Rückkaufvereinbarung (Repo): Definition & Funktionsweise

Eingeordnet in Wirtschaft

Geschrieben am in Deutsch mit einer Größe von 5,62 KB

Rückkaufvereinbarung

(Weitergeleitet von Repogeschäfte)

Zinssätze im Überblick

ZinssatzHöhe
Europäische Zentralbank (gültig ab: 16. März 2016)
Einlagesatz (deposit facility)−0,40 %
Hauptrefinanzierungssatz (main refinancing operations)0,00 %
Spitzenrefinanzierungssatz (marginal lending facility)0,25 %
Schweizerische Nationalbank (gültig ab: 15. Januar 2015)
Dreimonats-Libor-Zielband−1,25 bis −0,25 %
Federal Reserve System (gültig ab: 17. Dezember 2015)
Federal-Funds-Rate-Zielband0,25 bis 0,5 %
Primary Credit Rate1,00 %
Bank of Japan (gültig ab: 19. Dezember 2011)
Diskontsatz (basic discount/loan rate)0,30 %
Bank of England (gültig ab: 5. März 2009)
Repo Rate0,50 %
Chinesische Volksbank (gültig ab: 23. Oktober 2015)
Diskontsatz (one-year lending rate)4,35 %

Eine Rückkaufvereinbarung oder Repo (engl. Kurzform für Sale and Repurchase Agreement) ist ein kurzfristiges Finanzierungsinstrument mit einer Laufzeit von im Allgemeinen nicht mehr als einem Jahr, häufig sogar nur wenigen Tagen oder einer Nacht (sog. Overnight-Repo).

Ein Repo stellt aus Sicht des Wertpapierverkäufers (Seller) eine Finanztransaktion dar, die einen gleichzeitigen Verkauf und Rückkauf eines Gutes (in der Regel Wertpapiere) kombiniert. Dabei handelt es sich um echte Pensionsgeschäfte, bei denen während der Laufzeit das Eigentumsrecht des Verkäufers am Gut auf den Käufer übergeht.

Struktur des Repo-Geschäfts

Bei einer Rückkaufvereinbarung verpflichtet sich der Pensionsgeber (auch Kreditnehmer, cash taker oder cash borrower), dem Pensionsnehmer (auch Kreditgeber oder cash lender) Vermögensgegenstände – in der Regel festverzinsliche Wertpapiere – gegen Erhalt einer vereinbarten Geldsumme zu überlassen und bei Laufzeitende gegen Rückzahlung der Summe plus Zinsen wieder zurückzunehmen. Da sich der Pensionsnehmer verpflichtet, identische Wertpapiere am Laufzeitende zu liefern, handelt es sich um ein echtes Wertpapierpensionsgeschäft.

Schema eines klassischen Repo-Geschäfts

Rückkaufvereinbarungen sind Bestandteil des Geldmarkts und dienen institutionellen Anlegern, vorrangig Banken, zur Beschaffung von Liquidität im Interbankenhandel sowie bei Zentralbanken im Rahmen von Offenmarktgeschäften. Daneben werden kurzfristige Rückkaufvereinbarungen von Instituten genutzt, um zum Meldezeitpunkt die Bilanzsumme abzusenken und so Eigenkapitalanforderungen zu senken (Window Dressing).

Preisberechnung

Der zum Transaktionsbeginn zu zahlende Preis (Purchase Price) entspricht dem Marktwert des zugrunde liegenden Wertpapiers (aktueller Kurs zuzüglich Stückzinsen) abzüglich eines Sicherheitsabschlages (Haircut).

Der Rücknahmepreis (Repurchase Price) errechnet sich aus dem Purchase Price zuzüglich vereinbarter Zinsen (Reposatz, Repo Rate), die von der Qualität des Wertpapiers abhängig sind. Die Zinsen werden p.a. (pro Jahr) mit 365 Tagen berechnet.

Nachschusspflicht (Margin Call)

Sollte der Wert des Wertpapiers sinken, besteht eine Nachschusspflicht (Margin Call oder Variation Margin). Um sich gegen Preisrückgänge der Anleihe zu schützen, wird bei Zahlung aus dem Ankauf ein Haircut vorgenommen. Wird bei börsentäglicher Neubewertung ein Preisrückgang festgestellt, der höher ist als der Haircut, kann der Buyer einen Margin Call durchführen. Dies verpflichtet den Seller zu einer zusätzlichen Lieferung der Anleihe oder einem Barausgleich. Bei Preissteigerungen gilt der umgekehrte Fall.

Reposatz

Aufgrund der Bereitstellung der Sicherheit liegen Reposätze allgemein unter den laufzeitkongruenten Zinssätzen für unbesicherte Kredite. Zu den Beweggründen gehören kurzfristige Liquidität, besicherte Geldanlage, günstige Kreditzinsen und Zinsspekulation.

Arten von Rückkaufvereinbarungen

Man unterscheidet zwei Arten, basierend auf der Motivation und dem verwendeten Wertpapier (Collateral):

General Collateral

Beim General Collateral Repo steht die Beschaffung kurzfristiger Liquidität im Vordergrund. Es spielt keine Rolle, welches Wertpapier als Sicherheit dient, solange es Qualitätsanforderungen hinsichtlich Bonität und Marktliquidität genügt. Diese Repos sind leicht standardisierbar und machen ca. 70 % aller Geschäfte aus.

Special Collateral

Beim Special Collateral steht die Beschaffung eines spezifischen Wertpapiers im Vordergrund. Der Geldnehmer nimmt einen besicherten Kredit auf, während der Geldgeber eine besicherte Anlage erhält. Eventuelle Erträge der Wertpapiere während der Laufzeit fallen dem Geldgeber zu und werden im Rückkaufpreis berücksichtigt.

Besteuerung

Echte Repo-Geschäfte und Reverse Repo-Geschäfte unterliegen als Finanzierungsgeschäfte nicht der Mehrwert- oder Umsatzsteuer.

Verwandte Einträge: