Theorien der internationalen Beziehungen und Identität
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Die Gesellschaft der Individuen nach Norbert Elias
Der Soziologe Norbert Elias prägte im Jahr 1987 den Begriff der „Gesellschaft der Individuen“. Im Laufe der Jahre und durch globale Bewegungen haben wir immer mehr Zugang zu Informationen aus der ganzen Welt, was es uns ermöglicht, unsere eigene Identität zu erschaffen. Früher lernten wir primär durch Familie und Schule; heute lernen wir auch durch das Fernsehen und das Internet. Nach Elias führt dies dazu, dass wir uns zunehmend als Teil einer globalen Gesellschaft fühlen. Dies schafft das Bewusstsein, dass Menschen in der Lage sind, ihr soziales Umfeld zu beeinflussen. Da dieser Kreis jedoch sehr groß ist, wächst auch die Ohnmacht (Beispiel: Was können wir für die Opfer im Gazastreifen tun?). Man kann sich zwar mit ihnen identifizieren, hat aber keinen Einfluss. Dieses Gefühl führt die Menschen zu einem zentralen Problem der Globalisierung: der Suche nach einer neuen Identität. Das Individuum hat das Bedürfnis, sich an jedem Ort als Teil von etwas zu fühlen – dies bezieht sich nicht nur auf die politische Identität, sondern auch auf die kulturelle und soziale Identität.
Die Regimetheorie nach Axelrod und Krasner
Die Regimetheorie, in den 1980er-Jahren von Robert Axelrod in Zusammenarbeit mit Stephen Krasner (1982) formuliert, setzt sich mit dem damals vorherrschenden realistischen Paradigma und den klassischen Begriffen des Realismus auseinander. Ein internationales Regime definiert sich als eine Reihe von Normen und einer gemeinsamen Kultur, die bestimmte Parameter in den internationalen Beziehungen festlegen. Realisten ordnen den Staat nicht internationalen Regelungen unter. Die Theorie der internationalen Regierung wird hierbei durch das Konzept der Governance (Regierungsführung) ersetzt. Es gibt keine übergeordnete Weltregierung, stattdessen werden Bündnisse gebildet.
Regierung (Government) vs. Governance
Es wird wie folgt unterschieden:
- Regierung (Government): Institutionalisierte Beziehungen zwischen Staaten, die sich der Idee eines Weltstaates annähern. Beispiele: Verträge, die Vereinten Nationen (UN) etc.
- Governance (Regierungsführung): Diskussion von Systemen und nicht-institutionalisierten Elementen. Beispiel: Die G7 (es gibt kein formelles Mandat und keine festgeschriebenen Gesetze).
Der Unterschied liegt zwischen der eher formalen, rechtlichen Vision (Regierung) und der informellen Vision von Global Governance. Der Erfolg von Governance liegt darin, dass sie nach dem Fall der Berliner Mauer als solche anerkannt und respektiert wurde, wodurch die informelle Vision deutlicher hervortrat.
Klassifikation internationaler Systeme
Es gibt eine Klassifikation von Systemen in fünf Bereiche:
- Grundsätze (Prinzipien): Internationale Beziehungen setzen voraus, dass es Faktoren gibt, die von den Ländern geteilt werden.
- Prinzip der Gegenseitigkeit (Reziprozität): Was ein Staat dem anderen gestattet oder verbietet, gilt wechselseitig. Wenn diese Gegenseitigkeit gebrochen wird, entstehen schwerwiegende Probleme und Staaten behandeln sich nicht mehr als gleichwertig.
- Regeln: Die internationale rechtliche Formalisierung (z. B. Verträge, Chartas).
- Verfahren: Wege der Entscheidungsfindung und Konsensbildung (z. B. Verhandlungen Spaniens in der EU).
- Spezifische Regeln (Abkommen): Vereinbarungen über sehr spezifische Bedingungen und die rechtliche Formalisierung konkreter Themen in den internationalen Beziehungen (z. B. das Verbot von Senfgas oder Antipersonenminen). Es handelt sich oft um ein implizites Einverständnis oder sektorale Abkommen.
Die realistische Tradition nach Thomas Hobbes
In der realistischen Tradition (nach Thomas Hobbes) sind die einzigen Akteure in den internationalen Beziehungen die Staaten, welche sich in einem Zustand der Anarchie befinden. Der Krieg ist eine normale Aktivität (ein Kampf zwischen Staaten um die Vorherrschaft). Es besteht eine politische Bedeutung der Staaten und ein ständiges Spannungsfeld zwischen Politik und Wirtschaft. Die einzige Möglichkeit zur Ordnung ist die Hierarchie (unipolar mit einer Vormacht oder multipolar). Internationale Politik wird als reine Interessenkollision verstanden. Diese Sichtweise basiert auf der moralischen Überlegung, dass der Mensch egoistisch ist und stets seine eigenen Interessen verteidigt. Realisten sind pessimistisch gegenüber der menschlichen Natur und versuchen nicht, diese zu ändern. Frieden ist für sie nichts anderes als eine Erholungsphase zwischen zwei Kriegen.
Machtformen: Hard Power vs. Soft Power
- Hard Power: Militärische und wirtschaftliche Machtmittel.
- Soft Power: Kulturelle Werte und Attraktivität – das, was andere Länder nachahmen wollen und weshalb sie ein Land als Referenz wählen.
Die liberale Gesellschaftsauffassung (Kant)
Diese andere Sichtweise auf die Weltgesellschaft unterscheidet sich grundlegend von der vorhergehenden. Sie hat eine eigene Art, die internationalen Beziehungen zu betrachten. Ihre utopischen Wurzeln führen zu Immanuel Kants Auffassung einer Weltregierung.
Die Hauptinhalte sind:
- Verteidigung der Zivilgesellschaft gegenüber den politischen Behörden (Autonomie der Bürger gegenüber dem Staat). Der Staat ist hierbei nicht der zentrale Akteur. Das Ziel ist es, den Bürgern zu ermöglichen, ihre Forderungen zu erfüllen.
- Eine Anti-Kriegs-Vision.
- Eine Verurteilung von Gewalt zwischen Staaten und die Ablehnung des Krieges als letztes Mittel.
In Europa erleben wir derzeit eine Friedensperiode seit 1945 (obwohl wir den Balkankrieg berücksichtigen müssen). Heutzutage wird das Konzept des Friedens weiterentwickelt (und nicht nur als Zwischenkriegszeit verstanden). Das endgültige Ziel dieser Weltgesellschaft ist es, den Krieg als einen unrechtmäßigen Akt zu betrachten.