Der spanische Schelmenroman: Entwicklung und Wirkung
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Der spanische Schelmenroman und seine Entwicklung
Die folgende Übersicht befasst sich mit den zentralen Werken und der Entwicklung des spanischen Schelmenromans (Pikarischer Roman).
Quevedo und der Lazarillo
Die Buscón von Quevedo greift Themen des Lazarillo de Tormes und des Guzmán de Alfarache auf. Ein wesentliches Element ist die Reihe offener Perspektiven zu Beginn des Lebens. Die Kindheitsumgebung bei Quevedo ist von Blut und Infamie geprägt. Obwohl der Protagonist eine schreckliche Arbeit ablehnt, kann er seinem berüchtigten Leben nicht entkommen. Quevedo verfolgt keine direkte Gesellschaftskritik, sondern persifliert – wie in seinen Träumen – die degradierte Welt mit großer sprachlicher Virtuosität, Wortspielen und Witzen.
Guzmán de Alfarache (1599–1604)
Das Werk von Mateo Alemán wurde ähnlich wie Cervantes' Don Quijote in zwei Teilen veröffentlicht. Es erzählt das Leben eines Mannes aus bescheidenen Verhältnissen, der nach einem besseren Leben strebt. Aus einer autobiografischen Perspektive erscheint der Protagonist als Modell des Selbst, das mit dem Leser kontrastiert. Der Leser verfolgt den Aufstieg aus einfachen Anfängen in eine soziale Schicht, die den Protagonisten jedoch als „malvista“ (schlecht angesehen) betrachtet.
Der Charakter trägt den Keim des Bösen in sich und sucht auf seinem Lebensweg verschiedene Meister, kann jedoch seinem Schicksal – der Verurteilung zu den Galeeren – nicht entkommen. Die Struktur ähnelt dem Don Quijote, da die Episoden durch Moralpredigten durchsetzt sind. Diese Predigten mindern zwar den Charakter als reinen Schelmenroman, betonen jedoch die Würde der Figur.
Weitere Werke des Genres
- La Pícara Justina (1605): Von Francisco López de Úbeda geschrieben, zeigt es ein Subgenre des Schelmenromans mit weiblicher Hauptfigur, leidet jedoch unter einem Mangel an erzählerischer Einheit.
- Estebanillo González: Hier ist das Interesse doppelt, da der Charakter vermutlich real ist. Es handelt sich um die Autobiografie eines Mannes, der sich selbst als Gauner in der Umgebung des Dreißigjährigen Krieges porträtiert.
Europäische Rezeption und Anpassung
Bis 1750 wurde der spanische Schelmenroman in zahlreiche Sprachen übersetzt und adaptiert:
- Frankreich: Die Adaptionen erhielten einen sentimentaleren Ton.
- England: Daniel Defoe etablierte den bürgerlichen Schelmenroman des 18. Jahrhunderts. Britische Autoren betonten oft das Spielerische, Exzentrische und Schockierende.
- Deutschland: Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen schuf mit Der abenteuerliche Simplicissimus (1668) ein Werk, in dem der Protagonist versucht, moralische Würde zu erlangen und trotz der Wirren des Dreißigjährigen Krieges als Mensch zu wachsen.