Substanz bei Aristoteles: Stoff, Form und Bewegung
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Substanz bei Aristoteles
Das Wort Substanz ist unabhängig und bezieht sich auf die Existenz eines Dinges. Das lateinische Wort substantia ist die Übersetzung des griechischen ousia. Etymologisch bedeutet es etwas, das darunter steht.
Man unterscheidet zwei Ebenen von Attributen:
- Akzidentelle Eigenschaften können sich ändern, ohne dass die Person aufhört, dieselbe zu sein. Sokrates bleibt Sokrates, auch wenn sich sein Aussehen mit der Zeit verändert.
- Wesentliche Eigenschaften gehören zur Substanz selbst. Sokrates ist ein Mensch, und dies gehört zu seinem Wesen.
Aristoteles unterscheidet zwei Arten von Substanzen:
- Erste Substanzen sind Einzelwesen, etwa konkrete Personen wie Sokrates. Sie bestehen aus Materie und Form.
- Zweite Substanzen beziehen sich auf Gattungen und Arten, zum Beispiel Mensch, Tier oder Pflanze.
Wenn man fragt „Was ist das?“, möchte man wissen, welcher Art von Ding etwas angehört. Auf diese Frage antwortet man mit der ersten Substanz, also mit dem konkreten Einzelwesen, oder mit der zweiten Substanz, also mit der Art oder Gattung.
Materie und Form
Die Materie (griechisch hyle) ist das, woraus etwas besteht. Die Form (griechisch morphe) ist die Struktur oder Gestalt, die der Materie ihre Bestimmung gibt. Ein Standbild besteht etwa aus Bronze (Materie) und hat die Gestalt eines Gottes (Form).
Aristoteles unterscheidet drei Stufen der Materie:
- Erste Materie: reine Möglichkeit ohne jede Form, nicht wahrnehmbar.
- Zweite Materie: eine bereits bestimmte Materie, zum Beispiel Marmor.
Hylemorphismus
Nach Aristoteles besteht jede natürliche und künstliche Substanz aus Materie und Form. Diese Lehre nennt man Hylemorphismus. Die wesentliche Form ist das, was ein Ding zu dem macht, was es ist, während akzidentelle Bestimmungen ohne Veränderung des Wesens wegfallen können.
Natur (physis)
Das lateinische Wort natura entspricht dem griechischen physis. Aristoteles versteht darunter das Prinzip von Bewegung und Veränderung, das den Dingen innewohnt. Natur bedeutet für ihn:
- Ursprung: Physis ist der Ursprung der Bewegungen und Veränderungen.
- Sein: Physis ist das, was in seinem Wesen bleibt, während es sich verändert.
- Bewegung: Die Natur ist das innere Prinzip der Bewegung natürlicher Dinge.
Die Natur wirkt nach Aristoteles zielgerichtet (teleologisch). Jede natürliche Veränderung hat einen Zweck, ein Ende (telos), auf das sie hinstrebt.
Akt und Potenz
Die Unterscheidung von Akt (energeia) und Potenz (dynamis) ist eine der wichtigsten Begriffe bei Aristoteles. Sie dient dazu, Veränderung und Bewegung zu erklären.
- Potenz: die Möglichkeit, etwas zu werden. Kaltes Wasser hat das Potenzial, erwärmt zu werden.
- Akt: die verwirklichte Möglichkeit. Warmes Wasser hat die Wärme tatsächlich.
Bewegung ist der Übergang von der Potenz zum Akt. Aristoteles unterscheidet zwei Arten von Veränderung:
- Substanzielle Veränderungen: Entstehen und Vergehen eines Dinges, also Geburt und Tod.
- Akzidentelle Veränderungen: Veränderungen der Eigenschaften, die die Substanz unverändert lassen. Sie können quantitativ (Wachstum oder Abnahme), qualitativ (Veränderung der Beschaffenheit) oder lokal (Ortsveränderung) sein.