Spanische Literatur des 20. Jahrhunderts
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Wichtige Romane der 1940er Jahre
Zwei weitere bedeutende Romane der 1940er Jahre sind Die Familie des Pascual Duarte von Camilo José Cela (1942) und Nada von Carmen Laforet (1945).
Die Familie des Pascual Duarte ist ein Vertreter des „Tremendismo“ (Panikmache), der die extreme Unmenschlichkeit und Gewalt im ländlichen Spanien sowie den Zustand des Menschen thematisiert.
- Celas Erzählstil: Er vereint Elemente des Schelmenromans (Ich-Erzählung), des Naturalismus (Determinismus des Protagonisten und realistische Beschreibung) sowie des „Esperpento“ (Übertreibung und Animalisierung der Charaktere).
Nada von Carmen Laforet ist ein existenzialistischer Roman. Er spiegelt die Leere, das Fehlen von Erwartungen und das elende, graue Leben im Spanien der Nachkriegszeit wider.
Pascual Duarte
Der zum Tode verurteilte Protagonist versucht, seine Verbrechen (Morde an seiner Mutter, dem Liebhaber von Rosario, seiner Frau Lola und seiner eigenen Stute) als unvermeidliche Folge seines Temperaments sowie der von Armut und Aggression geprägten Umwelt zu rechtfertigen.
Der soziale Roman der 1950er Jahre
Während der 1950er Jahre dominierte in Spanien der soziale Roman. Diese Werke erheben den Anspruch, eine kritische Bestandsaufnahme der spanischen Gesellschaft jener Epoche zu liefern. Zwei wichtige Merkmale sind:
- Kollektiver Protagonist: In Die Familie des Pascual Duarte-Autor Celas Werk Die Bienenwabe (1951) wird das tägliche Leben in Madrid über drei Tage im Jahr 1943 geschildert. Es spiegelt die Routinen und das Elend einer Vielzahl von Charakteren (Prostituierte, Dichter, Ärzte etc.) wider, die in einem Umfeld der Isolation und Frustration ums Überleben kämpfen.
- Umfangreiche Dialoge: Sie reflektieren den Geist der damaligen Zeit. Die Gespräche wirken oft irrelevant und spiegeln die tödliche Langeweile und die Sorgen der Protagonisten wider.
Der experimentelle Roman
Mit der Veröffentlichung von Zeit der Stille (1962) von Luis Martín-Santos begann der sogenannte experimentelle Roman. Zu diesem Genre zählen Werke wie Fünf Stunden mit Mario (Miguel Delibes), Zeichen der Identität (Juan Goytisolo) oder Rückkehr nach Región (Juan Benet).
Merkmale des experimentellen Romans
- Innerer Monolog: Reproduziert die chaotischen und desorganisierten Gedanken der Charaktere.
- Chronologische Störung: Konstante Zeitsprünge vorwärts und rückwärts.
- Perspektivwechsel: Mehrere Sichtweisen und abwechselnde Erzähler.
- Ästhetische Erneuerung: Eine literarische Sprache, die von der Alltagssprache abweicht.
Die Einbeziehung dieser narrativen Strategien ist das Ergebnis des Einflusses ausländischer Autoren. Beispiele hierfür sind Die Wahrheit über den Fall Savolta (Eduardo Mendoza, 1975) und Mein Herz so weiß (Javier Marías, 1992).