Die spanische Barockliteratur: Epochenüberblick und Autoren
Eingeordnet in Spanisch
Geschrieben am in
mit einer Größe von 3,83 KB
Die pessimistische Sicht des Barock
Die barocke Literatur ist geprägt von einer pessimistischen Weltsicht: die Sorge um moralische Normen, die Vergänglichkeit des Lebens, der Tod und die Enttäuschung. Kontraste verdeutlichen die zweifelhafte Natur der Realität, ausgedrückt durch eine komplexe, rhetorisch reiche Sprache.
Es entwickelten sich zwei literarische Strömungen:
- Culteranismo: Streben nach formaler Schönheit durch den Einsatz von Gelehrsamkeit und die Schaffung einer künstlichen Sprache. Wichtigster Vertreter: Luis de Góngora.
- Conceptismo: Basiert auf Einfallsreichtum. Häufige Mittel sind Ironie, Paradoxa, Karikaturen und Doppeldeutigkeiten. Leitfigur: Francisco de Quevedo.
Luis de Góngora
Im Werk von Luis de Góngora (1561–1627) lassen sich zwei Arten von Gedichten unterscheiden:
- Beliebte Gedichte: Kompositionen der „kleineren Kunst“ in einfacher Sprache, wie Romanzen und Letrillas.
- Gelehrte Gedichte: Kompositionen der „hohen Kunst“. Dazu gehören zwei lange Werke: Die Fabel von Polyphem und Galatea (Mythos des Zyklopen Polyphem) und Die Einsamkeit, ein unvollendetes Gedicht, das das Leben in der Natur feiert.
Das barocke Theater: Lope de Vega
Lope de Vega prägte die „Theater-Formel“ der Comedia nueva, die den Geschmack des Volkes traf. Gegen die Auffassung, dass Theater primär erzieherisch sein müsse, argumentierte er, dass der Hauptzweck die Unterhaltung des Publikums sei. Die Merkmale sind:
- Division des Dramas in drei Akte (statt fünf).
- Mischung aus tragischen und komischen Elementen.
- Bruch der Einheit von Ort und Zeit.
Miguel de Cervantes und Don Quijote
Miguel de Cervantes (1547–1616) gilt als Schöpfer des modernen Romans. Er war Soldat in der Schlacht von Lepanto, Gefangener in Algier und Zöllner.
Die exemplarischen Novellen
Eine Sammlung von zwölf Kurzgeschichten, die als moralische Beispiele dienen sollen, wie etwa Die Zigeunerin oder Das Gespräch der Hunde.
Don Quijote
Sein Meisterwerk, veröffentlicht in zwei Teilen (1605 und 1615). Cervantes parodiert die Künstlichkeit der Ritterromane durch eine differenzierte Sprache und die Anpassung an den jeweiligen Charakter.
Francisco de Quevedo
Quevedo (16. bis 17. Jahrhundert) ist der bedeutendste Vertreter des Conceptismo. Sein Stil zeichnet sich durch Ironie, Parodie, Wortspiele, Metaphern und die Verwendung von Slang aus.
- Lyrik: Liebesgedichte (petrarkistische Motive), moralisch-philosophische Gedichte (Vergänglichkeit) und burlesk-satirische Gedichte.
- Prosa: Bekannt für seine Träume (satirische Stücke) und den Schelmenroman El Buscón, der das elende Leben des Paul in einer ausdrucksstarken, übertriebenen Sprache schildert.
Lope de Vega als Dichter und Dramatiker
Lope de Vega (1562–1635) war ein äußerst produktiver Autor. Seine Poesie thematisiert Liebe und Frömmigkeit, wobei er sowohl populäre Formen (Weihnachtslieder, Balladen) als auch kultivierte Stile pflegte. Als Dramatiker sind etwa 400 seiner Werke erhalten.
Pedro Calderón de la Barca
Calderón de la Barca (17. Jahrhundert) schrieb ein „Drama der Ideen“, das moralische und philosophische Fragen vertiefte.
- Mysterienspiele (Autos sacramentales): Allegorische Werke über theologische Dilemmata, wie Das große Welttheater.
- Dramen: Werke wie Der Richter von Zalamea (Thema Ehre) und Das Leben ein Traum, in dem der freie Wille gegen die Vorherbestimmung kontrastiert wird.