Spanische Poesie: Von den Anfängen bis zur Nachkriegszeit
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Der Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert war geprägt von der Krise des bürgerlichen Bewusstseins. In Spanien führte dies zur sogenannten „Generation des Jahrhunderts“, die ihre Ablehnung der bürgerlichen Welt auf zwei Arten ausdrückte:
1. Modernismo
Diese Strömung kultivierte eine ästhetische Poesie mit Themen und Umgebungen, die eine Flucht aus der bürgerlichen Welt darstellten. Beeinflusst von Rubén Darío, sind in dieser Strömung Dichter wie F. Villaespesa und E. Marquina zu nennen.
2. Generation von '98
Diese Gruppe, die eher durch Lyrik, Erzählungen und Essays geprägt war, beschäftigte sich mit der Regeneration Spaniens und existentiellen Fragen. Sie zeichnete sich durch eine zurückhaltende Ästhetik aus. Zu den bedeutenden Dichtern dieser Generation zählen A. Machado und M. de Unamuno.
Über diesen beiden Strömungen steht die einflussreiche Figur des Juan Ramón Jiménez, dessen Lehre die nächste Generation maßgeblich prägte.
Die Generation von '27
Unter dem Einfluss der europäischen Avantgarde (Ismen) und der spanischen Tradition entstand eine brillante Gruppe von Dichtern. Ihre Ästhetik basierte auf der Suche nach einer Synthese zwischen verschiedenen Dichotomien:
- Tradition und Avantgarde: (Góngora, Balladen, Garcilaso vs. Ismen)
- Gelehrte und populäre Dichtung: (Reine Poesie, Juan Ramón, Hermetik vs. Romanzen, leichte Verse)
- Universalität und spanische Identität: (Avantgarden, Valéry vs. Flamenco-Einflüsse bei Lorca und Alberti)
- Formalismus und Engagement: (Guillén, reine Poesie vs. soziales Engagement bei Alberti)
Der Kern dieser Gruppe bestand aus: Pedro Salinas, Jorge Guillén, Gerardo Diego, Dámaso Alonso, Vicente Aleixandre, Federico García Lorca, Rafael Alberti und Luis Cernuda. Ergänzt wird diese Liste durch Epigonen, darunter die wichtige Figur des Miguel Hernández.
Die Nachkriegszeit und die Generation von '36
Nach dem Trauma des Bürgerkriegs gingen viele Dichter der „Generation von '27“ ins Exil, wo ihre Werke von Trauer, Niederlage und Nostalgie geprägt waren. In Spanien selbst wurde die Poesie der 40er und 50er Jahre von der Generation von '36 (oder „gespaltene Generation“) dominiert, die zwei Richtungen verfolgte:
- Verwurzelte Poesie: Fokus auf traditionelle Metrik und Themen (oft religiös). Vertreter: Rosales, Panero oder Ridruejo.
- Entwurzelte Poesie: Beeinflusst durch Dámaso Alonsos Hijos de la ira (Kinder des Zorns). Die Welt wird als schmerzhaftes Chaos begriffen, ausgedrückt in einem Stil fernab kultivierter Ästhetik, mit Fokus auf existenzielle und soziale Fragen. Vertreter: Blas de Otero und E. Nora.