Spanische Literatur: Renaissance und Barock im Überblick

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Die Poesie der frühen Renaissance

  • Lyrik für Gebildete in Kastilisch: Der bedeutendste Vertreter war Cristóbal de Castillejo.
  • Traditionelle und lyrische Balladen.
  • Italienische Lyrik: Im 16. Jahrhundert verbreitete sich der Petrarkismus rasch in Europa. 1526 trafen sich Juan Boscán und Andrea Navagero in Granada. Navagero regte Boscán an, italienische Themen und Formen in die spanische Poesie einzuführen. Boscán suchte Rat bei Garcilaso de la Vega, und beide vollendeten diese poetische Revolution. Sie führten neue Versmaße ein: das Sonett, die Canzone, Terzinen, Oktaven und die Lira.

Sie schufen eine poetische Welt, in der die Natur einen idealisierten bukolischen Rahmen bot – den locus amoenus. Als Ausdrucksmittel dienten der Hendekasyllabus (Elfsilber) und der Heptasyllabus (Siebensilber) in klassischen Gattungen wie Brief, Ekloge, Elegie und Ode.

Garcilaso de la Vega

Garcilaso (geb. 1501 in Toledo) gilt als Prototyp des Renaissance-Menschen: tapferer Krieger und großer Dichter. Seine Karriere umfasst drei Etappen:

  • Einfluss der hispanischen Poesie: Verbindung zur Tradition des Cancionero und Spuren von Ausiàs March.
  • Assimilation des Petrarkismus: Übernahme von Metrik, Strophen und Bildern unter dem Einfluss humanistischer Dichter.
  • Die Fülle: Nach dem Tod von Isabel Freyre schrieb Garcilaso seine emotional intensivsten Werke.

Sein Werk umfasst drei Eklogen, zwei Elegien, einen Brief, vier Lieder, die „Ode an die Blume von Knidos“, 38 Sonette und acht Lieder in kastilischen Versen.

Die Poesie der zweiten Renaissance

Die Dichtung folgte den von Garcilaso geprägten italienischen Pfaden. Hauptinitiatoren waren Petrarca und Horaz.

  • Petrarkistische Poesie: Fernando de Herrera (Sevilla) zeichnete sich durch Klang, Helligkeit und sprachliche Entwicklung aus.
  • Horazische Poesie: Fray Luis de León war der wichtigste Vertreter. Die Lira ist hier das bevorzugte Versmaß.
  • Religiöse Dichtung: Ausdruck der Vereinigung der Seele mit dem Göttlichen, allen voran San Juan de la Cruz.

Schulen der Dichtung

  • Schule von Salamanca: Fray Luis de León; Sprache ist kurz und prägnant.
  • Schule von Sevilla: Fernando de Herrera; Fokus auf Liebe, formale Ornamentik und Rhetorik.

Fray Luis de León (1528–1591)

  • Originale Poesie: Oden, oft inspiriert vom Beatus ille (Lob des einfachen Lebens).
  • Übersetzungen: Klassiker und biblische Texte (Hohelied, Buch Hiob, Psalmen).

Askese und Mystik

Askese und Mystik sind theologische Wege zur Vereinigung der Seele mit Gott (Itinerarium mentis ad Deum).

  • Asketik: Verbesserung des Menschen durch Anstrengung und Disziplin (z. B. Fray Luis de Granada).
  • Mystik: Prozess in drei Stufen: Reinigung, Erleuchtung und Einigung (Unio mystica). Hauptvertreter: San Juan de la Cruz und Santa Teresa de Jesús.

San Juan de la Cruz (1542–1591)

  • Dunkle Nacht der Seele
  • Geistlicher Gesang (Cántico espiritual)
  • Flamme der lebendigen Liebe (Llama de amor viva)

Renaissance-Prosa

Idealisierte Romane

  • Ritterroman: Amadís de Gaula, Palmerín de Oliva.
  • Pastoralroman: Diana (Montemayor), Galatea (Cervantes).
  • Maurischer Roman: Abencerraje y la hermosa Jarifa.
  • Italienische Novellen: Patrañuelo (Timoneda).
  • Byzantinischer Roman: Persiles y Sigismunda (Cervantes).

Realistische Fiktion: Der Schelmenroman

Der Schelmenroman (Pikaresker Roman) entstand als Reaktion auf die idealisierten Ritterromane. Merkmale: autobiografische Form, offene Struktur, Determinismus und soziale Kritik.

  • Lazarillo de Tormes (1554): Der Beginn des realistischen Romans. Er schildert den „Bildungsprozess“ eines Kindes in einer harten sozialen Realität.

Miguel de Cervantes Saavedra

Cervantes war ein vielseitiger Schriftsteller, der alle Genres bediente:

  • Dichter: Reise zum Parnass.
  • Dramatiker: Bekannt für seine Zwischenspiele (Entremeses) wie Das Altarbild der Wunder.
  • Erzähler: Don Quijote, Exemplarische Novellen.

Don Quijote: Ein universelles Werk

Das Werk parodiert Ritterromane und ist zugleich eine tiefgründige Literaturkritik. Die Charaktere Don Quijote und Sancho Panza entwickeln sich durch ihre Dialoge und spiegeln die soziale Krise der Zeit wider.

Barocke Poetik

Das 17. Jahrhundert war geprägt von der „Schwierigkeit der Kunst“, unterteilt in zwei Strömungen:

  • Konzeptismus (Quevedo): Fokus auf Witz, Schärfe und geistige Verdichtung.
  • Culteranismo (Góngora): Fokus auf hochformale Sprache, Latinismen und mythologische Anspielungen.

Luis de Góngora

Hauptwerke: Fabel von Polyphem und Galatea, Einsamkeiten (Soledades).

Francisco de Quevedo

Bekannt für seine metaphysischen, moralischen und satirischen Gedichte sowie den Schelmenroman El Buscón und die moralisch-satirischen Sueños.

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