Spanische Literatur: Modernismo und die Generation von 27

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Der Modernismo: Erneuerung der bürgerlichen Ästhetik

Der Modernismo stellt eine Erneuerung angesichts der bürgerlichen ästhetischen Krise dar. Er synthetisiert und sammelt wichtige innovative Haltungen des philosophischen und künstlerischen Endes des 19. Jahrhunderts, hervorgerufen durch die Krise des bürgerlichen Bewusstseins und als Reaktion gegen den Materialismus und den utilitaristischen Geist der Zeit. Diese Bewegung fand zwischen 1885 und 1915 statt.

Einflüsse und Strömungen des Modernismo

Es ist eine Bewegung, die viele verschiedene Einflüsse vereint, insbesondere zwei französische poetische Strömungen:

  • Parnassiens: Dieser Flügel verehrt Schönheit, Sinnlichkeit und formale Perfektion. Er zeigt eine Vorliebe für mythologische Elemente, die Bibel, Exotik und historische Beschwörungen.
  • Symbolismus: Er sucht die Musikalität (busca la musicalidad) und die Kunst, durch Symbole intuitiv zu suggerieren (el arte de sugerir intuitivamente a través de símbolos).
  • Romantik und Bécquer-Stil: Einflüsse des Romanticismo und Becquerianismo.

Stilistische Merkmale und Themen

Die stilistischen Merkmale umfassen eine Literatur der Sinne mittels brillanter plastischer Effekte (farbenfrohe Adjektivierung, sensorisches und sinnliches Lexikon, Synästhesien). Als Vorläufer gilt Salvador Rueda (aus Málaga), doch der eigentliche Wegbereiter war der Nicaraguaner Rubén Darío.

Themen des Barden:

  • Romantisches Unbehagen: Verherrlichung von Leidenschaft, Langeweile und Trauer.
  • Eskapismus: Flucht in den Raum (exotisch, orientalisch) und in die Zeit (Mittelalter, Renaissance).
  • Kosmopolitismus: Suche nach aristokratischer Hingabe, insbesondere an Paris.
  • Kontrast: Zwischen zarter Liebe und tiefer Erotik sowie Lokalismus (Verteidigung des Andalucismo oder Hispanic gegen den Imperialismus).

Bedeutende Vertreter des Modernismo

Rubén Darío

Der große nicaraguanische Dichter ist zweifellos der beste Vertreter der Moderne. Sein Werk lässt sich in zwei Phasen unterteilen:

  1. Erste Phase: Geprägt von großer Plastizität und brillantem Klang. Sein Werk "Azul" ist stark von Victor Hugo und den Parnassiens beeinflusst; darauf folgt "Prosas Profanas", ein Beispiel für üppigen Modernismus.
  2. Zweite Phase: Eine intimere, manchmal verzweifelte und nachdenkliche Stufe von größerer Tiefe mit einer stärkeren Präsenz amerikanischer Themen, wie in "Cantos de vida y esperanza" (Lieder des Lebens und der Hoffnung).

Antonio Machado: Intimität und Symbolik

Der in Sevilla geborene Antonio Machado war anfangs dem Modernismus zugetan, jedoch stark geprägt von Intimität, dem Bécquer-Stil und dem Symbolismus. In seinem Werk "Soledades" (Einsamkeiten), das später zu "Soledades, Galerien und andere Gedichte" erweitert wurde, definiert er seine Dichtung als "das wesentliche Wort der Zeit" (el palabra esencial en el tiempo). Seine Dichtung ist ein "intimer Monolog".

Die zweite Stufe stellt "Campos de Castilla" dar. Diese Arbeit spiegelt die Identifikation mit dem Land und den Leuten von Soria und Kastilien wider. Ethische und soziale Anliegen rücken ihn in die Nähe der Gruppe der 98. Spätere Werke umfassen "Canciones a Guiomar" (späte Liebe zu Pilar Valderrama) und Kriegspoesie wie die Elegie "El crimen fue en Granada" (Das Verbrechen geschah in Granada).

