Schreibentwicklung und Textkompetenz in der Grundschule
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Schreibentwicklung in der Grundschule
Einheit 19: Entwicklung der Schrift in der Grundschule. Lernmethoden und -strategien. Zusammensetzung verschiedener geschriebener Texte. Nutzung von IKT. Pädagogische Interventionsstrategien.
1. Einführung
Lesen und Schreiben bilden auch heute noch den Kern des schulischen Lernens. Im Bereich des instrumentellen Lernens finden wir jedoch bei einer erheblichen Anzahl von Kindern Schwierigkeiten oder gar ein Scheitern.
Yetta M. Goodman erklärt, dass Kinder bereits in sehr jungem Alter in ständiger Wechselwirkung mit der Bedeutung von schriftlichen Texten stehen: Produktetiketten, Spielzeug, Straßenschilder, Schilder in Restaurants und Geschäften usw. In diesem Umfeld, das reich an gedruckten Materialien ist, fangen Kinder an, die jeweiligen Rollen, die das Lesen und Schreiben in ihrer sozialen Gruppe einnehmen, zu verstehen. Die Aufgabe der Schule ist es, die Entwicklung des Kindes, die bereits in der vorschulischen Bildung beginnt, fortzuführen.
Daher ist es gemäß den gesetzlichen Vorgaben die Rolle der Primarstufe, diese sprachliche und kommunikative Kompetenz zu erweitern, sodass die Schüler in der Lage sind, in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, in die sie eintauchen werden, zu interagieren.
Basierend auf diesem Ansatz versuchen wir, den Prozess der Entwicklung der Schrift in der Primarstufe zu klären, die erforderlichen pädagogischen Interventionen zu bestimmen und technische Überprüfungs- sowie Bewertungsmethoden einzuführen.
2. Entwicklung der Schrift in der Primarstufe
2.1. Das Schreiben
Um den Akt des Schreibens zu beschreiben, verwenden wir verschiedene Begriffe wie Schreiben, Schrift oder schriftliche Ausarbeitung, wie es in den offiziellen Lehrplänen bezeichnet wird.
Ajuriaguerra (1980) erkennt an: "Schreiben ist nicht nur eine Reihe unauslöschlicher Ideen und Erinnerungen; in unserer Gesellschaft ist es eine Art der Übertragung, ein Mittel der Kommunikation zwischen uns und unseren Mitmenschen."
Obwohl die Mündlichkeit oft als Höhepunkt der menschlichen Kommunikation betrachtet und durch moderne Medien gestärkt wird, bleibt das Schreiben eines der bestimmenden Zeichen unserer Zivilisation in vielen menschlichen Aktivitäten. Weit davon entfernt zu verschwinden, hat es sich in andere Formen des Schreibens diversifiziert (SMS, E-Mail, soziale Netzwerke), die den Bedürfnissen unserer Zeit entsprechen. Daher ist der Erwerb dieser Kompetenz nach wie vor wesentlich für den vollen Zugriff auf die Welt der Kultur.
Die Schule widmet diesem Phänomen daher große Zeitfenster. Doch die Realität zeigt, dass nicht immer eine Korrelation zwischen Zeitaufwand und Qualität der Ergebnisse besteht. Lehrer beobachten, dass viele Schüler am Ende dieser Phase keine akzeptable Beherrschung des Schreibens erreichen, da das Schreiben ein komplexer Prozess ist, an dem eine große Anzahl von Fähigkeiten sowie Sprach-, Kultur- und Inhaltskenntnisse beteiligt sind.
2.2. Entwicklung des schriftlichen Ausdrucks
Zu wissen, wie sich die Entwicklung der Schrift in dieser Phase vollzieht, ermöglicht es uns, die Leistungen der Kinder zu bewerten. Es hilft uns bei der Planung unserer pädagogischen Interventionen und der Anpassung an den individuellen Entwicklungsstand jedes Schülers.
Um den Prozess der Schreibentwicklung in der Primarstufe zu verstehen, ist es notwendig, einen Überblick über die Phasen (oder Hypothesen) nach Teberosky und Ferreiro zu geben, die Kinder durchlaufen:
- a) Das Kind unterscheidet zwischen Zeichnen und Schreiben und erkennt den Unterschied zwischen dem symbolischen System der herkömmlichen Schrift und dem Zeichnen.
- b) Die Produktion grafischer Symbole erfolgt zunächst kontinuierlich und undifferenziert in Bezug auf die Absicht des Kindes.
- c) Das Kind versucht, beim Schreiben unterschiedliche Bildmarken zu verwenden, je nachdem, was dargestellt werden soll (Suche nach diskreten grafischen Zeichen für verschiedene kommunikative Absichten).
- d) In der silbischen Phase wird dem Kind bewusst, dass die Buchstaben in den Namen von Objekten und Personen nicht willkürlich sind. Buchstaben werden basierend auf der Anzahl der Silben ausgewählt.
- e) In der silbisch-alphabetischen Phase wird für jede Silbe ein Buchstabe (meist der Vokal) verwendet, der tatsächlich im Wort vorkommt.
