Spanische Lyrik des 20. Jahrhunderts und die Romantik

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1. Die 50er Jahre: Soziale Poesie

Die Dichter fühlten die Notwendigkeit, eine kritische Aussage über die Realität zu treffen und eine engagierte Haltung gegenüber der Situation in Spanien einzunehmen. Cantos Iberos von Gabriel Celaya und Pido la paz y la palabra von Blas de Otero, veröffentlicht im Jahr 1955, sind hierbei wegweisend. Zentrale Themen sind die Frage nach Spanien, soziale Ungerechtigkeit und Entfremdung. Die Sprache ist klar und der Ton umgangssprachlich.

2. Die 60er Jahre: Poesie der Erkenntnis

Gegen Ende der 50er Jahre entstand eine Gruppe von Dichtern, die eine stärkere Ausarbeitung der poetischen Sprache suchten und den Fokus vom Kollektiven auf das Persönliche verlagerten. Sie verteidigten die Idee des Gedichts als einen Akt der Erkenntnis.

  • Gruppe von Barcelona: José Agustín Goytisolo, Jaime Gil de Viedma...
  • Gruppe von Madrid: Claudio Rodríguez, José Ángel Valente...

Obwohl jeder Dichter seinen eigenen Weg verfolgt, lassen sich gemeinsame Themen erkennen:

  • Der Lauf der Zeit und die Vergänglichkeit des Lebens.
  • Liebe: Gedichte, die individuelle Erfahrungen und Freundschaft reflektieren.
  • Die Schöpfung der Poesie: Reflexion über das Dichten selbst.
  • Reaktion auf die vorangegangene Rhetorik.

3. Die 70er Jahre: Los Novísimos

Im Jahr 1970 veröffentlichte José María Castellet eine Anthologie mit dem Titel Nueve novísimos poetas españoles. Zwei Merkmale kennzeichnen diese Gruppe:

  • Die Kombination mit populärer Kunst wie Rock, Film und Fernsehen.
  • Eine Vorliebe für europäische und lateinamerikanische Literatur.

Thematisch suchen sie die Verbindung des Persönlichen mit der Öffentlichkeit und beziehen die Stadtkultur mit ein. Ihr Ziel ist die Erneuerung der poetischen Sprache.

4. Neueste Tendenzen

  • Kulturalismus: Von Poesie inspirierte Lyrik. Ein wichtiger Vertreter ist Antonio Colinas.
  • Klassizismus: Vermischung von Tradition mit griechisch-römischer Dekadenz (z. B. Luis Antonio de Villena).
  • Reine Poesie (Minimalismus): Lyrik von geistiger Natur (Siles, Jaime Andrés Sánchez Robayna).
  • Erfahrungspoesie: Ausdruck des Nahen und Individuellen. Bekannte Vertreter: Justo Navarro, César Antonio Molina etc.
  • Die andere Sentimentalität: Eine wichtige Gruppe andalusischer Dichter innerhalb dieser Tendenz.
  • Poesie des Schweigens: Konzeptualismus und geistige Dichte in kurzen, konzentrierten Texten (Álvaro Valverde, Amparo Amorós).
  • Frauenstimmen: Hervorhebung wichtiger und vielfältiger Stimmen wie Ana Rossetti, Almudena Guzmán, Ada Salas etc.

5. Die Romantik

Die Romantik war eine kulturelle und künstlerische Bewegung, die Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts in Frankreich und England entstand und sich über ganz Europa verbreitete. Sie markiert den Beginn der Moderne.

Charakteristika der Romantik:

  • Freiheit: Die Romantik verteidigte die Freiheit des Individuums, moralische, soziale, politische und künstlerische Freiheit.
  • Subjektivismus: Die Bedeutung des Individuums und seine persönliche Sicht auf die Welt wurden betont. Der Schriftsteller zeigt Mitgefühl für Außenseiter der Gesellschaft (z. B. Piraten).
  • Historismus: Romantiker betonten den historischen Charakter verschiedener Kulturen innerhalb eines Staates, wie etwa das Katalanische oder Galicische in Spanien.
  • Interesse an Folklore: Fokus auf mittelalterliche Literatur, Volkstraditionen, Barocktheater und Mythen wie Don Juan.
  • Irrationalismus und Eskapismus: Aberglaube, Legenden und Fantasy-Literatur wurden geschätzt. Der Wunsch nach Flucht führte zum Kult um ferne Kulturen (Exotismus) und zur Idealisierung der Vergangenheit.

Themen und Stile:

Zentrale Themen sind Freiheit, Macht, Gerechtigkeit, der Sinn des Lebens, das Schweigen Gottes, Liebe und das menschliche Schicksal. Die Romantik nutzt verschiedene Register und Stile, einschließlich Umgangssprache und Neologismen. Der Stil ist geprägt von Ausrufen, um Stimmungen auszudrücken, sowie von einem Wortschatz, der sentimentale Gefühle betont.

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