Spanisches Theater in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
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Theater in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Im frühen 20. Jahrhundert spaltete sich das spanische Theater in zwei Strömungen: ein kommerzielles Unterhaltungstheater und ein Theater mit künstlerischem Erneuerungsanspruch.
1. Das kommerzielle Unterhaltungstheater
In dieser Gruppe finden sich verschiedene Gattungen:
- Das komische Drama: Basiert auf populären Typen und Milieus, oft als Sketche inszeniert. In Andalusien dominierte ein heiterer Ton, während in Madrid das Género Chico mit castizo-Sprache, Humor und Wortspielen florierte. Carlos Arniches entwickelte daraus die „groteske Tragödie“, die Farcen mit tragischen Elementen verbindet (z. B. La señorita de Trevélez).
- Slapstick-Komödie: Ein Theater der „breiten Pinsel“, das auf absurden Situationen des Absurden und Missverständnissen basiert. Ein berühmtes Beispiel ist La venganza de Don Mendo von Pedro Muñoz Seca.
- Neo-romantisches Versdrama: Schildert heroische Vergangenheiten als Fest traditioneller Werte, etwa bei Valle-Inclán (El marqués de Bradomín) oder Lorca (Mariana Pineda).
- Die „Comedy-Show“: Jacinto Benavente führte das Erbe der „High-Komödie“ des 19. Jahrhunderts fort. Seine Stücke zeichnen sich durch flüssige Dialoge und Gesellschaftskritik aus, wie in Los intereses creados, einer Farce im Stil der Commedia dell'arte.
2. Das Theater der Erneuerung: Valle-Inclán und Lorca
Während Unamunos Theater wenig Anklang fand, gelang es Valle-Inclán und Lorca, künstlerischen Anspruch mit Publikumserfolg zu verbinden.
Valle-Inclán und der Esperpento
Valle-Inclán durchlief drei wesentliche Schaffensphasen:
- Modernistische Phase: Poetische Sprache und ästhetische Sorgfalt.
- Primitivismus: Ländliche, abergläubische Milieus in Galizien, geprägt von Gewalt und Urinstinkten (z. B. Comedias bárbaras).
- Der Esperpento: Beginnend mit Martes de Carnaval, verformt er die Realität wie in einem „konkaven Spiegel“. Merkmale sind:
- Degradierte, marionettenhafte Charaktere.
- Sarkastische Darstellung moderner Konflikte.
- Rasche Szenenfolgen und eine Vielfalt an sprachlichen Registern (Slang, Parodie, Kultismen).
Das Theater nach dem Bürgerkrieg
Der Krieg markierte einen tiefen Einschnitt. Während Autoren wie Alejandro Casona ins Exil gingen (La dama del alba), setzten Benavente und Arniches ihr Schaffen fort. In der Nachkriegszeit prägte Enrique Jardiel Poncela das Theater durch brillante Wortspiele und absurde Situationen (z. B. Eloísa está debajo de un almendro), was den Weg für das Theater des Absurden ebnete. Miguel Mihura schrieb bereits Tres sombreros de copa, das jedoch erst 1952 uraufgeführt wurde.