Spracherwerb und mündliche Kommunikation in der Grundschule

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1. Einführung

Die Entstehung von Sprache ist die bedeutsamste Tatsache im Leben des Menschen, da sie die Grundlage für Rationalität bildet. Autoren wie Vygotsky, Piaget, Chomsky und Bruner haben ihr Leben dem Studium dieses Phänomens gewidmet, das zu intelligentem und sozialem Verhalten führt.

Kommunikation ist ein Prozess des Sendens und Empfangens von Nachrichten über eine Vielzahl von Codes. Es ist notwendig, dass der Sender ausdrücken kann, was er fühlt, denkt und will, und der Empfänger in der Lage ist, dies zu verstehen und darauf zu reagieren. Die authentischste Form ist die mündliche Sprache, die Kommunikation mit anderen und mit uns selbst ermöglicht und auf einer ausreichenden Entwicklung neurologischer und psychologischer Funktionen basiert. Bei unserer pädagogischen Intervention berücksichtigen wir sowohl die Reifung neuronaler Strukturen und der Sprechorgane als auch das soziale und kulturelle Umfeld des Kindes.

Sprache ist das wohl komplexeste Regelsystem, das ein Mensch erlernen kann. Dennoch bewältigen alle Kinder diese Aufgabe in überraschend kurzer Zeit. Schüler, die in die Grundschule kommen, haben bereits sprechen gelernt, verfügen jedoch noch über einen begrenzten Wortschatz. Ihre verbalen Fähigkeiten entwickeln sich während der ersten Stufe weiter.

2. Bestimmungsfaktoren

Die mündliche Sprachentwicklung unterliegt der Kontroverse zwischen Vererbung und Umwelt. Die genetische Ausstattung und Reifung sind für den Erwerb verantwortlich, während die Umwelt für die Anwendung und den Ausbau sorgt.

2.1. Vererbung und Reifung

Die notwendige Grundausstattung für den Erwerb der gesprochenen Sprache umfasst die sensorischen Bahnen, das Nervensystem und die Atem- sowie Sprechorgane (fonoartikulatorisches System), die ebenfalls reifen müssen.

  • Das Nervensystem: Sprachliche Akquisitionen benötigen eine materielle Unterstützung für Empfang, Dekodierung, Bearbeitung und Produktion. Hierbei spielt das zentrale Nervensystem, vor allem die linke Gehirnhälfte, eine entscheidende Rolle.
  • Das fonoartikulatorische System: Dies umfasst alle Organe, die an der Produktion von Sprachlauten beteiligt sind. Nur Menschen sind in der Lage, diese in Verbindung mit den Atemwegen zur Lautbildung zu nutzen.
  • Die sensorischen Bahnen: Hörbahn, visuelle und propriozeptive Bahnen (Haut, Muskeln, Zunge, Gelenke).

2.2. Die Umwelt und das Lernen

Es besteht eine enge Beziehung zwischen der Sprachentwicklung und der Umgebung, in der das Kind aufwächst. Die Umwelt liefert den Wortschatz, die morphosyntaktischen Grundlagen und das Niveau des Ausdrucks. Bernstein (1958) zeigte bereits das Verhältnis zwischen sozioökonomischem Status und der kulturellen sowie sprachlichen Entwicklung auf. Die Schule spielt eine grundlegende Rolle beim Ausgleich von Ungleichheiten aus benachteiligten Umgebungen.

3. Erwerb und Entwicklung der mündlichen Sprache

Studien zur Sprachentwicklung lassen sich in drei Paradigmen unterteilen: nativistisch, empiristisch (umweltorientiert) und interaktionistisch.

3.1. Nativistisches Modell

Dieses Modell betrachtet interne Mechanismen und Prozesse als Hauptfaktoren. Chomsky und Piaget verstehen Sprache als ein System zur Darstellung der Wirklichkeit, dessen Erwerb von angeborenen Fähigkeiten abhängt.

  • Syntaktisches Modell (Noam Chomsky): Sprache ist eine einzigartige menschliche Fähigkeit. Alle Menschen besitzen eine interne Grammatik, die es ermöglicht, Sätze zu produzieren und zu verstehen, die sie noch nie zuvor gehört haben.
  • Kognitives Modell (Piaget): Für Piaget ist die Sprache eine Folge der symbolischen Funktion, die während der sensomotorischen Periode aufgebaut wird.

3.2. Empiristisches oder umweltorientiertes Modell

Dieses Modell umfasst verschiedene verhaltenspsychologische Ansätze (Konditionierung, Nachahmung). Hier wird Sprache als soziales System gesehen, dessen Regeln in spezifischen Kontexten angewendet werden müssen – ein Konzept, das Hymes (1972) als kommunikative Kompetenz bezeichnete.

4. Evolution der Sprache in der Primarstufe

Die Fortschritte in der mündlichen Sprachentwicklung sind in den ersten Lebensjahren atemberaubend. In der Primarstufe erreicht das Kind die Ebene der konkreten Operationen, was die Beherrschung komplexerer grammatikalischer Strukturen erfordert.

  • Wortschatzerweiterung: Der Wortschatz wird um soziale Begriffe erweitert und präziser verwendet.
  • Morphologie: Korrekter Einsatz von Geschlecht, Numerus, Präfixen und Suffixen.
  • Syntax: Handhabung komplexer Satzstrukturen und Nuancen von Zeitformen.
  • Soziolinguistische Kompetenz: Anpassung der Sprache an den Kontext (formell/informell).

5. Nonverbale Kommunikation

Wallon betonte, dass das Kind durch seine Körperhaltung spricht, bevor es verbale Sprache nutzt. Nonverbale Kommunikation umfasst alle Ereignisse, die über das gesprochene Wort hinausgehen (Mimik, Gestik, Distanz, Blickkontakt, Paralinguistik).

6. Pädagogische Intervention

Die mündliche Ausdrucksfähigkeit spielt eine zentrale Rolle in der pädagogischen Arbeit. Ziel ist es, die kommunikative Kompetenz der Schüler zu fördern.

6.1. Strategien und Ressourcen

  • Prinzipien: Förderung der Interaktion, Schaffung eines vertrauensvollen Klimas, Nutzung spontaner Sprechanlässe und individuelle Förderung.
  • Ressourcen: Einsatz von Gedichten, Geschichten, Rätseln und strukturierten Dialogen.

6.2. Intervention bei Sprachstörungen

Bei Schülern mit Kommunikationsproblemen, soziokulturellen Defiziten oder motorischen/sensorischen Einschränkungen muss der Lehrer aktiv motivieren, den Wortschatz bereichern oder gegebenenfalls alternative Kommunikationssysteme in Betracht ziehen.

7. Fazit

Die mündliche Sprache ist das wichtigste Instrument für die Realisierung menschlicher Kommunikation. Die Förderung der Sprachentwicklung muss Priorität haben, um als Brücke zwischen den verschiedenen Unterrichtsfächern zu dienen und die soziale Integration der Kinder in der Primarstufe zu unterstützen.

8. Referenzen

  • Chomsky, N. (1989): Die Natur der Sprache.
  • Hymes, D. (1971): Kompetenz und Leistungsfähigkeit.
  • Luque, A. & Vila, I. (1991): Sprachentwicklung.
  • Piaget, J. (1975): Psychologie des Kindes.
  • Vygotsky, L.S. (1995): Denken und Sprache.

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