Stadtgeographie und urbane Morphologie in Spanien
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Stadtgeographie und urbane Morphologie in Spanien
Die Stadtgeographie ist das Studium des Stadtraums, der Stadt in ihrem geografischen Kontext, ihres Hintergrunds sowie der Gebäudetypen, Nutzungen, Funktionen und der Organisation und Verwaltung städtischer Ballungsräume im Raum und deren Probleme.
Die meisten Länder definieren die Kernstadt über eine bestimmte Anzahl von Einwohnern, was jedoch von Land zu Land variiert. In Spanien wird eine Siedlung ab über 10.000 Einwohnern als Stadt angesehen. Dieses Kriterium ist jedoch unvollständig und kann zu Fehlern führen, da einige Siedlungskerne mit 10.000 Einwohnern aufgrund ihres Aussehens und ihrer Aktivitäten eher ländlich geprägt erscheinen.
Definition nach Horacio Capel
Horacio Capel definierte drei Prinzipien, um eine Stadt zu bestimmen:
- Die Größe der Stadt.
- Die Aktivitäten, denen die Bewohner nachgehen.
- Die Bevölkerungsdichte in einem Raum.
Eine Stadt weist formale Aspekte wie eine hohe Dichte an Gebäuden und Bevölkerung sowie eine unverwechselbare Art der Bebauung auf. Sie zeichnet sich durch industrielle Dienstleistungen und Funktionen sowie durch Anonymität, spezifische Lebensstile und kulturelle Muster (z. B. weniger traditionelle Familienstrukturen) aus.
Das räumliche Kriterium betrachtet die Kernstadt in der Lage, den sie umgebenden Raum zu organisieren sowie andere Städte zu beeinflussen und mit ihnen zu interagieren. Das Ausmaß dieses Einflusses hängt von der Größe der Stadt und der Vielzahl der ausgeübten Funktionen ab.
Die urbane Morphologie
Die urbane Morphologie beschreibt das Erscheinungsbild einer Stadt. Sie besteht aus folgenden Elementen:
A) Die Situation: Die relative Position der Stadt in Bezug auf ihre geografische Umgebung.
B) Die Lage: Bezieht sich auf die Topographie und den äußeren Rahmen der Stadt. Der Standort kann sich im Laufe der Zeit in seiner Rolle verändern. Historische Standorte sind oft:
- Hügelige Lagen: Zu Verteidigungszwecken (defensiv).
- Flussnähe: Aufgrund des Wasserbedarfs oder als natürlicher Schutz (wie in den meisten Hauptstädten).
- Knotenpunkte: Zur Erleichterung von Kommunikation und Handel.
Stadtplantypen und ihre Merkmale
C) Der Plan: Die Verteilung der bebauten und freien Plätze innerhalb der Stadt. Es gibt drei Haupttypen:
Orthogonaler Stadtplan (Hippodamisches System)
Auch als Rasterplan bekannt. Die Straßen schneiden sich im rechten Winkel.
- Vorteile: Leicht zu erweitern, fördert eine regelmäßige Stadtstruktur und ermöglicht den Bau gleichmäßiger Häuserblocks (Manzanas).
- Nachteile: Nicht für jede Topographie geeignet; die rechtwinkligen Kreuzungen können den Verkehrsfluss und die Sicht behindern, was oft durch diagonale Straßen gelöst wird.
- Beispiele: Römische Städte wie Barcelona und Saragossa sowie moderne Stadterweiterungen.
Radiokonzentrischer Stadtplan
Dieser Plan weist einen zentralen Punkt auf, von dem radiale Straßen ausgehen, die von konzentrischen Ringstraßen geschnitten werden. Er ist gut an die Topographie angepasst, oft aus defensiven Gründen entstanden und ermöglicht einen schnellen Zugang zum Zentrum über die Radialachsen. Ein Beispiel hierfür ist Vitoria.
Unregelmäßiger Stadtplan
Dieser Typ hat keine feste Form und besteht aus einem komplexen Netzwerk enger, kurzer und unregelmäßiger Gassen sowie Sackgassen. Er reagiert auf die Topographie des Geländes und einen Mangel an Stadtplanung. Dies ist typisch für die meisten historischen Altstädte. Die Hauptschwierigkeit liegt in der Kommunikation mit dem Zentrum und dem eingeschränkten Fahrzeugverkehr. Heute konzentrieren sich hier oft Handel und Tourismus.
Gebäudetypen und architektonische Formen
D) Gebäudetypen:
- Alte Häuser: Vor den Umgestaltungen des 19. Jahrhunderts; geschlossene Bautypen, die ohne ästhetische Gesamtplanung gruppiert wurden.
- Häuserblocks (Manzanas): Typisch für die bürgerlichen Erweiterungsviertel des 19. Jahrhunderts. Sie sind orthogonal angelegt und um Innenhöfe organisiert. Früher gab es soziale Unterschiede: Die Oberschicht lebte in den unteren Etagen, während Studenten oder einkommensschwächere Schichten in den Dachböden wohnten.
- Blockhäuser (Wolkenkratzer): Gebäude mit sehr großer Höhe. Ursprünglich in Chicago und New York Ende des 19. Jahrhunderts für administrative und kommerzielle Zwecke genutzt, wurden sie später zur Lösung von Platzproblemen im modernen Wohnungsbau eingesetzt.
- Einfamilienhäuser (Gartenstadt): Basierend auf dem englischen Garden-City-Konzept. Diese Häuser sind für die Oberklasse bestimmt, befinden sich in Vorstadtgebieten und sind von Grünflächen umgeben.
- Elendsviertel (Slums): Am Stadtrand oder in den Vororten fast jeder Stadt zu finden. Diese Behausungen wurden oft ohne sanitäre Einrichtungen und aus Abfällen errichtet.