Spanische Literatur: Vom Mittelalter zur Renaissance

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Die Krise des 14. Jahrhunderts

Das 14. Jahrhundert war eine Zeit der Krise, die den Zerfall des Lehnswesens einleitete und die Konsolidierung des Bürgertums förderte. Es war zudem die Zeit der Großen Pest, welche die Bevölkerung dezimierte und zu einem tiefen Pessimismus führte, während gleichzeitig ein verzweifelter Wunsch entstand, das Leben zu genießen. In dieser Epoche dominierte eine realistische und satirische Literatur, die sich mit dem Alltäglichen befasste und als Form der Verteidigung gegen die Gefahren der Welt diente. In Spanien ragen die Werke von Don Juan Manuel und dem Erzpriester von Hita heraus.

Das 15. Jahrhundert: Übergang zur Renaissance

Das 15. Jahrhundert stellt eine Übergangsphase zwischen der mittelalterlichen Welt und der Renaissance dar. Das feudale System weicht der Konsolidierung der Monarchie, während der Adel zur höfischen Klasse wird. Bürgerliche Werte wie Individualismus, die Idee des wirtschaftlichen Nutzens sowie der wissenschaftliche und technische Fortschritt gewinnen an Bedeutung. In Spanien ermöglichte der Kontakt mit Italien den Zugang zu den Klassikern und den Werken italienischer Schriftsteller, was den Weg für die Renaissance ebnete. Die Einstellung änderte sich: Der christliche Pessimismus wurde durch den Wunsch ergänzt, das Leben zu genießen, wodurch eine säkulare Kultur entstand, die das Monopol der Kirche untergrub.

Merkmale der mittelalterlichen Literatur

Die Literatur des Mittelalters (10. bis 15. Jahrhundert) ist eng mit der Entstehung der Volkssprachen verbunden. Ihre Geschichte deckt sich mit der Bildung dieser Sprachen. Allgemeine Merkmale sind:

  • Literarischer Einfluss: Koexistenz von gelehrter Literatur und Volksliteratur mit zahlreichen Überschneidungen.
  • Form: Die Bücher folgten nicht strikt den Modellen der literarischen Gattungen; im Vordergrund stand die Absicht des Autors, sich an ein klerikales, adeliges oder populäres Publikum zu richten.
  • Autorität: Der Wert des Textes lag in der Beziehung zu den anerkannten Autoritäten.
  • Weltbild: Es gab keine strikte Trennung zwischen dem Natürlichen und dem Übernatürlichen.
  • Mündlichkeit: Elemente der Mündlichkeit finden sich in allen Texten, selbst in jenen, die als geschriebene Texte konzipiert wurden.

Die Lyrik des Mittelalters

In der Lyrik des Mittelalters koexistierten zwei Strömungen in der Volkssprache, die sich gegenseitig beeinflussten:

  • Traditionelle und populäre Texte: Anonyme Kurzgedichte zur mündlichen Überlieferung, die bei täglichen Aktivitäten und Festen gesungen wurden.
  • Jarchas: In mozarabischer Sprache verfasst; sie zeichnen sich durch Kürze und expressive Einfachheit aus.
  • Cantigas de amigo: Galicisch-portugiesische Lyrik mit parallelistischer Struktur.
  • Kastilische Formen: Villancico (Carol) und Zéjel, ebenfalls mit parallelistischer Struktur.
  • Höfische Lyrik: Entstanden in der feudalen Welt (provenzalisch), vermittelt sie die Idee der Liebe als Vasallenverhältnis. Dieses Genre war besonders in Galicien und im Königreich Aragon verbreitet.

Literarische Gattungen im 15. Jahrhundert

Lyrik

Am Hofe entstanden die Cancioneros. Drei große Dichter ragen heraus: Juan de Mena, der Marqués de Santillana und Jorge Manrique, der Autor der außerordentlichen Coplas.

Erzählung

Es gibt im Wesentlichen zwei Arten von Erzählungen unter dem Siegel der höfischen Liebe: die Ritterbücher und die sentimentale Fiktion.

Theater

Ein bedeutendes Werk am Übergang vom Mittelalter zur Renaissance ist La Celestina (der Vermittler).

Die Renaissance in Spanien

Die Renaissance ist eine Bewegung mit einer anthropozentrischen Vision, die in Spanien während des 16. Jahrhunderts einflussreich war. Sie markiert die Wiedergeburt der klassischen Antike. Die wichtigste Figur ist der Humanist, ein Kenner der klassischen Kultur. Die platonische Philosophie rechtfertigt das Schönheitsideal der Renaissance: Schönheit wird als etwas Göttliches angesehen. Die Liebe preist den Menschen und bietet die Möglichkeit der Annäherung an die absolute Schönheit.

Die Lyrik der Renaissance

Die Renaissance-Lyrik führt die mittelalterliche Tradition fort und öffnet sich gleichzeitig für neue Einflüsse aus Italien.

  • Formen: Verwendung von Endecasillabo (Elf-Silbler) und Heptasyllabo (Sieben-Silbler). Zu den Strophenformen gehören Sonette, Terzinen, Lira, Silva und Octava Real.
  • Themen: Im Vordergrund stehen die veredelte Liebe, die Natur, die Mythologie, das Carpe Diem sowie religiöse und patriotische Themen.
  • Autoren: Garcilaso de Vega, Fray Luis de León, San Juan de la Cruz und Fernando de Herrera.

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