Spanische Literatur im Goldenen Zeitalter: Renaissance & Barock

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Punkt 6: Das Goldene Zeitalter – Renaissance und Barock

In dieser Epoche existieren sehr unterschiedliche und widersprüchliche Strömungen. Der Gedanke der Renaissance wird von zwei Grundlagen konfiguriert: der Blüte des Humanismus und der Annahme klassischer Kulturmodelle. Die Renaissance ist eine Bewegung, die in den italienischen Stadtstaaten entstand und eine Republik in traditioneller Weise wiederbeleben wollte. Die Rhetorik wird dabei als notwendige Methode der Überzeugungsarbeit geschätzt und spielt eine wichtige Rolle in der Pädagogik.

Der Barock: Merkmale und Themen

Das wesentliche Merkmal des Barock ist das Misstrauen, das als Angst vor dem sozialen Verfall zum Ausdruck kommt. Themen wie die Enttäuschung und das Leben als Traum spiegeln diese Besessenheit wider. Ein weiteres wiederkehrendes Thema ist die Ehre, die Anklänge an die Trennung zwischen Privatem und Öffentlichem findet. In Spanien war der Barock ein Zeitraum des Konservatismus.

Während die Renaissance durch Natürlichkeit geprägt ist, zeichnet sich der Barock durch Kunstgriff aus. In der Literatur stehen sich Renaissance und Barock in der Vorstellung des Werkes und der Sprache gegenüber. Die klassischen Vorbilder ändern sich: Man bevorzugt nun Schriftsteller der Silbernen Latinität (Seneca, Martial, Tacitus, Lucan, Plinius) gegenüber denen des Goldenen Zeitalters (Cicero, Vergil, Horaz).

Punkt 7: Die Poesie des Goldenen Zeitalters

Entwicklungsphasen der Lyrik

  • 1511 bis 1543: Die Poesie folgt den Themen, Genres und Versen der Cancionero-Dichtung. Das zentrale Thema ist die höfische Liebe.
  • 1543 bis 1580: Die Veröffentlichung entscheidender Werke verbreitet die neue Renaissance-Poesie. Es werden Versmaße, Genres und Themen der neuen italienischen Strömungen eingeführt.

Die Themen und Motive der Renaissance entstammen der Petrarca-Poesie und der klassischen Tradition. Der Dichter Petrarca prägte die Struktur, die Metrik und die Stilmittel. Aus der klassischen Tradition wurden literarische Formen wie die Ode und die Elegie übernommen; Vorbilder waren Vergil, Ovid und Horaz.

Innovative Versformen und Kompositionen

  • Sonett: Bestehend aus zwei Quartetten und zwei Terzetten mit variablen Reimen. Das Hauptthema ist die Liebe.
  • Petrarca-Lied: Gebildet aus mehreren Strophen (Stanze) aus Elf- und Siebensilbern.
  • Terzine (Trio Bound): Verwendung in Elegien, Episteln und Satiren.
  • Octava Real: Das Versmaß par excellence für die epische Erzählung.
  • Lira: Kombiniert Sieben- und Elf-silber und imitiert die horazische Ode.

Bedeutende Dichter und Schulen

Das Werk von Garcilaso de la Vega stellt die ultimative Anpassung italienischer Formen an die spanische Poesie dar; es verbindet exquisite Musikalität mit strukturellem Gleichgewicht. Fernando de Herrera besaß eine hervorragende humanistische Bildung und galt nach Garcilaso als bedeutendster Dichter. Zu den Werken von San Juan de la Cruz gehören Die dunkle Nacht der Seele, der Geistliche Gesang und Die lebendige Liebesflamme.

Die barocke Dichtung war eine wichtige Weiterentwicklung voller Kontraste. Fast alle Themen konnten burlesk behandelt werden; es war die Blütezeit der satirischen Gedichte sowie des Sonetts und der Romanze. Zwei Hauptströmungen prägten die Zeit:

  • Culteranismo: Verschönerung der Realität durch Metaphern, Hyperbaton, Kultismen und Anspielungen auf die Mythologie (Góngora).
  • Conceptismo: Literarischer Trend, der geistreiche Korrespondenzen zwischen Objekten nutzt (Wortspiele, Dilogien).

Zudem bildeten sich verschiedene Schulen: Die Schule von Sevilla (modelliert nach Herrera), die Schule von Antequera-Granada (Pedro Espinosa, Luis de Góngora), die Schule von Aragonien (Lupercio und Bartolomé Leonardo de Argensola) und die Schule von Madrid (Lope de Vega, Quevedo).

Punkt 8: Die Prosa des Goldenen Zeitalters

Der Dialog wurde allgemein akzeptiert und war für die Entwicklung des Romans wesentlich. Die Prosa des 16. Jahrhunderts umfasst den Schäferroman (Pastoral), den maurischen Roman und den byzantinischen Roman.

  • Schäferroman: Das Werk von Montemayor zeigt die Idealisierung von Natur und Liebe in einer melancholischen Sprache.
  • Maurischer Roman: Idealisiert die Figur des Mauren und die Verbrüderung zwischen Muslimen und Christen.
  • Byzantinischer Roman: Die Handlung hat die Form einer Pilgerfahrt voller Abenteuer.

Während der byzantinische Roman geschätzt blieb, verschwanden Ritter- und Schäferromane allmählich. Der Schelmenroman (Pikareske) konsolidierte sich und entwickelte ein neues Genre (menippeische Satire).

Lazarillo de Tormes

Das Werk ist in autobiographischer Form verfasst. Es erzählt die Kindheit des Lázaro de Tormes bis zum Zeitpunkt der Abfassung. Der Protagonist versucht, Gerüchte über seine Frau und einen Dekan zu klären. Die realistische Fiktion zeigt Lazarus als Außenseiter in einer harten Gesellschaft. Die Struktur ist in einen Prolog und 7 Kapitel (Traktate) unterteilt, wobei die ersten drei den Hunger thematisieren.

Miguel de Cervantes

Cervantes ist eine Schlüsselfigur der Weltliteratur. Sein Meisterwerk wurde in alle Kultursprachen übersetzt. Sein Schaffen umfasst Dramatik und Erzählkunst:

  • Cervantes als Dramatiker: Er schrieb Komödien (Gefangenschaft, Sitten) und Entremeses (kurze, komische Zwischenspiele). Sein Werk Numancia dramatisiert die heldenhafte Verteidigung gegen die Römer.
  • Cervantes als Schriftsteller: Er bediente das pastorale Genre mit La Galatea (6 Bücher mit Liebesgeschichten und Poesie) und den byzantinischen Roman mit Los Trabajos de Persiles y Sigismunda, der einer Pilgerfahrt nach Rom folgt.

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