Spanische Erzählliteratur nach 1936
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Spanische Erzählliteratur nach 1936: Der Bürgerkrieg markierte einen tiefgreifenden Wandel im spanischen kulturellen Leben. In der Erzählkunst verschwanden bestimmte Arten von Romanen, und eine große Zahl von Schriftstellern wurde gezwungen, ins Exil zu gehen. Der Roman nach dem Bürgerkrieg durchlief zunächst eine Phase der Orientierungslosigkeit, bewegte sich dann in den existenziellen vierziger Jahren hin zu einer sozialen Stufe in den fünfziger Jahren und begab sich schließlich in den sechziger Jahren auf die Suche nach neuen formalen Wegen.
Die Phase zwischen 1939 und 1942 wurde von Martínez Cachero als "Jahre der Rekonvaleszenz" bezeichnet und war von ästhetischer sowie kultureller Orientierungslosigkeit geprägt. Ein bedeutender Autor dieses Zeitraums ist Miguel Delibes. Sein Werk ist sowohl in Romanen als auch in Reisebüchern oder Aufsätzen äußerst fruchtbar; er thematisiert darin vielfältige Probleme und Schicksale. Einer seiner besten Romane ist Fünf Stunden mit Mario.
Die soziale und politische Situation der fünfziger Jahre trug maßgeblich zur Entwicklung eines neuen Romans bei. Die Strömung des sozialen Realismus, welche die spanische Erzählkunst dominierte, bestand darin, die Realität des Augenblicks mit dem Wunsch nach Kritik und Anklage wiederzugeben. Die Sprache ist dabei einfach gehalten, um diese Realität getreu abzubilden.
Neben dem sozialen Realismus lassen sich in dieser Zeit weitere Leitlinien und Romanciers erkennen, die sich von der herrschenden Ästhetik abkehrten. Ein Beispiel hierfür ist Álvaro Cunqueiro, dessen Werk durch den Einsatz von Imagination und Fantasie geprägt ist, wie etwa in Merlin. Der prominenteste Autor des Romans der fünfziger Jahre ist jedoch Camilo José Cela. Sein umfangreiches Werk umfasst neben Romanen auch Gedichte, Essays und Reisebücher. Eines seiner bedeutendsten Werke, das seinen internationalen Ruf als Romancier festigte, ist Der Bienenstock.
Im Roman der sechziger Jahre machte sich eine gewisse Müdigkeit gegenüber dem sozialen Realismus bemerkbar, was zu einer Hinwendung zu neuen formalen Experimenten führte. Dieser Trend wird als experimentelle Literatur bezeichnet. Die wichtigsten Merkmale sind:
- Die Handlung verliert an Bedeutung.
- Die äußere Aktion ist minimal.
- Die Anzahl der Charaktere wird reduziert.
- Das psychologische Interesse am Protagonisten steht im Vordergrund.
- Der Raum wird zunehmend ungenauer definiert.
- Die Struktur ist komplex und reicht vom allwissenden Erzähler bis hin zur objektiven Technik.
- Die Sprache ist kompliziert und anspruchsvoll.