Spanische Dichtung nach 1936: Trends und Autoren

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1. Historisch-sozialer Kontext

Die Franco-Diktatur beginnt im Inneren inmitten internationaler Isolation und Elend. Die UN verurteilte das Franco-Regime im Jahr 1945, doch ab 1955 erhielt es Aufnahme und finanzielle Unterstützung von außen. Oppositionelle Bewegungen, Gewerkschaften und der Untergrund begannen, sich in Parteien zu organisieren. Es kam zu einer Verbesserung des Lebensstandards, aber eine massive Inflation verursachte auch Arbeitsniederlegungen.

2. Miguel Hernández

Geboren in Orihuela, nahm er am Bürgerkrieg teil und starb im Gefängnis. Er gilt als Nachfolger der Generation von '27. Sein Werk umfasst drei Stufen:

  • Avantgarde- oder Góngora-Etappe: Er ahmt den Stil von Góngora nach, was ihn 1934 den Mitgliedern dieser Generation näherbringt (Perito en lunas / Experte für Monde).
  • Etappe der humanisierten und klassischen Poesie: Der Dichter zeigt seine Obsessionen bezüglich Liebe, Leben und Tod (El rayo que no cesa / Der Lichtstrahl, der nicht aufhört, 1936).
  • Letzte Etappe: Geschrieben während des Bürgerkriegs. Diese Phase ist eine soziale Geschichte der Poesie, voller ergreifender und emotionaler Sprache, wie in Viento del pueblo (Wind des Volkes, 1937) und El hombre acecha (Der Mensch lauert, 1939). Das Werk Cancionero y romancero de ausencias (Liederbuch der Abwesenheit), postum veröffentlicht, zeigt eine Entwicklung hin zur Intimität.

3. Nachkriegspoesie

Verwurzelte Lyrik (Poesía arraigada)

Gepflegt von Autoren der Generation von '36, die dem neuen Regime wohlwollend gegenüberstanden. Sie nutzt einen klassischen und heroischen Ton, um eine glorreiche Vergangenheit sowie die Gegenwart zu loben. Sie preist die Schönheit des Landes oder religiöse Gefühle. Die Autoren versammelten sich um Zeitschriften wie Garcilaso und Escorial. Ein Vertreter ist José García Nieto (Víspera de ti / Vorabend von dir, 1940).

Entwurzelte Lyrik (Poesía desarraigada)

Spiegelt die besonderen Umstände des Menschen in Zeiten der Not, des Schmerzes und des mangelnden Vertrauens in die Zukunft wider. Diese Strömung ist in der Zeitschrift Espadaña (Rohrkolben) vertreten. Ein Wendepunkt war die Veröffentlichung von Hijos de la ira (Söhne des Zorns, 1944) von Dámaso Alonso. Kollegen wie Eugenio de Nora, José Hierro und José María Valverde argumentierten, dass die Realität und der Alltag im Mittelpunkt der Dichtung stehen müssen. Sie zeigen die Existenz als Kampf gegen die Umwelt oder die innere Welt und nutzen eine zerrissene Sprache, stark beeinflusst von Miguel Hernández.

Weitere Trends

  • Postismo: Schlägt vor, die Poesie des Surrealismus fortzuführen (Eduardo Chicharro).
  • Grupo Cántico: Eine sinnliche und barocke Poesie (Pablo García Baena, Ricardo Molina).

4. Soziale Poesie

Definierende Merkmale

Die existentialistische Literatur führt zur sozial-realistischen Literatur (1950–1964). Die Autoren lassen ihre innere Angst hinter sich und versuchen, das Leben des spanischen Kollektivs objektiv darzustellen. Seit 1950 thematisieren sie Ausgrenzung, Arbeitslosigkeit und den Mangel an Freiheit und rufen nach Frieden und Gerechtigkeit für Spanien. Sie versuchen, ihre Poesie mit dem Volk zu teilen.

Wichtigste Autoren und Werke

Oft sind dies dieselben Autoren, die zuvor die entwurzelte existentialistische Poesie entwickelten:

  • Gabriel Celaya: Energetisches soziales Engagement mit einem bewusst prosaischen Stil. In der existentialistischen Phase: Tranquilamente hablando (1947).
  • Blas de Otero: Der große Dichter der Nachkriegszeit. Sein Werk fasst die Entwicklung der spanischen Poesie seit 1939 zusammen:
    • Existenzialistische Phase: Zerrissener Ton, Suche nach Gott, Liebe und Sinn (Ángel fieramente humano, 1949).
    • Soziale Phase: Engagement und Solidarität mit den Problemen Spaniens (Pido la paz y la palabra, 1955).
    • Experimentelle Phase: Hojas de Madrid.
  • José Hierro: Begann mit existentialistischer Poesie in Tierra sin nosotros (1947) und Alegría (1947). Später integrierte er sich mit Quinta del 42 (1952) in die soziale Dichtung.

5. Die Generation von 1950

Diese Gruppe von Dichtern begann in den 1950er Jahren zu publizieren. Sie teilen mit den sozialen Dichtern eine kritische Vision, etwa die Sorge um den Menschen im Dialog mit seiner Umwelt, Dissens, Denunziation und einen Sinn für Solidarität. Ein wesentliches Merkmal ist die humanistische Haltung und die Offenheit für menschliche Probleme. Sie pflegen einen bewussten Stil und legen großen Wert auf die Sprache.

Autoren:

  • Ángel González: Seine Poesie alterniert zwischen sozialem Engagement und persönlicher Intimität (Grado elemental, 1962).
  • José Ángel Valente: Intellektueller Ton; er nutzt Symbole des täglichen Lebens, transzendiert diese jedoch durch eine extreme Reinigung der Sprache (A modo de esperanza, 1955).
  • Jaime Gil de Viedma: Übt großen Einfluss auf die aktuelle Generation aus (Trend der Erfahrungspoesie). Seine Sprache ist nah am Alltag (Las personas del verbo, 1975).
  • Antonio Gamoneda: Kritische Poesie und persönliche Erfahrung in einem schmerzhaften Ungleichgewicht zur Außenwelt (Solo luz, 2000).
  • Claudio Rodríguez: Mischt in seinen Gedichten surrealistische Bildsprache mit formalem Klassizismus (Don de la ebriedad / Conjuros, 1958).

6. Die neueste Generation (Novísimos)

Diese Phase wird durch zwei Daten markiert: 1966 mit Arde el mar von Pere Gimferrer und 1970, als José María Castellet die Anthologie Nueve novísimos poetas españoles veröffentlichte. Die Bewegung bricht mit der vorherigen Tradition und nimmt eine formalistische, avantgardistische Haltung ein.

Merkmale: Missachtung traditioneller Formeln, formale Freiheit, moderne Schreibtechniken sowie die Einführung exotischer und künstlicher Elemente. Inhaltlich liegt der Fokus auf kulturellen und historischen Ursprüngen sowie einer frivolen Mythologie aus Film, Musik und Comics. Die Sprache ist üppig, oft surreal, visionär oder opak.

Vertreter:

  • Pere Gimferrer: Arde el mar.
  • Guillermo Carnero: Dibujo de la muerte (Illustration des Todes).
  • Antonio Colinas: Sepulcro en Tarquinia (im Text als Rayos y flautas erwähnt).
  • Luis Alberto de Cuenca: Elsinore.
  • Manuel Vázquez Montalbán: Una educación sentimental.
  • Leopoldo María Panero: Teoría.

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