Spaniens wirtschaftlicher und sozialer Wandel
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In den sechziger Jahren erlebte Spanien ein bemerkenswertes Wirtschaftswachstum und eine modernisierte Gesellschaft. Allerdings blieben Ungleichheiten und ein Mangel an Demokratie bestehen, sodass Spanien nicht das Niveau der entwickelten Länder erreichte.
Wirtschaftlicher Wandel
Das Wirtschaftswachstum zwischen 1960 und 1973 basierte auf zwei wesentlichen Grundlagen:
- Das Wachstum der Industrie, deren Produktion über einige Jahre hinweg mit einer Rate von über 7 % zunahm.
- Der Ausbau der Dienstleistungen, insbesondere des Tourismus, der zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes wurde.
Ebenso wurde die Landwirtschaft durch Mechanisierung modernisiert, was die landwirtschaftliche Produktion steigerte und gleichzeitig die Arbeitskosten senkte. Das Wirtschaftswachstum wurde durch viele ausländische Investitionen ermöglicht, die von niedrigen Löhnen und geringen Steuern angelockt wurden. Zudem flossen viele Devisen aus dem Tourismus und von Emigranten ins Land.
Das Wachstum war jedoch unausgewogen. Die Regierung entwickelte Bebauungspläne (Entwicklungspläne), um arme Gebiete zu industrialisieren und die enormen Wohlstandsunterschiede zwischen den Regionen zu verringern. Dennoch konzentrierten sich die dynamischsten Wirtschaftszweige im Wesentlichen auf die Mittelmeerküste, das Baskenland und Madrid.
Demografischer Wandel
Der wirtschaftliche Wandel führte zu einer starken Zunahme der Bevölkerung um dreieinhalb Millionen Einwohner. Dieser Anstieg resultierte aus dem Baby-Boom und einer sinkenden Sterblichkeit. Die Modernisierung der Landschaft verursachte eine Landflucht: Vier Millionen Bauern wanderten in die Städte ab, um Arbeit zu finden. So begann der Großteil der Bevölkerung in der Industrie und im Dienstleistungssektor zu arbeiten. Spanien wurde zu einem urbanisierten Land.
Da die Städte jedoch sehr schnell wuchsen, fehlte es an Infrastruktur, um die Neuankömmlinge unterzubringen. Viele von ihnen lebten in Slums und peripheren Stadtteilen, denen es an Kanalisation, Asphalt und Verkehrsanbindungen mangelte. Da die wirtschaftlichen Aktivitäten der Städte nicht die gesamte zugewanderte Bevölkerung aufnehmen konnten, emigrierten zwei Millionen Spanier in andere europäische Länder.
Soziale und politische Modernisierung
Die wirtschaftliche Expansion verbesserte die Lebensqualität in Spanien, und in den sechziger Jahren entwickelte sich eine Konsumgesellschaft. In der wachsenden Mittelschicht wurden Gegenstände wie Fernseher, Autos oder Elektrogeräte beliebt. Neue wirtschaftliche Aktivitäten erforderten neue Berufe wie Bankangestellte, Facharbeiter, Administratoren und Freiberufler. Dies führte zu einer besseren Bildung der Gesellschaft und der Verlängerung der Schulpflicht bis zum 14. Lebensjahr.
Die wirtschaftlichen Veränderungen und die Ankunft der Touristen mit freizügigerer Mode führten zu einer neuen Realität und neuen Werten: Die Menschen forderten mehr Freiheit, Frauen traten verstärkt in den Arbeitsmarkt ein und der Einfluss der katholischen Kirche im Alltagsleben nahm ab. Das Regime reagierte auf diese Veränderungen durch eine moderate Lockerung seiner repressiven Praktiken. Mit dem Pressegesetz von 1966 wurde die Vorzensur abgeschafft, was die Meinungsfreiheit zaghaft erhöhte. Dennoch blieb das Land eine Diktatur.
Begriffsdefinitionen
- Baby-Boom: Ein außerordentliches Bevölkerungswachstum über einen kurzen Zeitraum von etwa fünf bis zehn Jahren.
- Währungen/Devisen: Kapital aus dem Ausland, das im Inland investiert wird.
- Konkordat: Ein Abkommen zwischen dem Vatikan und einem Staat. Das im Jahr 1953 unterzeichnete Konkordat erkannte die Privilegien an, die das Franco-Regime der Kirche gewährt hatte.