Das spanische Romance: Definition, Klassifikation und Merkmale

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1. Definition des Romance (14. Jahrhundert)

Der Begriff Romance bezeichnet eine lyrisch-epische Gattung, die sich als Abgrenzung zur lateinischen Sprache entwickelte. Es handelt sich um eine erzählerische Komposition, die ursprünglich zum Gesang bestimmt war.

Metrik und Struktur

  • Aufbau: Besteht aus einer unbestimmten Anzahl von achtsilbigen Versen.
  • Reimschema: Die geraden Verse reimen sich (Assonanz), während die ungeraden Verse reimlos bleiben.
  • Ursprung: Die Metrik erinnert an epische Dichtung, da jeder Vers ursprünglich als Halbzeile gesungen wurde.

Überlieferung und Charakter

Diese Kompositionen sind Teil der traditionellen Volksdichtung und wurden mündlich überliefert, was zu zahlreichen Variationen führte. Sie sind anonym, da sie zum Allgemeingut gehören und jeder Rezitator sie nach eigenem Geschmack anpassen konnte. Der Romance ist ein Hybrid, da er Elemente der Lyrik, der Epik und durch den Dialog auch der Dramatik vereint.

Im 14. und 15. Jahrhundert stieg das Prestige dieser Gattung, sodass auch gelehrte Dichter und Höflinge begannen, diese Lieder in ihre Sammlungen (Cancioneros) aufzunehmen.

2. Klassifikation der Romanzen

Man unterscheidet zwei Hauptgruppen: nach Herkunft und nach thematischem Inhalt.

Abhängig von der Herkunft

  • Alte Romanzen (Romances Viejos): Anonym, mündlich überliefert und im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Sie greifen oft Themen verlorener Epen auf.
  • Neue oder künstlerische Romanzen: Kompositionen bekannter Autoren, die den Stil der alten Romanzen nachahmen.

Thematische Einteilung

  • Epische Romanzen: Sammeln Themen und Charaktere aus dem Epos (z. B. Don Rodrigo, die Kinder von Lara, der Cid oder karolingische Themen wie Roland).
  • Historische Romanzen: Berichten von realen Ereignissen, oft mit Fokus auf die Grenzkämpfe zwischen Mauren und Christen.
  • Romanzen als Novellen: Erzählen Geschichten aus verschiedenen Quellen wie der klassischen Mythologie oder der Folklore, oft mit Abenteuer- und Geheimniselementen.
  • Lyrische Romanzen: Stellen Emotionen in den Vordergrund (Liebe, Tod, Einsamkeit) statt Fakten.

3. Merkmale der Romanzen

  1. Lyrisch-epische Natur: Kombination aus expressiver Sprache (Lyrik) und archaischer Erzählweise (Epik).
  2. Kürze und Intensität: Fokus auf prägnante Handlung und Gefühlsausdruck.
  3. Fragmentarischer Charakter: Oft wird nur eine Szene dargestellt; der Einstieg erfolgt meist ohne Einleitung, das Ende ist abrupt.
  4. Handlung vor Beschreibung: Die Erzählung steht im Vordergrund.
  5. Dialoge: Ein wesentliches Element der Erzähltechnik.
  6. Einfache Syntax: Kurze Sätze mit wenigen Konjunktionen.
  7. Zeitformen: Häufige Verwendung gemischter Zeitformen.

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