Spanische Literatur und Kultur im 18. Jahrhundert

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Strömungen im 18. Jahrhundert

Das 18. Jahrhundert markiert einen Dynastiewechsel, der zum aufgeklärten Absolutismus führte („Alles für das Volk, aber ohne das Volk“). Die Kultur dieser Zeit versuchte, die Gesellschaft im Sinne der Illustration (Aufklärung) zu modernisieren. Dies förderte die Schaffung öffentlicher und privater Institutionen sowie des Druckwesens, woraus die ersten gedruckten Zeitungen (periódicos) entstanden. Die neuen Prinzipien stießen jedoch auf Widerstand in der traditionellen Kultur. In der Literatur vollzog sich das Eindringen neuer Ideen langsam und ungleichmäßig. Man unterscheidet:

  • Barock des 18. Jahrhunderts: Überleben der literarischen Tradition.
  • Neoklassizismus: Inspiriert vom französischen Klassizismus.
  • Rokoko: Eine spielerische Zwischenform.
  • Prärömantismus: Kündigt die romantische Revolution des 19. Jahrhunderts an.

Beispieltexte sind unter anderem „Zwei Meter und sieben Zehen“ von Diego de Torres Villarroel sowie Schriften zur Unterhaltung für das Volk von Gaspar Melchor de Jovellanos.

Literatur und Institutionen

Im 18. Jahrhundert entstanden Akademien als wahre private Vereinigungen mit festen Satzungen und Protokollen. Besonders hervorzuheben sind folgende offizielle Institutionen:

  • Real Academia Española (RAE): Gegründet 1714 vom Marquis von Villena. Hier entstanden die erste Grammatik, die Rechtschreibung und das Diccionario de Autoridades.
  • Spanische Nationalbibliothek: Gegründet von Philipp V. im Jahr 1712.

Tendenzen der Dichtung im 18. Jahrhundert

Die Lyrik des 18. Jahrhunderts koexistiert in drei verschiedenen Stilrichtungen:

  • Barocke Lyrik: Anhänger der großen Autoren wie Lope de Vega, Quevedo und Góngora.
  • Rokoko-Lyrik: Ihre Blütezeit begann um 1765. Sie synthetisiert Renaissance-Formeln (Einfachheit, Natürlichkeit) mit der neuen Kultur der Aufklärung (Rationalismus). Die Verse sind geprägt von Landschaften, wobei Wasser ein wesentliches Element darstellt. Hauptthemen sind Liebe und weibliche Schönheit.
  • Neoklassizistische Dichtung: Im Gegensatz zum Rokoko handelt es sich um feierliche Reden vor einem gebildeten Publikum.
  • Prärömantische Poesie: Hier beginnt die persönliche Zuneigung des Autors in den Versen spürbar zu werden. Beispiele finden sich in den Werken von Nicasio Álvarez de Cienfuegos.

Das kontroverse Drama

Das dramatische Genre, das im 17. Jahrhundert der Gesellschaft sehr nahestand, war im 18. Jahrhundert Gegenstand heftiger Kontroversen. Ignacio de Luzán verteidigte in seinen poetischen Prinzipien eine Erneuerung des Genres:

  • Rückkehr zur Regel der drei Einheiten (Ort, Zeit, Handlung).
  • Eliminierung von Nebenhandlungen zugunsten der Vernunft.
  • Fokus auf den moralischen Charakter, um zu belehren und zu ergötzen.

Ein Höhepunkt des neoklassischen Theaters ist das Werk Das Ja der Mädchen (El sí de las niñas) von Leandro Fernández de Moratín (1760–1828).

Zwei literarische Beiträge der Aufklärung

Diese beiden Entwicklungen traten als Folge der aufklärerischen Postulate hervor:

  1. Die Neoklassische Komödie: Resultat der Debatten über die Moral und Zweckmäßigkeit des Theaters. Erst 1806, mit der Premiere von Moratíns Werk, setzte sich dieser neue Stil endgültig durch.
  2. Der Essay: Entstanden aus der Notwendigkeit, Wissen zu verbreiten und zugänglich zu machen. Dieses Genre hat seine Vorbilder in Platos Dialogen und den Essays von Montaigne. Herausragende Beispiele sind die Marokkanischen Briefe (Cartas Marruecas) von José Cadalso und die Schriften von Jovellanos.

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