Soziale Ungleichheit in der Mundgesundheit
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Fortschritte und Ungleichheiten in der Mundgesundheit
In den letzten Jahren gab es große Fortschritte bei der Verbesserung der Mundgesundheit in den Bereichen Prävention, Diagnose und Behandlung von Krankheiten. Diese Verbesserungen sind jedoch nicht einheitlich: In der Regel weisen benachteiligte Menschen und Gemeinschaften schlechtere Gesundheitsstandards auf. Diese Unterschiede spiegeln die sozioökonomische Entwicklung zwischen Regionen und Ländern wider und treten mit zunehmender Intensität auch in entwickelten Ländern auf.
Das Konzept der gesundheitlichen Ungleichheit
Das Konzept der Ungleichheit in Bezug auf die Gesundheit bezieht sich auf die Unterschiede in der Verteilung gesundheitlicher Bedingungen in der Bevölkerung. Sie resultiert aus unterschiedlichen Möglichkeiten und Ressourcen, die Personen aus verschiedenen sozialen Klassen zur Verfügung stehen. Diese Unterschiede wären vermeidbar, wenn jeder den gleichen Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen hätte.
Der Black-Bericht (UK) zeigte soziale Ungleichheiten im Gesundheitsbereich auf und schlug vier mögliche Ursachen vor:
- Methodische Fehler bei der Analyse
- Selektionseffekte in Studien
- Verhaltensweisen im Zusammenhang mit der Gesundheit
- Materielle Ursachen
Der Bericht betont dabei vor allem die Bedeutung der materiellen Faktoren.
Gesundheit und soziale Ungleichheit in Spanien
Die Analyse von Daten in Spanien zeigt einen deutlichen Rückgang von Karies bei Kindern. Dieser ist jedoch nicht einheitlich; bestimmte Gruppen akkumulieren weiterhin ein hohes Maß an Krankheiten, was vermutlich mit sozioökonomisch benachteiligten Gruppen zusammenhängt. Der Anteil der Personen, die ihre natürlichen Zähne behalten, steigt mit dem Einkommen. Zudem werden Zähne bei Erwachsenen mit niedrigerem sozioökonomischem Status häufiger aufgrund von Karies extrahiert.
Die Anwesenheit von Füllungen dient als empfindlicher Indikator für den sozioökonomischen Status: Sie sind in Gruppen mit höherem Status 2,5-mal häufiger als in unteren Schichten. Obwohl Spanien ein allgemeines und gleiches Gesundheitssystem besitzt, sind die meisten Zahnbehandlungen (80 %) privat. Dennoch zeigen Daten, dass die Anzahl der vorhandenen und gesunden Zähne in Spanien im internationalen Vergleich sehr hoch ist, was die begrenzte Wirkung rein zahnärztlicher Leistungen auf die allgemeine Mundgesundheit unterstreicht.
Ungleichheiten bei der Inanspruchnahme von Leistungen
Die Nutzung von Gesundheitsleistungen variiert je nach sozialer Klasse. Sie hängt von der Veranlagung, den Rahmenbedingungen und der tatsächlichen Notwendigkeit ab:
- Prädisponierende Variablen: Alter, Geschlecht, sozio-demografische Faktoren (soziale Klasse, Bildung, Arbeit, Herkunft) sowie Überzeugungen und Werte.
- Ermöglichende Variablen: Bedingungen, die den Zugang sicherstellen (familiäre Ressourcen wie Transport, Zeit, Budget sowie physische Verfügbarkeit und Zahlungsfähigkeit).
- Notwendigkeit: Das Bedürfnis des Patienten und die medizinisch objektivierte Notwendigkeit.
Dabei ist zwischen Akzeptanz (Wahrnehmung des Nutzens), Erreichbarkeit (Angebot an Leistungen) und Anwendung (Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage) zu unterscheiden.
Strategien zur Risikominimierung
- Verringerung der Belastung durch orale Erkrankungen, insbesondere bei benachteiligten Gruppen.
- Förderung einer gesunden Lebensweise und Reduzierung von Risikofaktoren (ökologisch, wirtschaftlich, sozial).
- Entwicklung von Mundgesundheitssystemen, die gerecht finanziert sind und den Bedarf decken.
- Integration der Mundgesundheitspolitik in nationale und gemeinschaftliche Gesundheitsprogramme.