die bloße Aktion oder die Reaktion des Publikums. Terenz nutzt die Bühne auch, um sich in Vorworten gegen Kritiker zu verteidigen. Seine Werke zielen nicht auf das schnelle Lachen ab, sondern auf Reflexion. Während das Werk von Plautus der Farce nahesteht, grenzt das Werk von Terenz an das Melodram – beides sind die Grenzbereiche der wahren Komödie.

Verwandte Einträge: