Spanische Literatur: Romantik, Realismus und Naturalismus

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Spanien im 19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert begann mit dem Unabhängigkeitskrieg (1808–1814) und endete mit dem Verlust aller Überseekolonien (1898). Die erste Jahreshälfte war geprägt von den Regierungen unter Ferdinand VII. (1814–1833) und Isabella II. (1833–1868).

Die Romantik

Die Romantik hat ihren Ursprung im Deutschland des 18. Jahrhunderts, maßgeblich geprägt durch Autoren wie Goethe (1749–1832) und Schiller (1759–1805). Der rationale Geist wird durch romantische Ideale, das Streben nach Freiheit und maximale Werte ersetzt. Wichtige spanische Vertreter sind Gustavo Adolfo Bécquer und Rosalía de Castro.

Merkmale der Romantik

  • Verteidigung der Freiheit: Freiheit ist das zentrale Thema ihres Lebens und ihrer Werke.
  • Flucht vor der Realität: Romantische Schriftsteller lehnen die Wirklichkeit, in der sie leben, ab.
  • Subjektivismus: Die Seele des Autors bringt eigene Gefühle wie Liebe, Angst und Unzufriedenheit ein und projiziert diese auf die Landschaft.
  • Spanien als literarisches Thema: Europäische Autoren finden in Spanien Ideale, die sie bewahren möchten.

Die romantische Poesie

Die romantische Poesie ist oft intim und liebevoll. Manchmal dient sie dem Dichter jedoch als Waffe der Rebellion gegen eine ungeliebte Gesellschaft. Häufige Protagonisten sind Außenseiter (zum Tode Verurteilte, Bettler), um die Unzufriedenheit des Autors auszudrücken. José de Espronceda (1808–1842) schrieb den Roman Sancho Saldaña und das Theaterstück Blanca de Borbón, ist jedoch primär als Dichter bekannt.

Rosalía de Castro (1837–1885)

Die Dichterin ist, zusammen mit Bécquer, eine Schlüsselfigur der späten Romantik. Ein Teil ihres Werkes ist auf Kastilisch verfasst (Cantares gallegos, En las orillas del Sar), sie schrieb jedoch auch auf Galicisch (Follas novas), ein Werk voller Trauer und Schwermut.

Gustavo Adolfo Bécquer (1836–1870)

Bécquer veröffentlichte sein Werk in der Blütezeit des Realismus. Seine Gedichte wurden von der deutschen Romantik, insbesondere von Heine, inspiriert. Seine Dichtung ist intimer als die anderer Romantiker. In seiner Prosa schrieb er Leyendas, eine Sammlung von 28 Geschichten mit romantischen Themen wie nächtlichen Landschaften und geheimnisvollen Ereignissen (z. B. Maese Pérez, el organista). Zudem verfasste er die Cartas desde mi celda aus dem Kloster Veruela.

Merkmale des Realismus

Die Autoren dieser Zeit setzen sich kritisch mit der Gesellschaft auseinander. Die Themen sind vielfältig und spielen oft im Umfeld des reichen Bürgertums oder der städtischen Unterwelt. Die Erzählweise ist detailliert und spielt an realen, dem Leser bekannten Orten.

Merkmale des Naturalismus

  • Analyse der Realität: Fokus auf rohe, problematische und unangenehme Aspekte.
  • Präsentation der Ursachen: Oft durch negative physische oder psychische Vererbung (Wahnsinn, Missbildungen) oder ein negatives Umfeld (Armut, harte Arbeit im Proletariat).
  • Suche nach Lösungen: Forderung nach einer gesunden Umwelt, Bildung und menschenwürdigen Arbeitsbedingungen.

Frühe realistische Literatur

Der erste realistische Roman in Spanien war La Gaviota (1849) von Fernán Caballero. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Costumbrismo (Sittenbild) fester Bestandteil realistischer Romane von Autoren wie José M. de Pereda und Armando Palacio Valdés.

Die großen Schriftsteller des Realismus

Autoren wie Alarcón, Pereda oder Padre Coloma verteidigten die katholische Tradition, während Galdós, Clarín oder Blasco Ibáñez eher liberale und antiklerikale Positionen vertraten.

Juan Valera (1826–1905)

Der Diplomat und Schriftsteller ist vor allem für seinen Roman Pepita Jiménez bekannt.

Pedro Antonio de Alarcón (1833–1891)

Bekannt für seine Reiseberichte wie La Alpujarra und seine Novellen El capitán Veneno und El sombrero de tres picos.

José María de Pereda (1833–1916)

Ein Meister der regionalen Erzählung, bekannt für Werke wie Sotileza und Peñas arriba, in denen er die kantabrische Landschaft preist.

Benito Pérez Galdós (1843–1920)

Der produktivste spanische Realist. Sein Werk umfasst die Episodios Nacionales, die spanische Romane (Doña Perfecta), zeitgenössische Romane (La de Bringas), den Meisterroman Fortunata y Jacinta sowie spätere spirituelle und mythologische Werke.

Emilia Pardo Bazán (1852–1921)

Bekannt für ihre Kritik und Romane wie Los Pazos de Ulloa und La Tribuna, das als erster spanischer Roman das städtische Proletariat thematisiert.

Vicente Blasco Ibáñez (1867–1928)

Oft als der „spanische Zola“ bezeichnet. Seine Werke wie La barraca, Sangre y arena und Los cuatro jinetes del Apocalipsis erlangten internationale Bekanntheit und wurden teilweise in Hollywood verfilmt.

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