Die Substanztheorie und Metaphysik des Aristoteles

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Die Theorie der Substanz

Die Substanz ist bei Aristoteles die privilegierte Form des Seins. Sie wird auf vielfältige Weise beschrieben, bezeichnet jedoch im Grunde das, was ein Gegenstand ist – nicht als bloßes Attribut, sondern als das zugrunde liegende Subjekt. Andere Seinsweisen treten zwangsläufig in der Substanz auf; Aristoteles nennt sie Akzidenzien:

"Ein Akzidenz ist etwas, das einem Seienden zukommt und von dem man wahrheitsgemäß aussagen kann, das es existiert, jedoch weder notwendig noch gewöhnlich." ... "Die Akzidenzien ereignen sich an der Substanz, sind aber nicht deren Ursache und existieren nur durch etwas anderes."

Die Substanz ist das konkrete Individuum, insbesondere das, was wir gewöhnlich als „Dinge“ oder „Objekte“ bezeichnen. Die primäre Substanz ist das Individuum, das Wesen. Was wir über die Substanz wissen, nennt Aristoteles die sekundäre Substanz.

"Die Substanz ist der Körper, wie Erde, Feuer, Wasser und ähnliche Dinge, sowie Tiere, göttliche Wesen und deren Teile. All diese Dinge werden Stoffe genannt, weil sie nicht nur Attribute eines anderen sind, sondern selbst das Subjekt für andere Wesen bilden."

Für Aristoteles ist die Substanz ein Komposit aus Materie (Hyle) und Form (Morphe). Diese traditionell als Hylemorphismus bezeichnete Theorie besagt, dass diese Zusammensetzung untrennbar ist. Eine Trennung von Materie und Form ist nur gedanklich möglich, da sie in der Realität eine Einheit bilden.

Während die Form das Wesen des Gegenstandes (das Universelle) darstellt, bildet die Materie das Subjekt, das im Individuum vorliegt. Die Materie ist daher das Individuationsprinzip: Was einen Stoff von einem anderen unterscheidet, ist die Materie, während die Form (das „Was“) bei identischen Objekten gleich ist.

Die Form stellt nicht nur die Essenz dar, sondern macht das Ding erkennbar. Da die Form auch die Natur des Wesens repräsentiert – und die Natur das Prinzip und die Ursache der Bewegung ist –, ermöglicht sie Aristoteles, die Wirklichkeit des Wandels zu erklären.

Sein im Akt und Sein in der Potenz

Zur Erläuterung von Veränderungen nutzt Aristoteles neben der Substanztheorie eine weitere metaphysische Struktur: die Unterscheidung zwischen Akt (Wirklichkeit) und Potenz (Möglichkeit).

"Da sich die Qualität nicht nur auf den Stoff und die Menge bezieht, sondern auch auf die Potenz und den Akt, sind diese relativ zum Handeln zu verstehen."

Das Sein im Akt bezeichnet den Zustand, in dem sich eine Substanz zu einem bestimmten Zeitpunkt befindet. Die Potenz hingegen umfasst alle Fähigkeiten oder Möglichkeiten des Stoffes, etwas anderes zu werden. Ein Kind ist ein Mensch im Akt (als Kind) und ein Mensch in der Potenz (als Erwachsener). Das bedeutet, es ist bereits ein Mensch, kann aber noch mehr werden.

Die Potenz repräsentiert eine Form des Nicht-Seins: Es ist kein absolutes Nicht-Sein, sondern ein relatives, das ebenso real ist wie die Substanz selbst. Jede Substanz enthält Fähigkeiten, die durch ihre Natur bestimmt sind. Ein Pflanzensamen kann zu einer Pflanze werden, aber nicht zu einem Pferd.

Aristotelische Metaphysik

"Alle Menschen streben von Natur aus nach Wissen." Mit diesen Worten beginnt das erste Buch der Metaphysik des Aristoteles. Das Bedürfnis zu wissen gipfelt in der Weisheit – dem Wissen über die Ursachen und Prinzipien des Seins. Dies ist das Objekt der Metaphysik: die Wissenschaft von den ersten Ursachen und Prinzipien der Realität.

Kritik der Ideenlehre

Aristoteles stimmt Platon zu, dass es ein gemeinsames Element zwischen Objekten derselben Klasse gibt – das Universale. Er bestreitet jedoch, dass dieses eine unabhängige Existenz außerhalb der Dinge hat. Die platonische Ideenlehre schafft eine parallele Welt, die ihrerseits erklärungsbedürftig wäre, ohne die sichtbare Welt wirklich zu erklären.

Für Aristoteles ist die Trennung zwischen der sichtbaren und der intelligiblen Welt unmöglich. Ideen stellen zwar die Essenz der Dinge dar, doch Platons Theorien der Partizipation und Nachahmung bleiben bloße Metaphern. Um die Realität kohärent zu erklären, schlägt Aristoteles stattdessen die Theorie der vier Ursachen vor.

Die Theorie der vier Ursachen

Im ersten Buch der Metaphysik definiert Aristoteles vier Ursachen, die für das wahre Wissen notwendig sind:

  • Formale Ursache: Das Wesen oder die Definition eines Dings.
  • Materielle Ursache: Das Subjekt oder der Stoff, aus dem etwas besteht.
  • Wirkursache: Das Prinzip der Bewegung oder Veränderung.
  • Finalursache: Der Zweck oder das Ziel, auf das alles ausgerichtet ist.

Diese vier Ursachen bilden das Fundament für das Verständnis des Seins und der Veränderung in der aristotelischen Philosophie.

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