Spanische Literatur des 16. Jahrhunderts
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Die Prosa-Erzählung im 16. Jahrhundert
In Bezug auf die Prosa-Erzählung kann man im 16. Jahrhundert noch nicht von einem Roman im modernen Sinne sprechen. Der Begriff ist italienischen Ursprungs und wird verwendet, um auf Kurzgeschichten, Romane und die Werke von Cervantes zu verweisen. Es entstehen neue narrative Genres, wie das pastorale Genre (Schäferroman), das mit anderen Texten verwandt ist. Das herausragendste pastorale Werk sind die Sieben Bücher der Diana von Jorge de Montemayor.
Eine merkwürdige Art von Geschichten sind jene im maurischen Stil. Hier wird die Figur des Mauren dargestellt, manchmal sogar in tolerantem Zusammenleben mit Christen. Das erste anonyme Buch dieser Art ist die Geschichte des Abencerraje und der schönen Jarifa. Maurische Romane sind nicht als realistische Geschichten aus dem Leben der Mauren zu verstehen, sondern als eine Idealisierung des Mauren, ähnlich der Figur des Hirten in den pastoralen Erzählungen. Zudem sticht Francisco Delicado hervor, der Autor des üppigen andalusischen Werkes (La Lozana Andaluza), das mit La Celestina verwandt ist. Das große Meisterwerk dieses Jahrhunderts ist jedoch der Lazarillo de Tormes.
Die Entwicklung des Theaters
Die Entwicklung der theatralischen Gattung in Kastilisch manifestierte im 16. Jahrhundert eine bemerkenswerte Kraft. Die Autoren ebneten den Weg zu einem aufwendigeren Theater. Gil Vicente, ein portugiesischer Schriftsteller, der auch auf Kastilisch schrieb, ließ in seiner Produktion religiöse und profane Werke abwechseln. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts festigte sich das theatralische Phänomen, obwohl der Inquisitionsindex zahlreiche Theatertexte verbannte, die im Druck erschienen waren.
Klassische Einflüsse und Lope de Rueda
Es existierte ein Theater, das nach dem Vorbild des griechisch-römischen klassischen Theaters an Universitäten und Kollegien gefördert wurde. Dies hatte Einfluss auf die Akklimatisierung der italienischen Komödiantentradition im Kastilischen. Dieser Einfluss zeigt sich besonders bei Lope de Rueda, einem der bekanntesten Autoren des 16. Jahrhunderts. Er schrieb Komödien in Prosa nach italienischem Vorbild und nutzte viele komische Elemente. Bekannt sind auch seine Pasos, kurze komische Stücke, die in die Komödien eingefügt wurden, ohne in direktem Handlungszusammenhang zu stehen. Rueda vermischte verschiedene Elemente aus der Folklore: Sprüche, Witze und Erzählungen. Das Thema ist meist die Liebe, wobei die Frau in der Regel die zentrale, aktive Rolle einnimmt.
Lazarillo de Tormes: Analyse des Werkes
Der Lazarillo de Tormes (LDT) erschien erstmals im Jahre 1554. Das Werk hatte einen bemerkenswerten Erfolg, wurde jedoch bald verboten. Das genaue Datum der Entstehung ist nicht sicher bekannt; im Werk selbst gibt es historische Bezüge, die jedoch nicht schlüssig sind. Problematisch bleibt die Frage nach dem Verfasser des anonymen Buches, da es im Laufe der Zeit vielen verschiedenen Autoren zugeschrieben wurde.
Quellen, Struktur und Stil
Viele Elemente des Lazarillo stammen aus der Volkstradition. Anekdoten, wie die Geschichte mit der Wurst, sind in der populären Überlieferung verbreitet. Das Gespann aus dem Blinden und dem Jungen (Lazarillo) ist ein traditioneller Charaktertypus. Diese Anekdoten erhalten im Werk einen neuen Wert, da sie Teil einer größeren Struktur mit einer spezifischen Funktion werden.