Spanische Nachkriegsliteratur: Roman und Theater im Fokus

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Die spanische Nachkriegsliteratur: Der Roman

Der spanische Roman der Nachkriegszeit ist eine literarische Gattung, die sich in den letzten Jahren stark entwickelt hat. Die spanischen Erzähler wurden dabei in zwei Gruppen unterteilt: die Autoren im Exil und jene auf der Halbinsel. Die erste Gruppe befasst sich vorwiegend mit Themen wie dem Bürgerkrieg und seinen Folgen, obwohl diese Werke aufgrund der Zensur auf nationaler Ebene zunächst kaum präsent waren.

Die 1940er Jahre: Existentialismus und Pessimismus

In diesem Jahrzehnt wurden Themen mit einem pessimistischen Ton und persönlichen Betrachtungen über das Leben ausführlich behandelt.

  • 1. Carmen Laforet: Ihr Werk Nada gewann den ersten Nadal-Preis. Der Roman thematisiert den Reifungsprozess eines Mädchens aus einer inneren Perspektive.
  • 2. Miguel Delibes: Sein Werk Die Schatten der Zypressen sind lang (La sombra del ciprés es alargada) gewann ebenfalls den Nadal-Preis. Sein Stil ist einfach und klar. In seinen Werken dominieren ländliche Umgebungen und Charaktere, die ohne Ressourcen agieren müssen.
  • 3. Camilo José Cela: Mit La familia de Pascual Duarte brach er als Erster mit dem triumphalistischen Trend, der vom neuen Regime vorgegeben wurde.

Die 1950er Jahre: Sozialer Realismus und Kritik

In den 50er Jahren verlagerte sich das Thema hin zu sozialen Problemen und Gesellschaftskritik.

  • Camilo José Cela: Der Nobelpreisträger von 1989 pflegte mehrere Genres, feierte aber in der Erzählkunst seine größten Erfolge. Sein Humor ist oft bitter, sein Vokabular reich und präzise. Er schafft Szenen von großer Ironie, ohne an Intensität zu verlieren. Seine Themen sind Existentialismus, sozialer Realismus und Experimentierfreude.
  • Der Bienenstock (La Colmena): Die erste Ausgabe wurde 1951 in Buenos Aires veröffentlicht, in Madrid erst Ende des Jahrzehnts. Die Zeitstruktur variiert zwischen Gegenwart und Vergangenheit, umfasst aber nicht mehr als eine Woche. Der Schauplatz ist stets Madrid.

Merkmale der neuen Erzählform

  1. Vielzahl von Sichtweisen (Objektiver Erzähler): Im Gegensatz zum traditionellen Roman, in dem der Erzähler alles vorgibt, werden Szenen hier aus der Sicht verschiedener Charaktere erzählt.
  2. Kollektiver Protagonist: Es gibt keinen einzelnen Helden; alle Figuren sind Akteure. In Der Bienenstock ist die Stadt Madrid selbst der Protagonist.
  3. Fehlende Handlung: Es gibt keine klassische Storyline, sondern lose Szenen, die die Härte des Lebens im Madrid der Nachkriegszeit zeigen.
  4. Offenes Ende: Aufgrund der fehlenden zentralen Argumentation gibt es keinen festen Abschluss; der Roman könnte theoretisch fortgesetzt werden.

Die 1960er Jahre: Technische Innovationen

In dieser Phase wurden technische Neuerungen eingeführt, die oft auf internationalen Vorbildern basierten.

Technik und Einflüsse

Das irische Modell von James Joyce, insbesondere sein Werk Ulysses, diente als neues, wenn auch schwer lesbares Vorbild.

  1. Der Autor tritt hinter die Figuren zurück.
  2. Der innere Monolog: Der Autor gewährt Einblick in die Gedankenwelt und die Psyche der Charaktere.
  3. Minimierung der Handlung: Der Fokus liegt fast vollständig auf der Charakterstudie.

Themen der 60er Jahre

  • Psychologische Nacktheit: Einblicke in den menschlichen Geist.
  • Traditionalismus: Der Lebensstil im Spanien der Nachkriegszeit.
  • Soziales: Soziale Probleme spiegeln sich wider, während die klassische Handlung fast verschwindet.
  • Existentialismus: Inspiriert von Jean-Paul Sartre stehen Einsamkeit und Angst im Mittelpunkt.

