Stahl: Eigenschaften, Legierungen und Herstellung
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Was ist Stahl?
Reines Eisen besitzt nicht die für viele Anwendungen erforderliche Festigkeit und Zähigkeit. Erst durch die Kombination mit geringen Mengen Kohlenstoff entsteht der bekannte Werkstoff Stahl. Dessen Eigenschaften hängen maßgeblich vom Kohlenstoffgehalt sowie von Legierungselementen wie Mangan, Chrom, Silizium und Aluminium ab.
Chemische Zusammensetzung
Stahl besteht primär aus Eisen und Kohlenstoff. Begleitelemente wie Schwefel und Phosphor sind aufgrund ihrer Bindung an Stahl schwer zu entfernen, werden jedoch auf harmlose Anteile (<0,05 %) reduziert. Andere Elemente wie Silizium und Mangan (0,2 bis 0,9 %) verhindern die Oxidation des geschmolzenen Metalls. Der Rest (97,5 bis 99,5 %) besteht aus Eisen.
Klassifizierung nach Kohlenstoffgehalt
| Kohlenstoff (%) | Bezeichnung | Widerstand (kg/mm²) |
|---|---|---|
| 0,1–0,2 | Supersoft-Stähle | 38–48 |
| 0,2–0,3 | Baustahl | 48–55 |
| 0,3–0,4 | Baustähle | 55–62 |
| 0,4–0,5 | Kohlenstoffstahl | 62–70 |
| 0,5–0,6 | Harte Stähle | 70–75 |
| 0,6–0,7 | Superfeste Stähle | 75–80 |
Legierungs- und Spezialstähle
Zusätzlich zu Kohlenstoff werden Elemente wie Chrom, Nickel, Molybdän, Wolfram oder Vanadium hinzugefügt, um die Eigenschaften gezielt zu verändern:
- Schwefel: Als Verunreinigung schädlich, kann aber durch Mangan neutralisiert werden. In speziellen Anteilen verbessert er die Zerspanbarkeit (Automatenstähle).
- Kobalt: Erhöht die Warmhärte und magnetische Eigenschaften.
- Chrom: Bildet harte Karbide und ist essenziell für Edelstahl und feuerfeste Materialien.
- Mangan: Dient der Desoxidation und Entschwefelung.
- Molybdän: Wirksamstes Element zur Härtung und Vermeidung von Sprödigkeit.
- Nickel: Erhöht Widerstandsfähigkeit, Härtbarkeit und Korrosionsbeständigkeit.
- Blei: Verbessert die Spanabfuhr und wirkt als Schmiermittel.
- Silizium: Wirkt als Flussmittel und erhöht die Elastizität.
- Wolfram: Bildet stabile Karbide für hochtemperaturfeste Werkzeugstähle.
- Vanadium: Bildet komplexe Karbide und erhöht die Ermüdungsfestigkeit.
Klassifikation von Stahlsorten
Man unterscheidet fünf Hauptkategorien:
- Kohlenstoffstähle: Über 90 % aller Stähle; vielseitig einsetzbar (Bauwesen, Automobil).
- Legierte Stähle: Enthalten zusätzliche Elemente für spezifische mechanische Anforderungen.
- Niedrig legierte Stähle: Kostengünstige Alternative mit hoher Festigkeit.
- Edelstähle: Korrosionsbeständig durch Chrom und Nickel; Einsatz in Architektur, Chemie und Medizin.
- Werkzeugstähle: Hochfest und verschleißbeständig für die Fertigung.
Grundlagen der Stahlherstellung
Der Prozess umfasst die Beseitigung von Verunreinigungen aus dem Roheisen und die präzise Einstellung der Legierungselemente bei Temperaturen über 1000 °C.
Basic-Sauerstoff-Verfahren
Hierbei wird reiner Sauerstoff unter hohem Druck in das geschmolzene Metall geblasen, um Kohlenstoff und Verunreinigungen schnell zu verbrennen.
Elektroofen-Prozess
Der Rohstoff ist hierbei hochwertiger Schrott. Der Elektro-Lichtbogenofen nutzt Graphitelektroden, um den Schrott zu schmelzen. Der Prozess gliedert sich in:
- Schmelzphase: Vollständiges Verflüssigen des Materials.
- Raffinierphase: Analyse und Korrektur der chemischen Zusammensetzung in zwei Stufen (Ofen und Pfannenofen).
Strangguss
Der flüssige Stahl wird in eine wassergekühlte Form gegossen, um Halbzeuge wie Knüppel zu erzeugen, die anschließend auf die gewünschte Länge zugeschnitten werden.