Standardkosten und Abweichungsanalyse im Controlling

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1. Definition von Standardkosten

Standardkosten sind erwartete Kosten unter bestimmten Annahmen über das interne und externe Verhalten. Sie stellen eine Schätzung von kontrollierbaren sowie unkontrollierbaren Parametern dar und dienen der Erreichung von Managementzielen.

2. Vorteile von Standardkosten gegenüber Istkosten

Systeme auf Basis von Standardkosten bieten folgende Vorteile:

  • Sie dienen als verlässliches Nachschlagewerk für das Management.
  • Abweichungen ermöglichen eine Steuerung nach dem Prinzip des Management by Exception (Kontrolle durch Ausnahme).
  • Sie erleichtern die A-priori-Bewertung von Beständen und Vorräten.
  • Sie bieten eine wesentliche Unterstützung bei der Preisfindung und der Formulierung der Unternehmenspolitik.
  • Sie erfordern eine präzise Definition der Zuständigkeiten für Anlagen und Aktivitäten.

3. Arten von Standards

  • Historischer Standard: Ermittelt aus den realen Daten des Unternehmens in den Vorjahren.
  • Korrigierter historischer Standard: Datenbasis der Vorjahre, jedoch um Sondereffekte bereinigt.
  • Technischer Standard (basierend auf technischen Daten):
    • Idealer Standard (Gold-Standard): Basierend auf optimalen Betriebsbedingungen.
    • Erreichbarer Standard: Realisierbar unter normalen, angemessenen Bedingungen des Managements.

4. Vor- und Nachteile historischer Standards

  • Vorteil: Der konkrete Nutzen ist im Vorfeld oft schwer exakt zu beziffern, aber die Daten sind leicht verfügbar.
  • Nachteil: Sie berücksichtigen keine zukünftigen Veränderungen der internen und externen Rahmenbedingungen.

5. Vor- und Nachteile idealer Standards

  • Vorteil: Sie dienen als starker Ansporn zur Steigerung der Effizienz.
  • Nachteil (Kontra): Sie können demotivierend wirken, da sie in der Praxis kaum zu realisieren sind.
  • Einschränkung: Sie sind primär für die operative Kostenkontrolle nützlich, weniger für die allgemeine, realistische Verwaltung.
  • Nutzen: Dennoch sind sie wertvoll für die strategische Planung und ermöglichen eine Steuerung nach dem Ausnahmeprinzip (wobei fast alle Abweichungen ungünstig ausfallen).

6. Der beste Weg zur Festlegung von Standardkosten

Der optimalste Weg zur Festlegung von Standardkosten ist die Implementierung eines erreichbaren technischen Standardkostensystems. Dies stellt sicher, dass die gesetzten Standards sowohl realistisch als auch motivierend sind.

7. Standardkosten und Budgetmanagement

Es besteht eine direkte Verbindung: Standardkosten basieren auf fundierten Prognosen, für deren Erstellung und laufende Verwaltung das Budgetmanagement verantwortlich ist.

8. Phasen der Einführung von Standardkosten

  1. Schätzung und Festlegung der Standards zu Beginn der Periode.
  2. Berechnung der tatsächlichen Ist-Kosten (unter Anwendung derselben Methodik).
  3. Berechnung und detaillierte Analyse der Abweichungen.
  4. Präsentation und Berichterstattung der Ergebnisse.
  5. Entscheidungsfindung und Verrechnung bzw. Bereinigung der Abweichungen.

9. Arten von Standardkostensystemen

  • Konventionelle Systeme oder Modelle:
    • Vollkostenrechnung (Absorptionskostenrechnung): Anwendbar für unfertige Erzeugnisse (in Bearbeitung) sowie für spezifische Kundenaufträge.
    • Teilkostenrechnung (Direct Costing): Ebenfalls anwendbar für unfertige Erzeugnisse und Kundenaufträge.
  • Moderne Systeme:
    • Prozesskostenrechnung (Activity-Based Costing - ABC).

10. Organisatorische Voraussetzungen

Die Einführung eines Standardkostensystems stellt spezifische Anforderungen an die Organisationsstruktur des Unternehmens:

  • Unternehmensorganisation: Es muss eine klare Struktur mit eindeutig zugewiesenen Verantwortlichkeiten existieren.
  • Operative Planung und Kostenplanung basierend auf:
    • Prognosen zum Beschäftigungsvolumen (Aktivitätsgrad).
    • Definierten Arbeitsmethoden.
  • Ressourcenplanung: Vorausplanung der benötigten materiellen und finanziellen Mengen zur Erreichung des geplanten Aktivitätsniveaus.

11. Das Konzept des wirtschaftlichen Filters

Ein wirtschaftlicher Filter ist ein Kontrollinstrument, das Abweichungen der Ist-Situation von den geplanten Vorgaben systematisch erfasst und es dem Management ermöglicht, korrigierend einzugreifen.

12. Abweichungen bei den Einzelkosten

  • Abweichungen bei den direkten Materialkosten (z. B. Mehrverbrauch an Rohstoffen).
  • Abweichungen bei den direkten Arbeitskosten (z. B. Ineffizienzen bei der Ausführung).

13. Abweichungen bei den Gemeinkosten

  • Technische Abweichungen bei den indirekten Kosten (z. B. Verbrauchs- oder Beschäftigungsabweichungen).
  • Wirtschaftliche Abweichungen bei den indirekten Kosten (z. B. Preisabweichungen im Gemeinkostenbereich).

14. Absolute vs. relative Abweichungen

  • Absolute Abweichung (D_abs): Zeigt die Abweichung direkt in den gemessenen Einheiten an. Zur korrekten Interpretation sind detaillierte Unternehmensdaten erforderlich. Berechnung:
    D_abs = Sollwert - Istwert
  • Relative Abweichung (D_rel): Drückt die Abweichung als Prozentsatz des Sollwerts aus. Sie erlaubt eine schnelle Beurteilung auch ohne Kenntnis aller absoluten Daten. Berechnung:
    D_rel = (D_abs / Sollwert) * 100

15. Bedeutung der gemeinsamen Abweichungsanalyse

Die gemeinsame Betrachtung ist sinnvoll, da sie die Synergieeffekte aufzeigt, die durch das Zusammenspiel von technischen (Mengen-) und wirtschaftlichen (Preis-) Differenzen entstehen. Wenn Abweichungen umgekehrt proportional verlaufen, dürfen sie nicht unreflektiert miteinander vermischt werden.

16. Voraussetzungen für das Abweichungsmanagement

  • Angemessenheit der Standards: Nur realistische Standards führen zu aussagekräftigen Abweichungsanalysen.
  • Zuweisung von Verantwortlichkeiten: Abweichungen müssen klar den jeweiligen Verantwortungsbereichen zugeordnet werden.
  • Systematische Erfassung: Lückenlose buchhalterische Erfassung aller Abweichungen.
  • Zuverlässigkeit der Daten: Hohe Qualität und Vertrauenswürdigkeit der bereitgestellten Informationen.

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