Spanischer Realismus: Leopoldo Alas Clarín und Galdós
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Leopoldo Alas (Clarín)
Leopoldo Alas (Clarín) wurde 1845 in Zamora geboren, lebte jedoch bis zu seinem Tod 1901 in Oviedo und fühlte sich tief mit Asturien verbunden. Clarín und Emilia Pardo Bazán gelten als die Hauptvertreter des spanischen Naturalismus, erreichten jedoch nie die Übertreibungen ihrer französischen Vorbilder.
Merkmale seines Werks
- Inspiration durch die Realität: Seine Werke spiegeln das gesellschaftliche Umfeld wider.
- Psychologische Tiefe: Die Charaktere werden detailliert aus psychologischer Sicht dargestellt.
- Sprachliche Anpassung: Die Sprache der Figuren ist an ihr jeweiliges Umfeld angepasst.
- Gesellschaftskritik: Die Absicht hinter seinen Werken ist die Verurteilung von Bosheit und gesellschaftlicher Heuchelei.
Claríns Werk umfasst zwei große Romane (La Regenta und Su único hijo), Kurzgeschichten (Doña Berta) und Erzählungen (¡Adiós, Cordera!). Zudem verfasste er zahlreiche Zeitungsartikel und Literaturkritiken, die ihn als strengen, aber fairen Kritiker berühmt machten.
La Regenta
Der Roman erschien Mitte der 1880er Jahre, erlangte jedoch erst nach dem Tod des Autors weltweite Bekanntheit. Er gilt als eines der Meisterwerke des realistischen Romans.
Struktur
- Kapitel 1–15: Einführung der Charaktere und Umgebungen; die Handlung entwickelt sich langsam über drei Tage.
- Kapitel 16–30: Zeitliche Sprünge; die Handlung beschleunigt sich und es kommt zu entscheidenden Ereignissen.
Charaktere
- Ana Ozores: Die Protagonistin. Sie ist frustriert durch ihre Kinderlosigkeit und sucht Liebe und Romantik, die ihr Ehemann ihr nicht bieten kann. Sie verachtet die Enge der Stadt Vetusta.
- Don Fermín: Ein intelligenter, ehrgeiziger Mann, der ein brillanter Redner werden will. Er hegt Gefühle für Ana.
- Víctor Quintanar: Anas Ehemann, deutlich älter als sie, vertieft in seine Hobbys.
- Álvaro Mesía: Ein mittelmäßiger Don Juan, der sich in der Politik bewegt.
Handlung
Ana hatte eine unglückliche Kindheit und heiratete einen deutlich älteren Mann ohne Liebe. Sie wird von Álvaro und Fermín umworben. Nach einer Affäre mit Álvaro fordert ihr Ehemann diesen zum Duell heraus, verliert und stirbt. Als die Stadt von der Affäre erfährt, wird Ana gesellschaftlich isoliert.
Benito Pérez Galdós
Benito Pérez Galdós wurde 1843 in Las Palmas de Gran Canaria geboren. Er zog zum Jurastudium nach Madrid, wo er bis zu seinem Tod 1920 blieb. Madrid wurde zur Kulisse für viele seiner bedeutendsten Werke. Sein Schaffen erstreckt sich vom letzten Drittel des 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert.
Merkmale seines Werks
- Darstellung aller sozialen Klassen.
- Übertragung alltäglicher Lebensprobleme auf die Charaktere.
- Progressive Ideologie gegen den Despotismus.
- Sprache reich an Nuancen und volkstümlichen Ausdrücken.
- Einsatz eines allwissenden Erzählers.
Die Episodios Nacionales
Dies sind 46 Bücher, in denen Galdós die Geschichte Spaniens von 1805 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts verarbeitet. Er verbindet historische Fakten mit dem Alltag der Charaktere und schafft so eine plausible Vision der Epoche. Bekannte Werke sind Trafalgar, Zaragoza und Bailén.
Phasen seines Schaffens
- Erste Periode: Religiöse Intoleranz trifft auf liberale Ideen (z. B. Doña Perfecta).
- Zeitgenössische spanische Romane: Fokus auf das Leben in Madrid, z. B. Fortunata y Jacinta. Die Gesellschaft wird durch die detaillierte Darstellung aller sozialen Schichten analysiert.
- Spirituelle Romane: Spätphase, in der Werte wie Güte und soziale Gerechtigkeit im Vordergrund stehen. Erlösung wird in Brüderlichkeit und Liebe gefunden (z. B. Misericordia und Nazarin).