- f) Das Kind erreicht die alphabetische Phase, in der es alle Buchstaben identifiziert und schreibt, die Wörter bilden, wobei jedoch noch Rechtschreibfehler auftreten können.
- g) Der Prozess setzt sich mit der Verbesserung der schriftlichen Produktionen fort, sowohl in der formalen Dimension (Rechtschreibung, Satzbau, Wortschatz) als auch in der expressiven und kommunikativen Ebene.
Während der ersten beiden Zyklen nutzen Kinder grundlegende Rechtschreibregeln. Am Ende der Primarstufe sollten sie diese automatisiert haben und häufige Fragen mithilfe von Hilfsmitteln (Wörterbücher, Notizen) lösen können.
Der Erwerb der herkömmlichen Interpunktion erfolgt spät, da Satzzeichen verschiedene Funktionen haben. Es beginnt im ersten Zyklus mit der Großschreibung am Satzanfang, dem Punkt, dem Komma bei Aufzählungen sowie Ausrufe- und Fragezeichen.
Im zweiten und dritten Zyklus werden weitere Funktionen wie Semikola, Anführungszeichen oder Klammern eingeführt, um komplexere Erklärungen und Strukturen zu gliedern.
2.3. Das Schreiben im Lehrplan
Schreiben ist ein komplexer und langwieriger Prozess. Es gibt zwei didaktische Ansätze:
- a) Die Ansicht, dass die Kenntnis des Codes (Buchstaben/Laute) eine Voraussetzung für den Zugang zur Schriftsprache ist. Dies entspricht dem traditionellen Ansatz.
- b) Die Ansicht, dass die Kenntnis der Schriftsprache und des Codes zwei verschiedene Wissensbereiche mit eigenen Entwicklungen sind.
Das moderne Modell der Sprachvermittlung konzentriert sich auf die kommunikative Kompetenz. Schreiben wird als Einheit betrachtet, die in einem jeweiligen Kontext Bedeutung hat.
3. Methoden und Lernstrategien
3.1. Kognitive Prozesse beim Schreiben
Nach dem Modell von Flower und Hayes (1981) werden drei kognitive Prozesse unterschieden:
- a) Planungsprozess: Was soll ich sagen? Wie sage ich es? Wann ist der richtige Zeitpunkt?
- b) Übersetzung: Die Umwandlung von Plänen in geschriebene Sprache unter Beachtung der Konventionen (Buchstabenbildung, Satzbau).
- c) Überprüfung: Korrekturlesen und Lektorat zur Qualitätsverbesserung.
3.2. Lernstrategien
- Entwicklungsstrategien: Verbindungen zwischen Neuem und Bekanntem herstellen (Zusammenfassungen, Paraphrasen).
- Organisatorische Strategien: Informationen strukturieren, Hierarchien bilden und Wesentliches auswählen.
- Metakognitive Strategien: Planung, Steuerung und Überwachung des eigenen Lernprozesses.
- Emotionale Stützstrategien: Motivation aufrechterhalten, Konzentration fördern und Angst bewältigen.
4. Zusammensetzung unterschiedlicher Texte
Das Ziel ist die funktionale Nutzung der Schrift für klare kommunikative Absichten. Wir schlagen folgende Textarten vor:
- Alltagssituationen: Korrespondenz (Briefe, Postkarten), Notizen und Mitteilungen.
- Medien: Nachrichten (Informationsgenre) und Leserbriefe.
- Schulischer Kontext: Definitionen, Beschreibungen, Erklärungen und Zusammenfassungen (Abstracts).
5. Nutzung von IKT
Die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bieten neue Möglichkeiten:
- Interaktion und Motivation: Hohes Engagement durch digitale Ressourcen.
- Fehlerkultur: Unmittelbares Feedback ermöglicht das Lernen aus Fehlern.
- Textverarbeitung: Erleichtert das Überarbeiten, Löschen und Korrigieren von Texten.
6. Pädagogische Interventionsstrategien
Für eine erfolgreiche Intervention sollten Lehrer:
- Reale und vielfältige Schreibsituationen schaffen.
- Authentische Texte und Modelle als Orientierung nutzen.
- Die Zusammenarbeit und den Austausch unter Schülern fördern.
- Die Bewertung nicht nur auf das Endprodukt, sondern auch auf den Schreibprozess konzentrieren.
7. Fazit
Schreiben ist weit mehr als die bloße Produktion von Nachrichten; es ist ein soziales Werkzeug zur funktionalen Kommunikation. Die Schule muss den Schülern helfen, durch gezielte Strategien und Lehrerbegleitung eine umfassende Schreibkompetenz zu entwickeln.
8. Literaturverzeichnis
- CASSANY, LUNA & SANZ (1994): Unterrichtssprache. Barcelona. Grao.
- BAKHTIN, M. (1986).
- AJURIAGUERRA, J. (1980).
- GOODMAN, Y. M.
- FLOWER, L. & HAYES, J. R. (1981).