Sturm und Drang: Werther und Goethes Erlkönig
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Sturm und Drang: Eine Protestbewegung
Der Sturm und Drang war eine Protestbewegung gegen den Absolutismus, gesellschaftliche Konventionen und Autoritäten. Die „Stürmer und Dränger“ kämpften für politische Freiheit und lehnten starre Regeln ab. Die Epoche wandte sich der Volksdichtung zu und war geprägt von Leidenschaft, Intuition und Naturnähe.
Die Dichter verherrlichten das Genie (den „Titan“) und fokussierten sich auf Empfindsamkeit und Introspektion. Die Natur wurde als ein Organismus im Werden begriffen, in dem sich Gott offenbart. Die Hauptthemen sind:
- Leidenschaft und Gefühl
- Liebe
- Natur
- Freiheit
- Tod
- Das Genie
Der große Anreger war Johann Gottfried Herder; er pries Shakespeare als das Urbild des Genies, da dieser frei und schöpferisch arbeiten konnte.
Die Leiden des jungen Werthers
Der Protagonist ist Werther. Der Roman ist als Briefroman verfasst und schildert seine hoffnungslose Liebe zu Lotte.
Am 10. Mai
Zu Beginn des Romans erlebt Werther die Natur als harmonisch. Er bewundert sie und beschreibt einen schönen Frühlingsmorgen. Er spürt die Gegenwart Gottes überall – in den Insekten im Gras, in der herrlichen Natur und in seinem eigenen Herzen. Er bekennt, dass er seine Gefühle kaum ausdrücken kann, doch in diesem Moment der Schönheit fühlt er sich als Künstler.
Am 18. August
Liebe und Enttäuschung verändern Werthers Natursinn: Die Natur wird für ihn destruktiv. Diese beiden Briefe markieren den Übergang vom Glück zur Verleugnung, wodurch die Natur zur Spiegelung des Todes wird. Lottes Verlobter Albert repräsentiert das Gegenteil von Werther und verkörpert Werte, die Werther nicht teilen kann. Werthers Suizid aus Leidenschaft und unerfüllter Liebe wird zu einer letzten Forderung und symbolisiert seine Verzweiflung sowie den Verlust jeglicher Hoffnung.
Goethes Erlkönig
Diese naturmagische Ballade besteht aus acht Strophen, wobei die erste und die letzte eine Rahmenfunktion einnehmen. Für Goethe vereint das Werk Epik, Lyrik und Drama durch den Dialog zwischen Vater und Kind.
Die Geschichte spielt nachts in einem Wald. Die Protagonisten sind ein Vater, sein Kind und der Erlkönig. Das Kind leidet unter Visionen: Es glaubt, den Erlkönig zu sehen, und fühlt sich bedroht. Der Erlkönig versucht, das Kind anzulocken, das am Ende der Ballade stirbt.
Die Natur wird hier als unruhig, geheimnisvoll und dämonisch dargestellt:
- Der Vater: Steht für die rationale Welt. Er versucht, die Realität rational zu interpretieren, wird jedoch am Ende besorgt.
- Das Kind: Seine Angst ist irrational und intuitiv.
- Der Erlkönig: Er will das Kind für seine Töchter, die die gefährliche Schönheit der Natur repräsentieren. Er symbolisiert den „Vater der Natur“, aber auch den Tod.
Autobiografische Elemente
Das Werk enthält zahlreiche Bezüge zu Goethes eigenem Leben. Ein zentrales autobiografisches Element ist sein Aufenthalt in Wetzlar während seines Praktikums als Rechtsanwalt. Dort lernte er Charlotte Buff kennen, in die er sich hoffnungslos verliebte.
Nachdem Goethe die Stadt verlassen hatte, verliebte er sich in eine andere Frau: Maximiliane von La Roche. Diese unglücklichen Liebeserfahrungen bildeten den Anlass für seinen Roman. Obwohl die Enttäuschungen ihn selbst an den Rand des Suizids führten, wurde das Werk berühmt. Viele junge Menschen identifizierten sich mit Werther und ahmten sein Schicksal nach.