Salvador Espriu: Analyse von 'Cançó del pas encalmat'
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Salvador Espriu: Cançó del pas encalmat
Metrik: Das Gedicht besteht aus vier Strophen (drei Fünfzeiler und ein Achtzeiler). Alle Verse sind Sechssilbler (Hexasilben), mit Ausnahme des jeweils letzten Verses, der als Dreisilbler genau die Hälfte der Silben aufweist. In den ersten drei Strophen gibt es jeweils einen freien Vers, in der letzten Strophe hingegen nicht. Zudem weisen die erste und die zweite Strophe dasselbe Reimschema auf. In der dritten und vierten Strophe wechselt der Reim zu einem neuen Schema.
Das Reimschema lautet wie folgt:
- A = männlicher Reim (tonischer Akzent, da geschlossen)
- b = weiblicher Reim (neutral)
- c = neuer Reim
- d = weiterer Reim
Konkrete Verteilung:
- 1. Strophe: a6, b, b, - b3
- 2. Strophe: a6, b, b, - b
- 3. Strophe: - b, c, b, b, c, b
- 4. Strophe: a, b, b, b, d, b
Das Metrum folgt der Tradition der Romanze (Versroman): Die geraden Verse reimen sich (Assonanz- oder Konsonantenreim), während die ungeraden Verse reimlos bleiben. Dabei sind die weiblichen Reime auf den geraden und die männlichen Reime auf den ungeraden Versen platziert.
Struktur und inhaltliche Gliederung
Die Struktur orientiert sich an der inhaltlichen Bedeutung der einzelnen Strophen:
- Erste Strophe: Der Dichter etabliert das Thema des Gedichts. Er stellt fest, dass sich das Licht mit zunehmender Reife dem Ozean zuwendet, was Entschlossenheit und das Vergessen der Vergangenheit symbolisiert.
- Zweite Strophe: Er spricht von seinem Boot (»la meva barca«), das er, angetrieben von einer Melodie aus dem Hinterland, steuert. Dies erinnert daran, dass der Tod ein Weg ohne Wiederkehr ist.
- Dritte Strophe: Sie bezieht sich auf den Friedhof von Sinera – den Ort, an dem seine Toten ruhen und wo auch er eines Tages liegen wird (»reposarà«). Doch im Moment bekräftigt er trotzig: »Sóc encara« (Ich bin noch da).
- Vierte Strophe: Wir befinden uns im „Garten der fünf Bäume“, dem Bereich hinter dem Haus in Arenys de Mar, wo er mit seinem Vater und den Bediensteten lebte. Dort spielte er als Kind stundenlang mit kleinen Booten und spann Fantasien. Nun, als Erwachsener, hat er seine Zeit bereits geerntet und wartet einsam auf den Tod.
Thematische Einordnung
Das Gedicht gehört zum Zyklus »Cançons de la roda del temps« (Lieder vom Rad der Zeit). Im Zentrum stehen Reflexionen über den unaufhaltsamen Lauf der Zeit und die ständige Präsenz des Todes. Der Tod konfrontierte den Dichter bereits in jungen Jahren, insbesondere durch den Verlust seiner Mutter sowie seiner Geschwister Francesc und Isabel. Zudem schwebte er selbst aufgrund einer Tuberkulose-Erkrankung in akuter Lebensgefahr.
Literarische Stilmittel
- Metaphern:
- »El llarg somni de l'aigua« (Der lange Traum des Wassers) als Metapher für den Übergang vom Leben in den Tod.
- Das Ernten der eigenen Lebenszeit, metaphorisch dargestellt durch die seltene weiße Rose.
- Personifikationen
- Enjambements (Zeilensprünge)