Juan Ramón Jiménez: Die nackte Poesie

Der aus Huelva stammende Dichter schuf eine Lyrik für die Minderheit, dominiert von einem dreifachen Durst nach Schönheit, Wissen und Ewigkeit. Er unterteilte sein Werk in verschiedene Etappen:

  • Sensible Etappe: Frühe Werke mit Postromantik und Modernismus ("Arias tristes"), die sich mit Einsamkeit, Zeit und Tod befassen. Später folgen modernistische Werke mit stärkeren sensorischen Elementen wie "Elegías" und "La Soledad Sonora".
  • Intellektuelle Etappe: Status der "nackten Poesie" (poesía desnuda), beginnend mit "Diario de un poeta recién casado", geschrieben während seiner Hochzeitsreise mit Zenobia Camprubí nach New York. Das Meer wird zum Symbol der Ganzheit. Zu dieser Zeit gehört auch "Platero y yo".
  • Etappe des Exils: Von 1936 bis zu seinem Tod. Ein Höhepunkt ist "Dios deseante y deseado" (Begehrender und begehrter Gott). In freien Versen spiegelt es den Durst nach Ewigkeit wider, wobei Gott in der Wahrnehmung des Dichters zu Natur, Liebe, Wahrheit, Schönheit und Poesie wird.

Die Generation von 27 (Generación del 27)

Der Begriff Generation von 27 bezeichnet eine Gruppe von Autoren (vornehmlich Dichter), welche die spanische Lyrik in den 1920er und 1930er Jahren erneuerten. Sie verschmolzen traditionelle poetische Strömungen mit klassischen und avantgardistischen Innovationen.

Merkmale der Gruppe

Die Dichter waren oft befreundet, stammten aus bürgerlichen Familien mit intellektueller Ausbildung und waren durch Institutionen wie die Residencia de Estudiantes verbunden. Ein zentrales Ereignis war die Hommage an Góngora im Jahr 1927 sowie Publikationen in Zeitschriften wie der Revista de Occidente oder Litoral.

Mitglieder: Pedro Salinas, Jorge Guillén, Gerardo Diego, Rafael Alberti, Federico García Lorca, Luis Cernuda, Vicente Aleixandre, Dámaso Alonso, Emilio Prados und Manuel Altolaguirre. Miguel Hernández gilt als Epigone.

Die drei Phasen der Generation

  1. Formationsphase (bis 1927): Interesse an technischer Perfektion, Experimenten und formaler Reinheit (Dehumanisierung). Einflüsse von Juan Ramón Jiménez und der Avantgarde.
  2. Konsolidierungsphase (1927 bis zum Krieg): Verzicht auf reinen Formalismus und progressive Rehumanisierung, insbesondere durch den Surrealismus. Die Poesie wird menschlicher, sozialer und politischer. Während des Krieges wird sie zur Waffe.
  3. Phase des Zerfalls: Lorca wurde im Bürgerkrieg ermordet. Einige blieben in Spanien (Dámaso Alonso, Gerardo Diego, Aleixandre), andere gingen ins Exil. Die Poesie wurde einfacher, herzzerreißender und nostalgischer (z. B. Dámaso Alonsos "Hijos de la ira").

Stilistische Merkmale und Themen

Es herrscht ein perfektes Gleichgewicht zwischen Avantgarde und Tradition, Intellekt und Gefühl sowie dem Universellen und dem Lokalen. Themen sind Tod, Freiheit, Liebe und Natur, aber auch moderne Aspekte wie Technik, Kino und Sport.

Wichtige Autoren der Generation von 27

Rafael Alberti

Sein Werk zeichnet sich durch eine Vielzahl von Themen aus, insbesondere Nostalgie und soziales Engagement. Seine Entwicklung umfasst:

  • Neopopularismus: "Marinero en tierra" (reaktiviert traditionelle Lyrik modern).
  • Gongorismus und Avantgarde: Einfluss des Surrealismus in "Sobre los ángeles", Frucht einer persönlichen Krise.
  • Politisches Engagement: Er betrachtet frühere Poesie als "bürgerlich" und setzt auf "poesía civil".
  • Exil: Poesie der Nostalgie, z. B. "Entre el clavel y la espada" (Zwischen Nelke und Schwert).

Federico García Lorca

Sein Werk reflektiert die Leidenschaft für das Leben, die Liebe und die Freiheit im Konflikt mit der begrenzenden Zeit, der unterdrückerischen Gesellschaft oder dem tragischen Schicksal. Das Ergebnis ist Frustration und Einsamkeit.

  • Erste Stufe: Jugendwerk, beeinflusst von Bécquer, Machado und Juan Ramón Jiménez ("Libro de Poemas", "Poema del cante jondo").
  • Romancero gitano: Ein erneuernder Schritt, der die Ausgrenzung der Roma thematisiert, die gegen soziale Normen und ein tragisches Schicksal kämpfen. Die "Pena" (der Schmerz) ist der wahre Protagonist dieses mythischen Andalusiens.

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