Solipsismus: Definition, Geschichte und Philosophie
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Solipsismus
Der Ausdruck Solipsismus (lateinisch solus: „allein“ und ipse: „selbst“) wird in der Philosophie in unterschiedlichem Sinne gebraucht, unter anderem für Thesen folgender Art:[1]
- Metaphysischer Solipsismus: Nur das eigene Ich existiert. Nichts außerhalb des eigenen Bewusstseins existiert, auch kein anderes Bewusstsein.
- Methodologischer Solipsismus: Die Bedeutung konzipierter Begriffe hängt einzig von Bewusstseinszuständen des denkenden Subjekts ab. Der Begriff wurde durch Hilary Putnam in dessen Werk The Meaning of Meaning geprägt. In diesem Kontext spielt der Solipsismus eine wichtige Rolle in der Diskussion um Externalismus und Internalismus.[2]
Hiermit steht der epistemologische Solipsismus in Verbindung. Dieser Lehre nach sind unsere Erkenntnisse über die Außenwelt abhängig von unseren jeweiligen mentalen Zuständen.[3]
- Ethischer Solipsismus (Egoismus): Es ist rational, das eigene Handeln nur danach zu beurteilen und auszurichten, dass die eigenen Präferenzen (etwa körperliches Wohlergehen) weitestmöglich erfüllt werden, ohne die Präferenzen anderer zu berücksichtigen.
Alle drei Arten von Solipsismus wurden und werden in unterschiedlichsten Ausprägungen entwickelt, verteidigt und von anderen Philosophen angegriffen.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Begriffsgeschichte
- 2 Ideengeschichte
- 3 Literatur
- 4 Weblinks
- 5 Einzelnachweise
Begriffsgeschichte
Noch im 19. Jahrhundert wurde der Begriff „Solipsismus“ ungefähr gleichbedeutend mit „Selbstsucht“ verwendet. Was heute meist „metaphysischer Solipsismus“ genannt wird, bezeichnete man früher zumeist als „(logischer) Egoismus“.[4] Eine solche Position beschreibt Johann Burkhard Mencke: Die „Egoistas“ würden vertreten:
„quod soli sint in mundo, cetera omnia tantum in ipsorum cogitationibus existant“ (dass sie die Einzigen in der Welt sind und alles andere nur in ihren eigenen Gedanken existiert).[5]
Menckes Bericht liegt eine jesuitische Polemik zugrunde, die sich gegen die Positionen von Descartes, George Berkeley und deren Schülern richtet.
Ideengeschichte
Dem Cartesianismus zufolge gibt es nur zwei Arten von Seiendem: Bewusstsein (res cogitans) und materielle Objekte (res extensa). Nur die Existenz des eigenen denkenden Ichs ist erkenntnistheoretisch gewiss. Descartes betonte: „Die Außenwelt könnte ein bloßer Traum sein.“[6]
Arthur Schopenhauer zufolge unterliegt die gesamte Wirklichkeit einem Prinzip, das er „Wille“ nennt. „Die Welt ist meine Vorstellung“ gilt als erster Hauptsatz seiner Philosophie. Die Welt zerfällt in Subjekte und Objekte, die zwar untrennbar voneinander verschieden, jedoch letzten Endes nur Erscheinungen des metaphysischen Willens sind. Schopenhauer grenzt sich allerdings vom Solipsismus ab.[7]
Max Stirner formuliert in Der Einzige und sein Eigentum (1845) Thesen wie „Mir geht nichts über Mich“ oder „Ich bin nicht ein Ich neben anderen Ichen, sondern das alleinige Ich“.[8] Er wendet sich gegen eine Begründung der Ethik aus Allgemeinbegriffen wie der „Menschheit“. Stirner gilt als Vertreter einer radikalen Variante des Solipsismus.[15]
Jean-Paul Sartre sieht in der „Klippe des Solipsismus“ ein fortdauerndes Problem.[16] Auch in der Phänomenologie sind Debatten zum Problem der Fremdwahrnehmung eng mit dem Thema verknüpft.
Bertrand Russell definiert den Solipsismus als „die Ansicht, wonach ich als einziger existiere“. Er hält ihn für unwiderlegbar, umgeht ihn jedoch, indem er folgert, dass es „wahrscheinlich auch andere Geister gibt“.[17, 18]
Bei Ludwig Wittgenstein wird das Thema des metaphysischen oder epistemischen Solipsismus indirekt im Zusammenhang mit dem Privatsprachenargument behandelt. Im Tractatus logico-philosophicus vertrat Wittgenstein eine solipsistische Position, die er in den Philosophischen Untersuchungen verwirft. Wegweisend für die solipsistische Tendenz des Tractatus ist der Satz: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“[19-22]
Hilary Putnam und Jerry Fodor prägten die Begriffe „methodologischer Solipsismus“ und „Externalismus“. Das Gedankenexperiment der Zwillingserde verdeutlicht, dass die Bedeutung von Begriffen von der Realexistenz ihrer Referenten in der Außenwelt abhängt, was den Solipsismus unplausibel erscheinen lässt.
Literatur
Philosophische Literatur
- J. L. Austin: Fremdseelisches. Stuttgart 1986.
- P. M. S. Hacker: Einsicht und Täuschung. Frankfurt 1978.
- Hilary Putnam: Brains and Behaviour. Oxford 1968.
Belletristische Literatur
- David Ambrose: Der 8. Tag. Weltbild, 1997.
- Éric-Emmanuel Schmitt: Die Schule der Egoisten. Ammann, 2004.
- Martin Suter: Die dunkle Seite des Mondes. Klett, 2012.
Weblinks
Einzelnachweise
Die vollständigen Quellenangaben finden sich in der ursprünglichen Dokumentation.