Spanische Poesie des 16. Jahrhunderts und Garcilaso
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Poesie des 16. Jahrhunderts in Spanien
In Spanien lassen sich im 16. Jahrhundert zwei wichtige Trends in der Poesie feststellen: die traditionelle spanische und die italienisch beeinflusste Poesie.
Traditionelle spanische Poesie
Im 15. Jahrhundert existierten sowohl eine gelehrte Dichtung als auch eine Volksdichtung. Im 16. Jahrhundert wurden diese Traditionen fortgeführt:
- Höfische Dichtung: Die Tradition des Cancionero General blieb mit ihren Kompositionen über höfische Liebe und Troubadour-Themen weiterhin sehr präsent.
- Volkslyrik: Die Romanzen setzten ihre Reise durch das Jahrhundert fort und erlebten in der zweiten Hälfte eine große Blütezeit.
Italienisch beeinflusste Dichtung
Diese innovative Strömung dominierte die Poesie des 16. Jahrhunderts. Ihre Merkmale sind:
- Metrische Erneuerung: Die größte Neuerung war der Endekasyllabus (Elfsilber), der harmonisch mit dem Siebensilber kombiniert wurde.
- Themen und Haltung: Der italienische Einfluss prägte nicht nur die Metrik, sondern auch die poetische Haltung.
- Idealisierung: Es findet eine intensive Entwicklung idyllischer und pastoraler Themen statt, in denen der Dichter seine Gefühle inmitten einer idealisierten Natur mit mythologischen Referenzen ausdrückt.
Garcilaso de la Vega
Biographie
Garcilaso wurde in Toledo geboren und verkörpert das Ideal des Renaissance-Menschen und Höflings. Sein Leben verlief im Dienst von Kaiser Karl V. Er war mit Elena Zúñiga verheiratet, doch seine poetischen Worte galten vor allem Isabel Freire, einer portugiesischen Dame, die seine Liebe erwiderte. Garcilaso starb in Nizza an den Folgen von Wunden, die er bei der Erstürmung eines Turms im Krieg erlitten hatte.
Werk und Merkmale
Garcilaso gilt als einer der bedeutendsten spanischen Dichter, der formale Perfektion erreichte. Seine Gedichte wurden erstmals 1543 von der Witwe Juan Boscáns veröffentlicht.
- Einflüsse: Verwendung lateinischer und humanistischer Themen und Formen.
- Sprache: Sein Ideal war Transparenz und Klarheit im Ausdruck, fernab von aufwendiger Pose.
- Themen:
- Locus amoenus: Eine mythische, schöne Landschaft, in der weibliche Schönheit idealisiert wird (weiße Haut, blaue Augen, langes Haar).
- Carpe diem: Eine Anspielung auf die Vergänglichkeit des Lebens, die dazu einlädt, den Moment zu genießen.
Die Eklogen
Dies sind pastorale Gedichte, in denen Hirten ihre Liebe in einer idealisierten Natur ausdrücken:
- Ekloge I: Die Hirten Salicio und Nemoroso beklagen die Untreue bzw. den Tod von Elisa.
- Ekloge II: Das erste Werk dieser Art des Dichters.
- Ekloge III: Vier Nymphen weben an den Ufern des Tejo Szenen, die an klassische Mythen (Orpheus, Apollo und Daphne, Venus und Adonis) erinnern.
Die Sonette
Garcilaso war der erste große Meister des Sonetts in der spanischen Literatur. Das Sonett besteht aus zwei Quartetten und zwei Terzetten. Die Themen der Liebe, die Feindschaft und die Härte der Dame werden hier meisterhaft verarbeitet.
Weitere Werke
Zu seinen weiteren Werken zählen die Canción III, die im Exil an der Donau entstand, sowie das Lied V (Ode an die Blume von Knidos), in dem die Lyra-Strophe verwendet wird.