Spanische Literatur des Barock: Stile und Werke
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Culteranismo und Conceptismo
Culteranismo: Sein Hauptvertreter ist Luis de Góngora. Er schuf eine poetische Sprache für einen elitären Kreis. Dieser Stil neigt zu formaler Schönheit, farbenprächtigem Glanz und Sinnlichkeit. Kennzeichnend sind die sorgfältige Ausarbeitung der Sprache und die Nutzung vielfältiger rhetorischer Mittel.
Conceptismo: Hauptvertreter sind Francisco de Quevedo und Baltasar Gracián. Der Stil ist tendenziell knapp, besitzt eine hohe expressive Dichte und sucht nach Schärfe und Witz.
Die Metrik im Barock
In der Barockzeit koexistierten italienische Versmaße und Strophenformen mit den traditionellen lyrischen Formen Kastiliens:
- Metrica italiana: Endecasillabo (Elfber), Sonett, Octava Real und Silva.
- Metrica castellana: Redondillas (Vierzeiler), Quintillas, satirische und burleske Verse. Eine wichtige Strophenform ist die Décima (Zehnzeiler).
- Beliebte Formen: Letrillas, Romanzen (Balladen), Villancicos (Weihnachtslieder) und Seguidillas wurden eingeführt, um die Gefühle des Volkes zu illustrieren.
Der Schelmenroman (Picaresque)
Diese Erzählform in der Ich-Perspektive berichtet über das Leben des Protagonisten. Sie besitzt eine offene narrative Struktur, in der die Geschichten unabhängig voneinander sind. Die Handlungen haben einen realistischen Charakter. Die Hauptfigur ist der Pícaro (Schelm), der oft zum Opfer seiner eigenen Handlungen wird.
Bedeutende Autoren der Lyrik
Luis de Góngora
Góngora ist der Inbegriff des Culteranismo. In seinen Letrillas behandelt er eine Vielzahl von Themen und bewahrt dabei Vitalität, Schönheit und Charme. Er verzichtet auf die herkömmliche Ausdruckskraft der Sprache und entwickelte seinen eigenen, hochkomplexen Stil. Seine Sonette zeigen eine perfekte, teils komplizierte Struktur und die formale Perfektion des lyrischen Barock.
Francisco de Quevedo
Quevedo ist unübertroffen in der satirischen Poesie. Sein Werk besticht durch unerschöpflichen Witz, Schärfe und die Fähigkeit zur grotesken Verzerrung. Er kritisierte die Gesellschaft des 17. Jahrhunderts, Mythen und historische Figuren. Sein bekanntestes Prosawerk ist der Schelmenroman „El Buscón“ (Der Glücksritter).
Die „Neue Komödie“ (Comedia Nueva)
Lope de Vega führte entscheidende Innovationen im Theater ein. Die klassischen drei Einheiten (Ort, Zeit, Handlung) wurden aufgebrochen. Das Drama ist in drei Akte strukturiert, wobei Komik und Tragik gemischt werden können. Die Stücke sind in Versen verfasst (Polymetrie), wobei die Strophenformen den dramatischen Situationen angepasst werden (z. B. Redondillas für Liebesszenen, Décimas für Klagen, Romanzen für Erzählungen).
Themen und Rollen im Theater
Die Themen sind oft populärer oder nationaler Natur und entstammen der spanischen Geschichte und Legende. Ein zentrales Motiv ist die Ehre (Honor), insbesondere die eheliche Treue.
Typische Rollen:
- Der König: Verkörpert Autorität und Gerechtigkeit.
- Der edle Ritter: Mächtig, missbraucht jedoch oft seine Macht.
- Der Villano (Bauer): Oft der Gegenspieler des Adligen.
- Der Galán: Jung, edel und verliebt.
- Der Gracioso: Meist ein Diener, ungebildet, feige, aber treu; er sorgt für die komische Entlastung.
Lope de Vega, Calderón und Tirso de Molina
Lope de Vega: Er schuf die Nationalkomödie mit Werken wie „Fuenteovejuna“, „El Caballero de Olmedo“ und „Der Hund im Heu“. Sein erzählerisches Werk umfasst pastorale Genres wie „Arkadia“, byzantinische Romane sowie Prosaarbeiten wie „La Dorotea“.
Calderón de la Barca: Bekannt für seine Autos Sacramentales (z. B. „Das große Welttheater“) und philosophische Dramen wie „Das Leben ist ein Traum“. In seinen Werken spielen die Themen Religion, Monarchie und Ehre eine zentrale Rolle. Ein weiteres wichtiges Werk ist „Der Richter von Zalamea“.
Tirso de Molina: Der Dramatiker ging mit „Der Verführer von Sevilla“ (El burlador de Sevilla) in die Literaturgeschichte ein. Er verknüpfte Legenden und Romanzen mit dem Charakter eines Verführers und begründete damit einen der wichtigsten Mythen der Weltliteratur: den Don-Juan-Mythos.