Spanisches Barocktheater und die Lyrik des Goldenen Zeitalters
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Das spanische Theater im 17. Jahrhundert
Die Corrales de Comedias (Hof-Theater) erreichten im siebzehnten Jahrhundert in Spanien mit Autoren wie Lope de Vega, Calderón de la Barca und anderen großen Erfolg. Die Stücke waren echte gesellschaftliche Ereignisse, denn das Theater war die beliebteste Show der Zeit.
Die Struktur der Corrales
Wie wir sahen, waren die Corrales offene Innenhöfe, die von Häusern umgeben waren. An einem Ende des Hofes befand sich die Bühne, meist ohne aufwendiges Bühnenbild und oft ohne Vorhang. Im selben Hof versammelte sich das breite Publikum. Direkt vor der Bühne gab es einige Bänke, die gegen einen Aufpreis genutzt werden konnten. Dahinter standen die Männer des Dorfes oder die Mosqueteros (Musketiere), die oft skandalös ihre Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit der Leistung zeigten.
Frauen und Männer wurden getrennt. Der für Frauen reservierte Ort war ein erhöhter Bereich am anderen Ende der Bühne, den man scherzhaft Cazuela (den „Topf“) nannte. Später wurden obere Galerien für Frauen gebaut. Der Adel und die Beamten saßen auf den Balkonen und an den Fenstern mit Blick auf den Innenhof – den sogenannten Aposentos (Zimmern), die saisonal vermietet wurden.
Inszenierung und Ablauf der Vorstellungen
Anfangs gab es fast keine Kulissen, was dem Autor größere Freiheit erlaubte, sein Werk an verschiedenen Orten spielen zu lassen. Gleichzeitig erforderte dies jedoch, dass der Text ständig Anspielungen auf die Umgebung enthielt, um das fehlende Dekor auszugleichen (z. B. „Wir sind im Garten“ oder „Es ist Nacht“). Später wurden die Corrales mit landschaftlichen Ressourcen ausgestattet, die ursprünglich nur im Hoftheater genutzt wurden.
Die Darstellungen nutzten das Tageslicht am frühen Nachmittag und dauerten mehrere Stunden. Die Show war so konzipiert, dass das Publikum nicht ungeduldig wurde oder vorzeitig ging. Sie war wie folgt strukturiert:
- Loa: Eine feierliche Einleitung in Versen.
- Erster Akt der Komödie.
- Entremés (Zwischenspiel): Ein kurzes, meist humorvolles Stück nach dem ersten Akt.
- Zweiter Akt, gefolgt von Liedern oder einem Tanz.
- Dritter Akt, der mit einer Farce oder einem neuen Tanz endete.
Seit dem frühen siebzehnten Jahrhundert übertraf der Erfolg der Stücke das rein populäre Interesse. Philipp III. beschloss sogar, einen der Schlosshöfe in einen Theaterhof umzuwandeln, damit der Adel diese Aufführungen wie das Volk genießen konnte. Alle in den Corrales aufgeführten Stücke waren unter dem Namen Comedia bekannt. Dabei handelte es sich um Dramen, die tragische und komische Elemente mischten. So nahm das Wort Comedy zu dieser Zeit eine umfassendere Bedeutung an als das Original.
Barocke Lyrik: Kontraste und Strömungen
Wie alle barocke Kunst präsentiert auch die Poesie scharfe Kontraste in Bezug auf Themen (ernst oder trivial), Töne (reflexiv oder burlesk) und Stile (volkstümlich oder religiös). In der Metrik erreichten das Sonett und die Romanze große Vollkommenheit. Zudem wurden die Décima und die Silva (eine freie Kombination aus sieben- und elf-silbigen Versen) für jedes Thema verwendet.
Conceptismo und Culteranismo
Es lassen sich zwei Haupttendenzen unterscheiden:
Conceptismo (Konzeptualismus)
Der Conceptismo spiegelt den barocken Stil im Intellekt wider. Er spielt mit Ideen oder Konzepten durch Paradoxien und Polysemie. Die Sprache ist meist kurz, elliptisch und nutzt abfällige Metaphern. Francisco de Quevedo und Baltasar Gracián sind die Hauptvertreter dieser Strömung.
Culteranismo (Kulteranismus)
Der Culteranismo (oft abschätzig mit dem Namen Góngora verbunden) wurde für seinen dunklen und schweren Stil kritisiert. Diese Poesie folgt dem Trend von Fernando de Herrera, der eine neue poetische Sprache schaffen wollte, die sich von der Alltagssprache unterscheidet. Die formale Brillanz wird durch reichliche hyperbolische Metaphern und schwer zu interpretierende Bilder erreicht, oft ergänzt durch zahlreiche mythologische Anspielungen.
Es gibt keinen grundsätzlichen Widerspruch zwischen Culteranismo und Conceptismo, da beide einen komplizierten Ausdruck anstreben, der den Leser zur Interpretation zwingt.
Luis de Góngora (1561–1627)
Góngora schuf eine culteranische Poesie: elitär, kultiviert, brillant und schwierig. Er erfand eine metaphorische Sprache, die von der Gemeinsprache abweicht und eine transformierte, verschönerte Welt präsentiert. Er schrieb jedoch auch spöttische Gedichte und nutzte traditionelle Formen wie Romanzen und Letrillas. Im Gegensatz dazu steht Lope de Vega für eine eher einfache Poesie.