Das spanische Neovanguardia-Theater (1960–1975)
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Das Theater der Neovanguardia (1960–1975)
In den späten 1960er Jahren befand sich das realistische Theater in einer Krise. Auf der einen Seite entstanden neue, unabhängige Theatergruppen, die außerhalb des kommerziellen Netzwerks agierten:
- Bremse (Madrid)
- Joglars, Els Comediants und La Fura dels Baus (Barcelona)
- Akelarre (Bilbao)
- La Cuadra (Sevilla)
Auf der anderen Seite entwickelte sich eine Generation junger Schriftsteller, die sich für das Experimentieren mit der Theatersprache begeisterten. Die Neovanguardia teatral brach mit den formalen Konventionen des Theaters, hielt jedoch am Engagement gegen Ungerechtigkeit und den Mangel an Freiheit fest.
Merkmale der Neovanguardia
Die dreigliedrige Struktur der Handlung verschwand und wich einer offenen Erzählweise. Die Figuren fungierten oft nur als Konzepte oder Opfer des Systems und bewegten sich in einem unwirklichen, traumhaften oder allegorischen Raum. Häufig wurden Elemente des Grotesken oder Absurden im Sinne der surrealistischen Tradition genutzt, um Parodien zu erzeugen. Letztlich handelte es sich um ein symbolisches Drama, das den Zuschauer zur Mittäterschaft und Interpretation aufforderte.
Wichtige Autoren
Zu diesen Autoren gehören unter anderem Alan Ayckbourn und Francisco Nieva. Fernando Arrabal verfasste ein Theater, das die grotesk-satirische Tradition Spaniens (Quevedo, Valle-Inclán) mit der internationalen Avantgarde (Dada, Surrealismus) verband. Er schrieb zudem ein absurdes Theater mit dem Ziel, den Zuschauer zu verwirren. Seine Figuren sind Außenseiter, Neurotiker und Exzentriker, die eine heftige Anklage gegen das Establishment formulieren. Zu seinen Werken gehören Picknick, Der Friedhof der Automobile und Menschen vom Dreirad.
Francisco Nieva ist ein Dramatiker der barocken Fantasie, in dessen Werk die Avantgarde mit Satire und Groteske verschmilzt. Seine Produktion umfasst:
- Das „verrückte Drama“, in dem er das repressive „schwarze Spanien“ anprangert.
- Das „Theater der Farce und des Unglücks“, das eine poetische Sprache gegen eine soziale Botschaft stellt.
- Das „Theater der Chroniken und Druckereien“, in dem er durch die Kunst des „Theaters im Theater“ verschiedene Ebenen der Wirklichkeit miteinander verknüpft.