Wichtige Autoren und Werke

  • Miguel Delibes: Fünf Stunden mit Mario. Sein wichtigstes Werk beginnt mit einem Nachruf. Die Protagonistin hält Totenwache und rekonstruiert durch das Lesen von Bibelpassagen ihr gemeinsames Leben. Es ist ein langer innerer Monolog.
  • Rafael Sánchez Ferlosio: Am Jarama (El Jarama). Alles wirkt normal, bis ein Unfall die Welt der Charaktere schlagartig verändert.
  • Juan García Hortelano: Neue Freunde. Das Werk beschreibt das leere Leben der reichen Jugend im Madrid der Nachkriegszeit (Alkohol, Designerkleidung). Die Figuren erzählen den Roman durch Dialoge (kollektive Charaktere).

Die 1970er Jahre: Rückkehr zum klassischen Erzählen

In den 70ern gab es weniger technische Neuerungen, dafür eine Rückbesinnung auf den klassischen Roman.

  1. Wachsende Bedeutung des Erzählers: Rückkehr zum allwissenden Erzähler.
  2. Die Handlung im Zentrum: Die Geschichte selbst wird wieder zum wichtigsten Element.
  3. Verwebung von Dialog und Beschreibung.

Themen und Autoren

Klassische Themen wie das städtische Leben, Einsamkeit, Enttäuschung und Existenzangst dominierten.

  • Francisco Umbral: Sterblich und Rose (Mortal y rosa). Ein bedeutender Journalist, der in diesem Roman den Schmerz über den Tod seines Sohnes verarbeitet.
  • Camilo José Cela: Mazurka für zwei Tote.
  • Miguel Delibes: Der Ketzer (El hereje).

Das spanische Nachkriegstheater

Neue Autoren nutzten ähnliche Techniken wie im Roman. Literaturpreise wie der Lope de Vega-Preis förderten neue Dramatiker. Da Theaterproduktionen teuer waren, führte die Regierung eine Subventionspolitik ein, um Eintrittspreise erschwinglich zu machen – ein System, das bis heute besteht.

Antonio Buero Vallejo und das soziale Drama

Der erste bedeutende Gewinner des Lope de Vega-Preises war 1949 Antonio Buero Vallejo mit Geschichte einer Treppe (Historia de una escalera). Es ist ein realistisches soziales Drama mit klassischer Struktur. Das Thema ist die Gesellschaft und das Problem des bezahlbaren Wohnraums. Die gesamte Handlung spielt sich auf einer Treppe ab, wo sich Nachbarn treffen und über ihr bescheidenes Leben sprechen. Buero Vallejo gründete zudem die GTR (Realistische Theatergruppe), der sich weitere Autoren anschlossen:

  • Alfonso Sastre: Der Hornstoß (La cornada). Er thematisiert die Welt des Stierkampfs und die Ausbeutung armer Jugendlicher.
  • Lauro Olmo: Das Hemd (El tragaluz/La camisa). Es behandelt das Trauma der Migration.
  • Rodríguez Méndez: Die Unschuldigen von Moncloa. Es zeigt die Härte des Universitätslebens und die Arbeitslosigkeit junger Menschen, die oft in den Suizid führt.

Die verschiedenen Phasen Buero Vallejos

  • Soziales Theater: Heute ist ein Feiertag. Ein Werk über den Kontrast zwischen Arm und Reich.
  • Existentialistisches Theater: In der brennenden Dunkelheit (En la ardiente oscuridad). Charaktere mit körperlichen Einschränkungen (Blindheit) kontrastieren mit der „normalen“ Welt.
  • Historisches Theater: Las Meninas. Politische Botschaften werden geschickt in historischen Settings verpackt, um die Zensur zu umgehen.

Allgemeines Theater: Komödie und Exil

Das komische Theater

  • Jardiel Poncela: Eloise ist unter einem Mandelbaum. Er gilt als Schöpfer des modernen komischen Theaters mit sehr humorvoller Sprache.
  • Miguel Mihura: Drei Hüte (Tres sombreros de copa). Sein absurder Humor wurde erst spät gewürdigt. Er nutzt Wortspiele und gewann zahlreiche Preise.

Das essenzielle Theater und Exil

  • Alejandro Casona: Die Frau im Morgengrauen (La dama del alba). Er ging nach dem Krieg ins Exil, kehrte aber später triumphierend zurück. Seine Charaktere gelten als unvergesslich.

Das bürgerliche Theater

Ein Theater der Realitätsflucht (Eskapismus).

  • José María Pemán: Der göttliche Ungeduldige (El divino impaciente). Seine Stücke sind oft in Versen verfasst.
  • Calvo Sotelo: Die Wand (La muralla).

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