Spanische Literatur des Mittelalters: Klassiker im Wandel
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Spanische Literatur des 14. und 15. Jahrhunderts
Die spanische Literatur des Mittelalters und der Übergangszeit zur Renaissance ist geprägt von tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen und herausragenden literarischen Werken.
Das Buch der guten Liebe (Juan Ruiz)
Das „Buch der guten Liebe“ (Libro de buen amor), geschrieben von Juan Ruiz, dem Erzpriester von Hita, im 14. Jahrhundert, versteht sich als eine Reflexion über die Übel der irdischen Liebe im Vergleich zur Güte der göttlichen Liebe (der „guten Liebe“). Das Werk erzählt von einer Reihe von Liebesangelegenheiten, die jedoch alle auf dieselbe Weise ein desaströses Ende nehmen.
Don Juan Manuel und die erzählende Prosa
Don Juan Manuel, ein edler Prinz und Neffe von Alfons X., ist der Hauptvertreter der erzählenden Prosa im 14. Jahrhundert. In seinem literarischen Schaffen, das sich vor allem an die Mitglieder seiner eigenen sozialen Schicht richtet, ragt besonders das Buch „Der Graf Lucanor“ (oder „Das Buch von Patronio“) heraus.
Struktur der Geschichten im Graf Lucanor
- Erklärung des Problems: Der Graf schildert seinem Berater ein Problem.
- Erzählung der Geschichte: Patronio erzählt eine beispielhafte Geschichte (Exempel).
- Reflexion und Beratung: Patronio zieht die Lehre für den Grafen.
- Moral: Don Juan Manuel fasst die Moral in einem zweizeiligen Vers zusammen.
Das 15. Jahrhundert: Epoche des Wandels
Im 14. und 15. Jahrhundert vollzogen sich auf der Iberischen Halbinsel tiefgreifende Veränderungen, welche die feudale Vorstellung von der Welt grundlegend veränderten und zu einer neuen politischen Mentalität führten.
Gesellschaftliche und kulturelle Transformationen
- Politische Transformationen: Die Stärkung der königlichen Autorität führte zur Entstehung moderner Staaten.
- Ökonomische Transformationen: Die Entwicklung von Handel und Städten brachte einen Aufschwung des Bürgertums (Bourgeoisie) sowie eine Verbesserung der Verkehrswege mit sich.
- Kultureller Wandel: Die Welt des Wissens, die bis dahin exklusiv dem Klerus vorbehalten war, gelangte durch die Gründung von Universitäten in den Besitz der Allgemeinheit. Geld wurde aufgrund des zunehmenden Handels zum wesentlichen Wertmaßstab.
- Neue Mentalität: Das Interesse, die Gegenwart zu genießen und über den Tod hinaus durch Ruhm oder Erbe fortzubestehen, ersetzte teilweise die Sorge um das ewige Leben.
La Celestina von Fernando de Rojas
In der Übergangsphase des späten 15. Jahrhunderts entstand eines der außergewöhnlichsten Werke der spanischen Literatur: „La Celestina“, geschrieben von Fernando de Rojas.
Handlung und tragischer Ausgang
- Die Verliebtheit Calistos: Der junge Calisto verliebt sich unsterblich in die schöne Melibea.
- Appell an die Kupplerin: Nach der Zurückweisung durch Melibea wendet sich Calisto auf Anraten seines Dieners Sempronio und trotz des Widerstands seines Dieners Pármeno an eine alte Kupplerin und Heiratsvermittlerin namens Celestina.
- Die Verzauberung Melibeas: Celestina verschafft sich Zutritt zu Melibeas Haus und hinterlässt ein Garnknäuel, das in einen Zaubertrank getaucht wurde.
- Tragischer Ausgang: Die Mission ist erfüllt. Die Kupplerin streicht den versprochenen Gewinn ein, weigert sich jedoch, diesen mit Sempronio und Pármeno zu teilen. Daraufhin töten sie Celestina und werden hingerichtet. Kurz darauf stürzt Calisto zu Tode. Melibea begeht aus Verzweiflung vor den Augen ihres Vaters Pleberio Selbstmord.